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Aus dem Archiv von sportschau.de
09.02.2012 | 01:09 Uhr
Ein Spiel Sperre und eins auf Bewährung
Der Fußball-Weltverband FIFA hat Torsten Frings für das WM-Halbfinale am kommenden Dienstag (04.07.06) gesperrt und eine Sperre für ein weiteres Spiel ein halbes Jahr zur Bewährung ausgesetzt. Das Urteil löste im deutschen Lager neben Entsetzen großes Unverständnis aus.
"Wir sind enttäuscht. Wir waren der Meinung, dass wir einen schlüssigen Beweis für einen Freispruch geliefert hatte. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als die Entscheidung zu akzeptieren und alle Konzentration auf das Spiel gegen Italien zu richten", sagte Nationalteammanager Oliver Bierhoff.
Die FIFA-Disziplinarkommission sah es am Montag nach Auswertung neuer Fernseh-Bilder und mehrerer Anhörungen als erwiesen an, dass Torsten Frings in einer Massenrangelei den Argentinier Julio Cruz mit der Faust ins Gesicht geschlagen hatte. Der Mittelfeldspieler könnte somit erst im Finalspiel oder in der Partie um Platz drei wieder eingesetzt werden. Bei einer weiteren entsprechenden Verfehlung im nächsten halben Jahr müsste Frings, der zudem 5000 Schweizer Franken Strafe berappen muss, erneut aussetzen.
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"Wir finden es natürlich schade, dass etwas aufgerollt wurde, was zum einen abgeschlossen war. Und was zum anderen allein von den Argentiniern ausging. Wir waren nur die Reagierenden", erklärte Bundestrainer Jürgen Klinsmann zu den überraschenden und weit reichenden Nachwirkungen der Tumulte im Anschluss an das Viertelfinale Deutschland gegen Argentinien. Der Geschäftsführende DFB-Chef Theo Zwanziger ergänzte ernüchtert: "Ich bin schon ein Stück enttäuscht. Ich habe unsere Stellungnahme genau gelesen und bin davon ausgegangen, dass wir eine große Chance auf einen Freispruch haben."
Frings selbst hatte seine Unschuld beteuert und war auch von Julio Cruz entlastet worden: "Ich bin nicht geschlagen worden oder habe es zumindest nicht gemerkt", sagte Cruz der italienischen "La Gazzetta dello Sport". Die Disziplinarkommission, der der Schweizer Marcel Mathier vorsaß, befand Frings dennoch für schuldig und sperrte den Bremer für das Halbfinale am Dienstag in Dortmund gegen Italien.
Ohne Torsten Frings ist Bundestrainer Jürgen Klinsmann gezwungen, seine Erfolgsmannschaft vor dem Halbfinale gegen Italien umzubauen. Als erster Anwärter auf den Platz im defensiven Mittelfeld gilt der Dortmunder Sebastian Kehl. Auch ein Einsatz des Bremers Tim Borowski in der Anfangself ist denkbar. Frings zählte im bisherigen Turnierverlauf zu den stärksten deutschen Spielern. Im Viertelfinale war es ihm im Zusammenspiel mit Kapitän Michael Ballack gelungen, den argentinischen Spielmacher Juan Roman Riquelme auszuschalten. Im Eröffnungsspiel gegen Costa Rica schoss der 29-Jährige den Treffer zum 4:2-Endstand.
Die FIFA war durch die verspätete Sichtung von belastenden Fernsehbildern im Fall Frings in Erklärungsnot geraten. "Das kann passieren. Wichtig ist, dass so etwas nicht durchgeht", verteidigte sich FIFA-Mediendirektor Markus Siegler und betonte: "Ich lasse es nicht zu, dass man uns vorwirft, dass wir die Arbeit nicht richtig gemacht haben." Die Bilder, die einen Faustschlag von Frings gegen Cruz belegen sollten, waren schon seit Samstag im Fernsehen gezeigt worden.
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Auch für Klinsmann war die Sache eigentlich schon erledigt. "Das sind Emotionen, die da hoch kommen. Dafür ist der Schiedsrichter da, und der Schiedsrichter hat reagiert, hat einem Spieler nachträglich die Rote Karte gegeben", sagte der Bundestrainer und verwies auf den "üblen Tritt an Per Mertesacker". Die FIFA hatte am Sonntagmorgen noch mitgeteilt, dass die Disziplinarkommission zwar gegen den Rot-Sünder Leandro Cufre und Maxi Rodriguez ein Disziplinarverfahren eingeleitet habe, nicht aber gegen deutsche Spieler. Stunden später folgte die unerwartete Wende. "Wenn man einen neuen Sachverhalt hat, kann ein Verfahren jederzeit eröffnet werden", sagte Siegler. Er verwies auf die Fälle bei der Europameisterschaft 2004, wo der Schweizer Nationalspieler Alexander Frei und Francesco Totti aus Italien erst durch TV-Beweise überführt und nachträglich sanktioniert wurden.
Der italienische Fußballverband habe im aktuellen Fall "keine Anstalten gemacht hat, dass die FIFA etwas anstellen" solle. Dies bestätigte auch Italiens Nationaltrainer Marcello Lippi: "Von unserem Verband hat niemand auch nur einen Finger gerührt, damit das klar ist." FIFA-Verantwortliche hatten die betreffenden TV-Bilder entdeckt.
Bei der Verhandlung am Montagnachmittag war der DFB durch Team-Manager Oliver Bierhoff und Anwalt Christoph Schickhardt vertreten. Für Klinsmann stellt der Ausfall von Frings im Klassiker der dreimaligen Weltmeister "generell kein Problem" da, "weil wir immer so planen, dass alle Gewehr bei Fuß stehen". Und kämpferisch fügte der Bundestrainer an: "Wir sind voller Elan, diesen Elan lassen wir uns auch am Dienstag nicht stoppen."
sid/dpa | Stand: 03.07.2006, 20:22 Uhr
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