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WM 2006

07.02.2012 | 05:30 Uhr

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Hart erkämpfter 3:1-Erfolg über Spanien im Achtelfinale

Frankreich dankt Zidane und Vieira

Von Christian Hornung

Sie wären fast schon in der Vorrunde gescheitert, jetzt stehen die Franzosen im Viertelfinale. Patrick Vieira köpfte gegen Spanien das wegweisende 2:1. Den dritten Treffer in der Nachspielzeit erzielte ausgerechnet Zinedine Zidane, der im Falle des Ausscheidens seine große Karriere beendet hätte.

Baguette von französischer Fahne umhüllt; Rechte: dpa Ziemlich brotlos waren die Künste leider auch in diesem Achtelfinal-Spiel.

Aus der Mannschaftsaufstellung der Franzosen war die nackte Angst von Trainer Raymond Domenech herauszulesen. David Trezeguet musste auf der Ersatzbank Platz nehmen, Thierry Henry war die einzige Sturmspitze. Ganz anders gingen die Spanier in die Partie. Luis Aragones schickte gleich drei Angreifer ins Rennen, neben Fernando Torres und David Villa stand überraschend Raul in der ersten Elf. Auf dem Platz war davon zunächst jedoch wenig zu sehen. Beide Teams neutralisierten sich weitgehend im Mittelfeld, und erst nach gut 20 Minuten hatte Frankreich die erste Torgelegenheit. Zinedine Zidane setzte Thierry Henry auf Rechtsaußen in Szene, dessen Hereingabe verpassten Franck Ribery und Patrick Vieira nur um Zenitmeter.

Villa verwandelt eiskalt

Bei den Spaniern lief spielerisch in dieser Phase wenig bis nichts, doch die Franzosen sprangen ihnen hilfreich zur Seite. In einer vollkommen harmlosen Strafraumszene trat der erfahrene Lilian Thuram dem mit dem Rücken zum Tor stehenden Pablo in die Hacke - Schiedsrichter Roberto Rosetti stand glänzend und gab den berechtigten Elfmeter. Noch ehe sich Raul und Fernando Torres einigen konnten, schnappte sich David Villa den Ball und verwandelte eiskalt zur 1:0-Führung flach in die linke Ecke (28.).

Vieiras Geniestreich

Franck Ribery; Rechte: dpa Guter Zeitpunkt für das erste Länderspieltor: Franck Ribery freut sich.

Die Franzosen irrten in der Folgezeit zumeist orientierungslos über den Platz, Henry rannte ständig ins Abseits, an Zidane lief das Spiel vorbei. Ein einziger genialer Pass von Vieira brachte sie aber noch vor dem Seitenwechsel zurück ins Geschäft. Wieder konzentrierte sich die spanische Abwehr darauf, Henry abseits zu stellen, doch Franck Ribery überlief erst die Viererkette und dann Torwart Iker Casillas, um mit seinem ersten Länderspieltor den Ausgleich zu erzielen.

Effektiv gestört

Die ohnehin schon mäßige Qualität des Spiels litt noch zusätzlich unter diesem Ausgleichstreffer. Die Franzosen zogen sich wieder zurück, störten die Spanier aber so effektiv im Aufbau, dass es im zweiten Durchgang kaum noch Torszenen zu bestaunen gab. Florent Malouda versuchte es in der 52. Minute mal mit einem Heber, den Iker Casillas aber mit einer spektakulären Flugeinlage entschärfte, offenbar wollte er den gebeutelten 43.000 Zuschauern in Hannover mal wieder etwas Unterhaltung gewähren. Auf der anderen Seite war es nach einer Stunde Fernando Torres, der gefährlich vor Barthez auftauchte, doch Willy Sagnol klärte mit seiner gewohnten Bierruhe.

Wieder Patrick Vieira

Elf Minuten vor dem Ende hatte der eingewechselte Joaquin nach einem Solo die Möglichkeit zur Entscheidung, doch er schoss den Ball ans Außennetz. Das rächte sich prompt. Einen äußerst schmeichelhaften Freistoß, den Henry gegen Carles Puyol herausgeschunden hatte, löffelte Zidane mit einer seiner wenigen guten Aktionen vor das Tor. Dort wartete am langen Eck Vieira, der unhaltbar für Casillas zum 2:1 einnickte. Der Defensivstratege von Juventus Turin war der richtige Mann für diesen Treffer. Er war auch in der Vorrunde an drei von vier Toren der Franzosen beteiligt und damit verantwortlich dafür, dass die Equipe Tricolore überhaupt das Achtelfinale erreicht hatte. In der Nachspielzeit schlug dann auch noch der Altmeister zu: Zidane traf zum 3:1-Endstand.

Zidanes Seitenhieb

Diesen Rückenwind nutzte Zidane zu einem kleinen Seitenhieb auf den unterlegenen Gegner: "Die wollten mich ja heute pensionieren", sagte der Kapitän mit versteinertem Gesicht. "Aber ich wusste, dass das nicht in diesem Spiel passieren wird. Jetzt geht es gegen Brasilien, da haben wir natürlich aus dem 98er WM-Finale noch gute Erinnerungen. Aber es wird trotzdem hart." Das glaubt auch Thierry Henry: "Brasilien wird ein Berg. Aber wir haben uns im Turnierverlauf immer weiter gesteigert, und jetzt haben wir endlich Gegner, die sich nicht nur hinten rein stellen." Spaniens Coach Luis Aragones ärgerte sich über die zu löchrige Defensive: "Die Fehler im zweiten Durchgang haben uns das Genick gebrochen. In der ersten Halbzeit waren wir noch ebenbürtig." Was Siege bewirken können, war am Statement von Raymond Domenech abzulesen: Er verteilte sogar Komplimente an die von ihm sonst eher despektierlich behandelten Altstars: "Vieira und Zidane sind in der Vorrunde oft kritisiert worden. Aber in diesem Spiel waren sie die Besten."

Stand: 27.06.2006, 23:19 Uhr

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