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WM 2006

09.02.2012 | 16:23 Uhr

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Kampf der Kroaten beim 2:2 nicht belohnt

Australien übersteht das "Finale"

Von Christian Hornung

Es war ein echtes Finale um den zweiten Platz in der Gruppe F, ein Spiel mit Herz, Leidenschaft und offenem Visier. "Sieger" sind die Australier, die durch das 2:2 den Einzug ins Achtelfinale geschafft haben.

Während die Australier vor der Partie gewohnt locker und frohgelaunt über ihre unverhoffte Chance parlierten, herrschte bei den Kroaten Hochdruck. Null Tore nach den ersten beiden Spielen, da war vor allem die Offensivabteilung aus der Heimat schwer unter Feuer genommen worden. Die Brandherde wurden schnell gelöscht. Nach nur 120 Sekunden jagte der bisher im Turnier krass enttäuschende Darijo Srna einen Freistoß aus 20 Metern direkt in den linken Winkel - das nächste Highlight in einer WM der Traumtore.

Rückzug nach der Führung

Dass die Unsicherheit aus 180 schwachen Minuten aber nicht mit zwei starken wie weggeblasen war, zeigte sich nach dem 1:0. Die Kroaten zogen sich wieder zurück, versteckten sich in der eigenen Hälfte und überließen den Australiern das komplette Mittelfeld. Die nutzten den Freiraum zu einer Welle von gefährlichen Angriffen, denen nur der krönende Abschluss versagt blieb. Mile Sterjovskis Schuss wurde abgeblockt, Mark Viduka traf das Tor nicht, Tim Cahill scheiterte mit seinem Kopfball ebenso an Stipe Pletikosa wie Harry Kewell mit seinem gefährlichen Distanzschuss.

Elfmeter verweigert und gegeben

Hinzu kam eine Fehlentscheidung der besonders abenteuerlichen Art. Hertha-Verteidiger Josip Simunic zerrte und zog im Stil eines Freistil-Ringers so lange und so offensichtlich an Viduka, bis der sich nun wirklich nicht mehr auf den Beinen halten konnte - unfassbar, wie Graham Poll diesen Elfmeter übersehen konnte. Vielleicht auch mit dieser Szene im Hinterkopf gab Poll dann acht Minuten vor dem Wechsel Strafstoß nach einem Mini-Zupfer von Dario Simic an Cahill und einem kaum wahrnehmbares Handspiel von Stjepan Tomas in derselben Szene. Als die erfahrenen Aussies wie Viduka oder Kewell zögerten, schnappte sich Abwehr-Raubein Craig Moore die Kugel und vollstreckte cool zum 1:1.

Kroatien macht wieder mit

Tim Cahill (l.) im Duell mit Josip Simunic; Rechte: dpa Zäher Kampf: Tim Cahill (l.) im Duell mit Josip Simunic

Dem Spiel tat dieser Ausgleich gut, endlich taten auch die Europäer wieder etwas für ihre Note in sonstiger Mitarbeit. Ivica Olic schickte Dado Prso auf die Reise, doch der Topstürmer der Kroaten drosch den Ball am linken Winkel vorbei. Auf der anderen Seite scheiterte Viduka mit einem Kopfball an Pletikosa, und auch Cahill hatte nach Sterjovskis Flanke Pech im Abschluss.

Im zweiten Durchgang wogte die Partie dann hin und her, hatte endlich den vorher vielfach beschworenen Charakter eines Pokal-Endspiels. Und die Chancen der Kroaten häuften sich. Niko Kranjcar zirkelte den Ball aus 20 Metern knapp über das Tor (50.), Niko Kovac bekam hinter seinen Kopfball zu wenig Druck (53.). Die harmloseste der Offensivaktionen brachte dann schließlich Erfolg. Kovac hatte aus Mangel an Anspielstationen einfach mal aus 18 Metern draufgehalten, und Aussie-Keeper Zeljko Kalac warf sich den Kullerball fast selbst ins Tor (57.).

Zweites Trauma für Kalac

Während Kroatiens Trainer Zlatko Kranjcar vor Freude fast ausflippte, hielt sich sein Kollege Guus Hiddink die Hände vors Gesicht - er hatte mit seiner Torwartentscheidung voll daneben gegriffen. Hiddink hatte Stammkeeper Mark Schwarzer trotz zweier ordentlicher Spiele auf die Bank beordert und mit Kalac genau den Mann gebracht, der einst im australischen Tor die höchste Niederlage aller Zeiten kassierte: 0:7 gegen Kroatien. Dank Hiddink erlebte er nun sein zweiten Trauma gegen denselben Gegner.

Kewells später Lohn

Die Australier stemmten sich aber mit aller Kraft gegen das drohende Aus. Kewell bekam zehn Meter vor dem Tor den erneuten Ausgleich auf dem Silbertablett serviert, doch Pletikosa rettete mit einem Wahnsinns-Reflex (71.). Erneut Kewell kam nach dem folgenden Eckball zum Abschluss, diesmal klärte Srna auf der Linie. Spätestens jedoch, als Poll eine Viertelstunde erneut einen glasklaren Elfmeter übersah (Handspiel von Tomas ), deutete sich an, dass dieser Abend für die Australier nicht mehr zu retten war.

Doch sie ließen sich auch davon nicht beirren und kämpften weiter. Und elf Minuten vor Schluss waren die Aussies tatsächlich wieder obenauf, als Kewell eine Kopfballverlängerung zum 2:2 vollstreckte. Dass er dies aus Abseitsposition tat, darf er unter "ausgleichende Ungerechtigkeit" verbuchen. Gestört haben dürfte ihn das nicht, und auch die Gelb-Roten Karten in der Schlussphase für Dario Simic, Josip Simunic und Brett Emerton fielen nicht mehr groß ins Gewicht: Australien feierte, doch Kroatien darf erhobenen Hauptes die Heimreise antreten.

Stand: 22.06.2006, 22:50 Uhr

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