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WM 2006

09.02.2012 | 10:25 Uhr

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Nachrichten - Deutsches Team

Die "Frings-Lösung" unter der Lupe

Edel-Ersatz Kehl fällt erst ganz spät

Von Marcus Bark

Wer ersetzt Torsten Frings im Halbfinale gegen Italien? Sebastian Kehl oder Tim Borowski? Bundestrainer Jürgen Klinsmann hat aus das "oder" durch ein "und" ersetzt. sport.ARD.de hat die Frings-Lösung unter die Lupe genommen.

Borowski war vor dem Halbfinale bei fünf Einsätzen auf 176 Minuten gekommen. Das macht 35,2 Minuten im Schnitt. Es waren stets gute Minuten für die deutsche Mannschaft. Der Vergleich mit Jürgen Grabowski drängte sich daher auf. Der Weltmeister von 1974 hatte sich schon vier Jahre vorher bei der WM in Mexiko den Beinamen Edel-Joker erworben. Grabowski kam damals gut damit zurecht, genau wie nun Borowski.

Edel-Jokern heften einige Etiketten an. Eines ist, dass sie sofort ins Spiel finden. Das andere ist, dass sie Schwierigkeiten haben, wenn sie schon den Anpfiff auf dem Platz erleben. Tim Borowski hatte damit gegen Italien zunächst keine Schwierigkeiten. Der Bremer machte das, was von ihm verlangt und erwartet wurde. Allerdings nur eine Halbzeit lang. Nach 72 Minuten die Partie für ihn beendet. Dass er nach dem Wechsel von Minute zu Minute schwächer wurde, deutet auf konditionelle Mängel hin.

Damit hatte Sebastian Kehl keine Probleme. Der Dortmunder war zuvor in zwei Begegnungen nur auf zwölf Minuten Spielzeit gekommen. Gegen Italien durfte er die Position im defensiven Mittelfeld einnehmen, die Frings in den Spielen zuvor so gut ausgefüllt hatte. Ihm zur Seite stand Michael Ballack, der sich bei Ballbesitz der Italiener häufig auf eine Höhe mit Kehl zurück fallen ließ.

Kehl begann etwas verhalten. Nach drei Minuten ließ er sich überrumpeln und stoppte Francesco Totti mit einem Foul. Jeder Pass, jede Aktion danach brachten mehr Sicherheit. Gleich der erste Vorstoß ergab eine Chance. Kehls Flanke nahm Lukas Podolski direkt (21.). Den Mut zum Abschluss hatte das noch nicht gegeben. Zwei Minuten später lag der Ball 20 Meter vor seinem linken Fuß in zentraler Position. Kehl wollte abspielen und vertändelte.

Simone Perrotta und Sebastian Kehl; Rechte: dpa Sebastian Kehl hatte gegen Italien viel Arbeit.

Klinsmann hatte Borowski für Bastian Schweinsteiger auf die linke Seite im Mittelfeld beordert. Sicherheit zuerst, hieß die Botschaft. Borowski sollte die Vorstöße von Mauro Camoranesi und dem bisweilen recht offensiven Verteidiger Gianluca Zambrotta stoppen. Da die Italiener aber wie erwartet mit Luca Toni nur eine Spitze und dahinter zentral Francesco Totti aufgeboten hatten, konnte sich der deutsche Linksverteidiger Philipp Lahm um Camoranesi kümmern. Zambrotta blieb fast immer brav in der Defensive. Borowski durfte deshalb in der ersten Halbzeit seine Stärken in der Offensive ausspielen. Er bestach dabei durch einen schönen Flankenwechsel auf Bernd Schneider, Mut zum eigenen Abschluss und abgeklärte Spielweise. Allerdings schlichen sich schon in den letzten Minuten vor der Pause Fehler ein. Der Eindruck verstärkte sich nach der Pause. Das gab letztlich den Ausschlag für die Auswechslung.

Mit jeder Minute, die Borowski an Kraft verlor, stieg das Selbstvertrauen bei Kehl. Der Dortmunder räumte hinten energisch ab und preschte nun häufiger nach vorne. Zeitweise trieb er im Wechsel mit Ballack das Spiel an. Kehl musste in der Verlängerung viel Kraft aufwenden, um den Spagat zwischen sicherer Defensive und entlastender Offensive zu schaffen. Bis zum Schluss zeigte er dabei keine Erscheinungen von Erschöpfung. Es war irgendwie so, als habe Frings auf dem Platz gestanden. Nur gewonnen haben die Deutschen nicht. Als Alessandro Del Piero das 2:0 geschossen hatte, fiel deshalb auch Kehl um.

Stand: 05.07.2006, 07:35 Uhr

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