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WM 2006

08.02.2012 | 12:09 Uhr

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Nachrichten - Andere Teams

Italien nach dem Halbfinalsieg gegen Deutschland

Die perfekte Strategie

Von Marcus Bark

Die Italiener sind ihrem Rhythmus treu geblieben. Wieder dauerte es zwölf Jahre, bis sie das nächste WM-Finale erreichten: 1970, 1982, 1994, 2006. Das mag noch als Zufall gelten, aber der 2:0-Sieg gegen Deutschland war das Ergebnis einer perfekten Strategie.

Marcello Lippi; Rechte: dpa Architekt des Erfolgs: Trainer Marcello Lippi

Sonnenbrillen wären um diese Zeit albern gewesen, denn es war schon kurz nach Mitternacht. Aber sie hätten das Bild abgerundet. Die Italiener gaben sich auch nach dem Erfolg in Dortmund so cool, als würde sie nichts aus der Bahn werfen können. Dabei war die Nachrichtenlage in der Heimat noch einmal schlechter geworden. Nationalspieler sind zwar im Zuge des Manipulationsskandals nicht in das Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Aber die Ermittler forderten wenige Stunden vor dem Halbfinale, dass Juventus Turin in die dritte Liga, AC Mailand, Lazio Rom und der AC Florenz in die zweite absteigen sollen. Sieben Spieler der Anfangsformation verdienen ihr Geld bei diesen Vereinen.

Schon vor der WM hatten sie davon gesprochen, den Skandal einfach auszublenden. Inzwischen hat die Squadra Azzurra bewiesen, dass ihnen das gelungen ist. Ohne nach links oder rechts zu schauen, haben sie ihre Strategie gegen Deutschland durchgezogen, und die war meisterlich.

Bollwerk und vier Stürmer

Trainer Marcello Lippi setzte in Tradition seiner Vorgänger auf eine stabile Defensive, die den Namen Bollwerk verdient hatte. Bei Ballbesitz ging es dann schnell nach vorne, oft mit direkten Pässen. Dank einer glänzenden Abstimmung zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen kamen die Italiener lange Zeit mit weitaus weniger Aufwand aus. Bei hohen Temperaturen und einer schon vorher einkalkulierten Verlängerung war dies ein entscheidender Faktor für den Sieg. Ein anderer waren die Auswechslungen. Im Viertelstunden-Rhythmus wurde ab der 74. Minute, die Kräfte bei einigen deutschen Spielern schwanden allmählich, eine neue Offensivkraft eingewechselt. Ab der zweiten Hälfte der Verlängerung standen vier gelernte Stürmer auf dem Platz, und das beim Stand von 0:0. Lippis Erfrischungen nutzten die deutschen Ermüdungen und schlugen kurz vor dem Ende zweimal zu. "Es wäre ungerecht gewesen, wenn wir nicht gewonnen oder ins Elfmeterschießen gemusst hätten", sagte der Trainer nach der Partie. Explizit wollte dies kein deutscher Spieler bestätigen. Aber aus Miroslav Kloses Worten klang schon Bewunderung: "Die Italiener haben clever gekontert und zwei wundervolle Tore geschossen."

Verdientes Glück

Andrea Pirlo (r.), Tim Borowski; Rechte: dpa Einen Schritt schneller: Andrea Pirlo (r.)

Die statistischen Daten belegen, dass Lippi seine Analyse aufrecht erhalten darf. Die Italiener trafen mit ihren Schüssen zehnmal das Tor, Deutschland nur zweimal. Eine deutliche Überlegenheit verzeichnet der Weltmeister von 1930, 1934 und 1982 auch beim Ballbesitz: 57 zu 43 Prozent. "Es war ein fantastisches Spiel. Wir hatten genau das Glück, das wir uns verdient hatten", sagte Andrea Pirlo, mit Verteidiger und Kapitän Fabio Cannavaro der beste Italiener.

Pirlo spielt beim AC Mailand, Cannavaro bei Juventus Turin. Vermutlich noch vor dem Finale werden sie die Urteile im Manipulationsskandal erfahren. Für den Gegner muss das kein Vorteil sein.

Stand: 05.07.2006, 08:00 Uhr

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