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Aus dem Archiv von sportschau.de
07.02.2012 | 06:40 Uhr
Deutsches Abschlusstraining vorm Argentinien-Spiel
Von Frank Menke
Beeindruckend locker ging die deutsche Nationalmannschaft am Donnerstagabend (29.06.06) das Abschlusstraining für das Unternehmen Viertelfinale an. Das konnte sie auch. Schließlich hat sie schon jetzt alle Erwartungen der Fans weit übertroffen.
Diese Lockerheit ist fast schon beängstigend. Wüsste man nicht, um was es geht, man könnte zuweilen glauben, eine Bande von Lausbuben befände sich auf Klassenfahrt. Gerald Asamoah, Mike Hanke, David Odonkor, Lukas Podolski und Torsten Frings bilden zu Beginn des Abschlusstrainings einen Kreis, halten den Ball in der Luft. Wehe dem, der ihn auf den Boden tropfen lässt. Odonkor passiert das Malheur, wird unter Gelächter und Gejohle mit einem Ohrschnipser hier, einem Knuff in die Rippen da, bestraft.
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Podolski, wie immer einer der Rädelsführer der Spaßfraktion, schnappt sich die Kugel und haut sie mit Vehemenz in die Maschen. "Juchee!", brüllt er - und erntet vom breit grinsenden Bernd Schneider Szenenapplaus. Erstmals bei dieser WM absolviert die Klinsmann-Truppe ihr Abschlusstraining nicht an der Spielstätte, sondern im Stadion der Hertha-Amateure. Ein schlechtes Omen? Kaum. Wer so viel Spaß hat und an sich glaubt, braucht keinen Aberglauben.
Das 1:4-Desaster gegen die Italiener in der Vorbereitung und das maue 2:2 im Japan-Test kurz vor Beginn der Weltmeisterschaft stellen sich in der Nachbetrachtung als Segen für das deutsche Team heraus. Die Erwartungshaltung der meisten Fans hat sich im Vorfeld des Turniers in etwa auf Höhe der Grasnarbe befunden. Gar vom WM-Titel zu träumen, provozierte allenfalls Hohngelächter. Und da hierzulande niemand die Klinsmann-Truppe ernsthaft auf der Rechnung hatte, konnte sich diese vom Druck befreien und munter aufspielen. Und es ist genau diese Leichtigkeit des Seins, die den Ballacks, Kloses und Metzelders auch im Trainingsalltag eine unbeschwerte Zeit beschert.
Dass alle 23 deutschen Spieler gegen Argentinien einsatzfähig sind, sorgt zusätzlich für gute Laune, auch bei den deutschen Fans. Die befinden sich nach den vier Siegen aus den bisherigen vier WM-Spielen eh im Zustand deutlich erhöhter Lebensfreude. Sie euphorisiert in erster Linie die Art und Weise, wie die Klinsmänner diese Erfolge einfahren: offensiv, engagiert, leidenschaftlich. Eine Statistik der FIFA führt Deutschland als das angriffslustigste Team dieser WM an. 78 Schüsse haben Klose & Co. im bisherigen Turnierverlauf Richtung gegnerisches Tor abgegeben - so viele wie keine andere Mannschaft. Das beflügelt zusätzlich und macht Mut, dass die schwarze Serie gegen die Großen nach fast sechs Jahren ohne Sieg endlich reißt.
Nicht nur locker, auch ausgesprochen selbstbewusst wollen Jürgen Klinsmann und Joachim Löw "den Brocken Argentinien" aus dem Weg räumen. Wirklich Angst einjagen konnten die Südamerikaner dem deutschen Team auch nicht bei ihrem mühevollen 2:1-Achtelfinalsieg über Mexiko. Assistenztrainer Löw glaubt vielmehr: "Die Argentinier werden unsere bisherigen Spiele auch gesehen haben und einigen Respekt vor uns haben." Wenn die Albiceleste dazu noch gesehen hätte, wieviel Spaß die deutsche Nationalmannschaft beim Abschlusstraining hatte, wäre der Respekt womöglich noch etwas größer.
Stand: 30.06.2006, 08:10 Uhr
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