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Aus dem Archiv von sportschau.de
09.02.2012 | 17:42 Uhr
Interview mit dem Bundestrainer
Jürgen Klinsmann lässt seine Zukunft als Trainer der Nationalelf offen. "Ich muss jetzt erst einmal durchschnaufen", sagte er nach dem Halbfinale.
Bundestrainer Klinsmann mit seinem Kapitän Michael Ballack (l.)
Frage: "Jürgen Klinsmann, sie haben das Finale denkbar knapp verpasst. Wie tief sitzt die Enttäuschung?"
Jürgen Klinsmann: "Das ist natürlich schwer in Worte zu fassen. Die Enttäuschung ist riesengroß. Es ist eine bittere Pille, die man erst einmal schlucken muss."
Frage: "Fühlt man an einem solchen Tag auch Stolz auf das Geleistete?"
Klinsmann: "Auf jeden Fall. Die Mannschaft hat ein fantastisches Turnier gespielt. Sie hat sich zerrissen und ist bis an ihre Grenzen gegangen. Ich habe die allerhöchste Hochachtung davor, was unsere Truppe geleistet hat. Diese Mannschaft hat Charakter, sie hat ein ganzes Land stolz gemacht. Man kann ihr nur Komplimente machen. Diese WM war ein Riesenerfolg für die Mannschaft und ganz Deutschland. Wir haben der Welt ein anderes Gesicht von Deutschland gezeigt."
Frage: "Hat sich letztlich die Cleverness der Italiener durchgesetzt?"
Klinsmann: "Die Italiener waren sehr kaltschnäuzig, dafür gebührt ihnen ein Kompliment. Kann sein, dass die Italiener am Ende den Tick cooler waren und deshalb ihre Chancen genutzt haben. Sie haben uns spät bestraft."
Frage: "Vor dem Turnier haben Sie noch geglaubt, dass Deutschland Weltmeister wird..."
Klinsmann: "Daran haben wir geglaubt, bis wir zwei Minuten vor dem Ende das erste Tor gefangen haben."
Frage: "Franz Beckenbauer hat den Wunsch geäußert, dass Sie Bundestrainer bleiben, und auch Ihre Beliebtheit bei den Fans ist während des Turniers stetig gewachsen. Werden Sie bleiben?"
Klinsmann: "Ich weiß es wirklich noch nicht, und ich verschwende daran im Moment auch überhaupt keinen Gedanken. Nach so einem Turnier muss man erst mal in sich gehen und alles sacken lassen. Es ist viel passiert in den letzten zwei Jahren, da muss man erst einmal durchschnaufen. Ich habe zwei Jahre lang die volle Energie reingelegt und an nichts anderes gedacht als den Finaleinzug. Dennoch freut es mich auch jetzt, dass Anerkennung und Respekt da ist. Ich werde mich die nächsten Tage mal mit meiner Frau und meiner Familie unterhalten, und dann wird irgendwann eine Entscheidung fallen. Ich habe auch schon Dr. Zwanziger und Herrn Mayer-Vorfelder (die DFB-Präsidenten, d. Red.) um Bedenkzeit gebeten."
Stand: 05.07.2006, 07:40 Uhr
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