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09.02.2012 | 10:26 Uhr
Die Deutschen in der Einzelkritik
Von Christian Hornung
In einem leidenschaftlichen Spiel haben die deutschen Spieler alles abgerufen. Sie haben nur ihre Torchancen nicht genutzt. Die Einzelkritik.
Jens Lehmann hielt, was zu halten war.
Jens Lehmann hatte diesmal alle Hände voll zu tun, doch er war in einer nicht immer sicheren Abwehr der Turm in der Schlacht. Stark auf der Linie, großartig in der Strafraumbeherrschung, bei beiden Gegentoren absolut chancenlos.
Arne Friedrich ging auf der rechten Abwehrseite konsequent in die Zweikämpfe, versuchte auch einiges in der Offensive, ließ es da aber wie gewohnt an der Präzision fehlen. Insgesamt trotzdem eine ordentliche Vorstellung des Herthaners.
Christoph Metzelder war maßgeblich daran beteiligt, dass Luca Toni kaltgestellt wurde, doch Marcello Lippi setzte ihm immer neue Angriffsspieler vor die Nase. Vor dem Pfostenschuss von Alberto Gilardino ließ er sich ausspielen, ansonsten mit großem Engagement, aber auch mit einigen Stellungsfehlern.
Per Mertesacker stand lange Zeit sehr gut im Deckungszentrum, hochkonzentriert und gewohnt zweikampfstark. Doch auch er wirkte am Ende gegen vier italienische Offensivspieler überfordert.
Philipp Lahm zeigte gegenüber dem Argentinien-Spiel die größte Leistungssteigerung, in der Defensive mit großartigen Tacklings, nach vorne mit vielen Akzenten. Nur seinen Flanken fehlte diesmal die Genauigkeit.
Michael Ballack und Sebastian Kehl (r.) hatten im Mittelfeld viel Arbeit.
Sebastian Kehl musste im Mittelfeld Torsten Frings ersetzen und zeigte angesichts dieser schwierigen Aufgabe eine sehr respektable Vorstellung. Er fing viele Angriffe ab und suchte auch selbst den Abschluss. Eine gute Leistung, aber naturgemäß nicht so dominant wie der gesperrte Bremer gegen Argentinien.
Tim Borowski gab ebenfalls sein Debüt in der Startelf und war bis zu seiner Auswechslung der beste deutsche Mittelfeldspieler. Auch in den schwächeren Phasen war er der Antreiber, viele gute Ideen und Spielverlagerungen. Mit seinem Abgang verlor der Aufbau an Qualität.
Bernd Schneider kämpfte und lief wie immer viel, rieb sich aber gegen die brillante Deckung der Azzurri auf und blieb letztlich wirkungslos. Bei seiner Riesenchance in der 34. Minute zeigte er seine chronische Harmlosigkeit vor dem Tor, aber auch als Vorbereiter war der Leverkusener diesmal nicht auf der Höhe.
Michael Ballack hatte kaum Platz, seine Ideen zu entfalten. Kaum war er am Ball, sah er sich stets zwei, drei Italienern gegenüber, die ihn effektiv bekämpften. Trotzdem gab der Kapitän nie auf, kam aber in 120 Minuten zu keiner einzigen Torchance. Hielt sich insgesamt zu viel im defensiven Mittelfeld auf, so konnte er vorne kaum für Entlastung sorgen.
Alles gegeben, aber nicht getroffen: Lukas Podolski tröstet David Odonkor (r.).
Lukas Podolski wurde oft schlecht angespielt, konnte sich auch im Zweikampf selten durchsetzen. Doch in der Verlängerung blühte er auf, hatte per Kopf und mit einem Linksschuss große Chancen, die er überhastet vergab. Er hätte zum Matchwinner werden können.
Miroslav Klose versuchte immer wieder, sich in der Spitze anzubieten, wurde aber häufig übersehen und zudem glänzend abgeschirmt. Kam vor dem Tor zu keiner klaren Aktion, zweimal legte er noch quer, statt es selbst zu versuchen. Der potenzielle WM-Torschützenkönig zeigte sein schwächstes Turnierspiel.
Bastian Schweinsteiger(ab 72. für Borowski) wirkte wie so oft in diesem Turnier fahrig, nervös und schlampig bei Ballannahme und Abspiel. War mitverantwortlich dafür, dass die Italiener die Kugel immer schnell zurückerobern konnten und die Defensive der Deutschen somit kaum Zeit zum Luftholen hatte.
David Odonkor (ab 83. für Schneider) bewegte sich auf der rechten Seite viel, allerdings ohne viel zu bewegen. Bereitete aber mit einem seiner gefürchteten Flankenläufe die große Kopfballchance von Podolski vor. Es fehlte also nicht viel, und er hätte das Déjà-vu aus dem Polen-Spiel erlebt, in dem er das Siegtor einleitete.
Oliver Neuville (ab 111. für Klose) hatte nach seiner Einwechslung kaum Ballkontakte und keine Torchance, weil Deutschland fast nur noch in der Rückwärtsbewegung war. Vermutlich hätte er im Elfmeterschießen wieder seine große Stunde als erster Schütze gehabt. Doch dazu kam es diesmal nicht mehr.
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