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WM 2006

06.09.2010 | 06:20 Uhr

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Nachrichten - Deutsches Team

0:2 nach Verlängerung trotz großer kämpferischer Leistung

Italien beendet den deutschen Traum

Von Christian Hornung

Es war wieder eine Nervenschlacht, ein grandioser Kampf über die volle Distanz. Aber zwei Minuten vor dem Ende der Verlängerung war der deutsche Traum vom Weltmeister-Titel ausgeträumt: Fabio Grosso und Alessandro Del Piero trafen zum 2:0-Sieg für Italien. Die Deutschen gingen weinend vom Platz, die Fans feierten sie trotzdem für ein grandioses Turnier, das das ganze Land begeistert hat.

Andrea Pirlo (l.) im Duell mit Michael Ballack; Rechte: dpa Kein Platz zur Entfaltung: Michael Ballack (r.) im Duell mit Andrea Pirlo

Das Schöne an der viel bemühten Statistik vor der Partie war, dass sich jede Partei das für sie Passende heraussuchen konnte. Die Italiener hatten bei einer WM noch nie gegen Deutschland verloren. Das Team von Jürgen Klinsmann konnte darauf verweisen, das es bei 14 Länderspielen in Dortmund noch nie als Verlierer vom Platz gegangen war und sogar 13 davon gewonnen hatte. Spätestens nach drei Minuten interessierte sich keiner unter den 65.000 Fans mehr für Zahlen, da zählten nur noch Fakten. Für das erste Ausrufezeichen sorgte Francesco Totti mit einem Freistoß, den der Römer aus gut 35 Metern auf direktem Wege Richtung Winkel schickte, doch Jens Lehmann griff beherzt und sicher zu.

Lehmann rettet gegen Perrotta

Ziemlich beherzt ging es auch in der Zweikämpfen zu. Nach nur sechs Minuten hatten Gennaro Gattuso, Andrea Pirlo und Marco Materazzi bereits drei Deutsche tiefergelegt, doch Schiedsrichter Benito Archundia ließ die Gelbe Karte noch in der Brusttasche. Die harte Gangart schien das Team von Jürgen Klinsmann zu beeindrucken, und so nahmen zunächst einmal die Italiener das Geschehen in die Hand. Nach einer Viertelstunde überlief Simone Perrotta die Viererkette, doch Lehmann verkürzte geschickt den Winkel und wehrte glänzend ab. Die Deutschen waren in dieser Szene schlecht sortiert, weil sie noch mit dem Unparteiischen haderten - der hätte nach einem absichtlichen Handspiel von Pirlo auf Elfmeter entscheiden müssen.

Schneiders große Chance

Dem Spielverlauf hätte eine Führung des Gastgebers allerdings auch nicht entsprochen. Ohne den gesperrten Torsten Frings klaffte im Mittelfeld ein Loch, das den eher defensiv erwarteten Italienern einen Angriff nach dem anderen gestattete. Sogar Mittelstürmer Miroslav Klose musste sich nach einer halben Stunde in den Schuss von Totti werfen, und auch Christoph Metzelder konnte nur mit größtem Körpereinsatz das 0:1 durch Luca Toni verhindern. Es dauerte bis zur 34. Minute, ehe auch die italienischen Fans einmal die Luft anhalten mussten. Nach einer schönen Kombination über Klose und Lukas Podolski ging Bernd Schneider plötzlich völlig frei auf Gianluigi Buffon zu, drosch den Ball aber knapp über die Latte. Diese Aktion hätte die Statistiker nicht überrascht: In zuvor 69 Länderspielen hat der Leverkusener erst ein Tor erzielt.

Borowski als Antreiber

Bereits fünf Treffer allein während dieses Turniers hat Klose auf seinem Konto, und unmittelbar nach der Pause wäre beinahe das sechste hinzugekommen. Der Bundesliga-Torschützenkönig ging allein gegen drei Verteidiger bis in den Strafraum und scheiterte erst am herausstürzenden Buffon . Der Seitenwechsel hatte aber offenbar einen Psychologiewechsel mit sich gebracht. Die Deutschen wirkten nun mutiger und entschlossener, vor allem Borowski brachte das Offensivspiel auf Touren. Ein sehenswerter Drehschuss von Podolski, den Buffon per Reflex abwehrte, und der Versuch von Ballack aus der zweiten Reihe brachten aber nach einer Stunde immer noch nicht den ersehnten Befreiungsschlag.

Ballacks Freistoß

Die Kräfte der Italiener schienen ein wenig nachzulassen, obwohl es die Deutschen waren, die in ihrem Viertelfinale über die vollen 120 Minuten gegangen waren. Chancen entsprangen der Überlegenheit aber lange Zeit nicht, erst ein Freistoß von Michael Ballack aus knapp 18 Metern knapp am rechten Winkel vorbei sorgte in der 82. Minute mal wieder für Gefahr. Noch bedrohlicher wurde es allerdings auf der anderen Seite, als Perrotta bei einem der wenigen italienischen Konter zum zweiten Mal frei vor Lehmann auftauchte. Doch auch diesmal behielt der Schlussmann mit einer entschlossenen Faustabwehr die Oberhand.

Ballack rüttelt auf

Jens Lehmann und Michael Ballack (r.) staunen, der Ball geht an den Pfosten; Rechte: dpa Schrecksekunde für Jens Lahmann und Michael Ballack: Der Pfosten rettet.

So musste der Gastgeber erneut in die Verlängerung, vor der Kapitän Ballack mit wildem Gesichtsausdruck und lauter Ansprache seine Mannschaft noch einmal aufrüttelte. Italiens Coach Marcello Lippi gab seinem Team die Richtung mit einer Auswechslung vor. Für Mittelfeldspieler Mauro Camoranesi kam mit Vincenzo Iaquinta die zweite Spitze - und sofort ging die Post ab. Nach nur 40 Sekunden umkurvte Alberto Gilardino die deutsche Abwehr und schloss den Slamlomlauf mit einem Schuss an den rechten Pfosten ab. Nur eine Minute später folgte das nächste akustische Warnsignal: Gianluca Zambrotta nagelte den Ball aus zwölf Metern an die Latte.

Lippi sucht die Entscheidung

Derart kräftig durchgeschüttelt, brauchten die Deutschen einige Minuten, um ins Spiel zurückzufinden. Lippi registrierte das und trug nun endgültig die italienische Tradition des "Catenaccio" zu Grabe: Mit Alessandro Del Piero schickte er neben Gilardino, Iaquinta und Totti den vierten gelernten Stürmer auf das Feld. Doch damit schien der Trainer auch seine eigene Elf ein wenig aus dem Gleichgewicht zu bringen. Sekunden vor der Halbzeit setzte der eingewechselte David Odonkor mit einer Maßflanke perfekt Podolski in Szene - doch der köpfte aus fünf Metern völlig freistehend am Tor vorbei.

Grossos Schlenzer

Danach war das Spiel endgültig wieder eine Begegnung auf Augenhöhe, und die Deutschen hatten die nächste Großchance: Wieder stand Podolski frei vor dem Tor, diesmal lag der Ball auf seinem starken linken Fuß - doch Buffon hatte die Fäuste rechtzeitig oben. Doch natürlich blieben auch die Italiener gefährlich. Del Piero schoss knapp am Tor vorbei, Pirlo scheiterte an Lehmann. Zwei Minuten vor dem Ende war der deutsche Traum vom Weltmeistertitel dann ausgeträumt: Fabio Grosso zirkelte den Ball zum goldenen Tor für Italien ins linke Eck. Danach machte das Team von Jürgen Klinsmann die Deckung auf - und wurde durch Del Pieros Kontertor zum 2:0 hart bestraft. Die Fans in Dortmund feierten das Team trotzdem - der Lohn für ein grandioses Turnier, dem nur die Krönung fehlte.

Stand: 05.07.2006, 00:05 Uhr

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