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WM 2006

07.02.2012 | 06:19 Uhr

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Michael Owens Verletzung schockt England

Schweden bucht das "Deutschland-Ticket"

Von Christian Hornung

Sie hatten den Sieg vor Augen, trafen zweimal die Latte. Doch am Ende musste sich Schweden mit einem 2:2 gegen England begnügen und trifft nun im Achtelfinale auf die deutsche Mannschaft.

Michael Owen wird auf eine Trage gelegt; Rechte: dpa Schmerzhafter Moment: Michael Owen wird auf eine Trage gelegt. Das WM-Aus?

Aus dem schwedischen Lager war vor der Partie zu hören, dass doch auch ein Unentschieden ein durchaus annehmbares Ergebnis sei. Genauso begannen sie ihre Darbietung. Weit zurückgezogen in die eigene Hälfte, überließen sie den Engländern die Initative. Die mussten allerdings schon früh einen Schock verkraften: Michael Owen verdrehte sich ohne Einwirkung des Gegners das rechte Knie und musste mit Verdacht auf Kreuzbandriss ausgewechselt werden. Besonders tragisch: Der Angreifer war ähnlich wie Wayne Rooney gerade erst nach einem Fußbruch wieder in Form gekommen. "Die Verletzung von Owen könnte das Aus für das ganze Turnier bedeuten, aber wir hoffen, dass es nicht so schlimm ist", so Englands Trainer Sven-Göran Eriksson.

Immer wieder Lampard

Trotzdem stürmte anfangs nur England, erstmals mit Rooney in der Startelf. Frank Lampard testete mit zwei Flachschüssen die Reflexe von Schwedens Torhüter Andreas Isaksson, doch diese erwiesen sich als wettbewerbstauglich. Erneut Lampard hatte nach zwölf Minuten die Führung auf dem Kopf, zielte aber rechts am Tor vorbei. Es dauerte bis zur 19. Minute, ehe die Schweden auch einmal offensiv tätig wurden: Der Ex-Leverkusener Teddy Lucic nahm einen Eckball von Tobias Linderoth volley, doch Lampard war auch in der Rückwärtsbewegung stark und blockte ab.

Lucic blockt Rooney

Als die Schweden nach 25 Minuten die Führung von Paraguay übermittelt bekamen, wirkte es fast, als würden sie noch einen Gang mehr zurückschalten. Doch die Engländer schlugen daraus zunächst kein Kapital: Der im linken Mittelfeld hochengagierte Joe Cole schoss drüber, der eingewechselte Peter Crouch köpfte aus kurzer Distanz parallel zum Tor statt hinein, und nach Rooneys Geniestreich bekam Lucic in höchster Not noch einen Fuß dazwischen.

Coles Sensations-Tor

Die Schweden bettelten in dieser Phase förmlich um einen Treffer, und Joe Cole hatte nach 33 Minuten ein Einsehen. Eine verunglückte Kopfball-Abwehr von Olof Mellberg nahm er kurz mit der Brust an und nagelte die Kugel aus 30 Metern volley in den rechten Winkel. Die Fans feierten das Sensations-Tor, dass trotz der vielen herrlichen Treffer dieses Turniers einen Ehrenplatz einnimmt, mit der Nationalhymne - stets ein sicheres Zeichen für besonders gute Laune unter den Anhängern.

Allbäck kippt die Partie

Die Gesänge verstummten jedoch nach Wiederbeginn schlagartig, dafür hatte Schwedens Coach Lars Lagerbäck in der Kabine offenbar genau den richtigen Ton getroffen. Plötzlich spielten statt der "Drei Löwen" nur noch die "Drei Kronen". Der Lohn folgte prompt: Marcus Allbäck kippte mit seinem Kopfball in der 50. Minute die Partie, David Beckham hatte den entscheidenden Zweikampf gegen den Ex-Rostocker verloren. Die Engländer sahen sich in der Folge plötzlich einem Sturmlauf der Schweden ausgesetzt, der auch akustisch untermalt wurde: Zweimal schepperte der Ball an die Latte. Erst hatte Henrik Larsson Pech, als David Robinson seinen Kopfball noch ans Gebälk lenkte (54.), dann scheiterte Olof Mellberg nach schönem Larsson-Zuspiel (59.) um Zentimeter.

Gerrard klärt auf der Linie

Die Engländer wirkten nun regelrecht eingeschüchtert und ließen Angriff um Angriff über sich ergehen. Nach knapp 70 Minuten versuchte Coach Sven-Göran Eriksson mit der Einwechslung von Stephen Gerrard die Offensive wiederzubeleben, doch der Liverpool-Kapitän wurde erstmal hinten gebraucht: Einen wuchtigen Volley-Kracher von Kim Källström kratzte er für seinen geschlagenen Torhüter gerade noch von der Torlinie. Es dauerte bis zur 78. Minute, ehe von den Briten auch offensiv mal wieder ein Beitrag geleistet wurde: Peter Crouch köpfte nach Ecke des fast unsichtbaren Beckham genau in die Arme von Andreas Isaksson.

Ob das trotzdem der Weckruf war? Denn einen lichten Moment hatten die Engländer doch noch auf Lager. Als sich beide Teams offensichtlich schon mit dem Remis abgefunden hatten, tauchte Gerrard doch noch auf der richtigen Seite auf: In der Sturmspitze, um eiskalt zum 2:1 zu vollstrecken. Dass Fußball aber doch gerecht sein kann, bewies Henrik Larsson. In der letzten Minute traf der Barca-Star zum Ausgleich. Die englischen Fans sangen trotzdem die Hymne - sie sind Deutschland aus dem Weg gegangen.

Larsson: "Deutschland ist Favorit"

Darüber freut sich auch Englands Trainer Eriksson: "Uns war es wichtig, Gruppenerster zu werden. Es wäre schwieriger, Deutschland zu schlagen." Mit Gegner Deutschland muss sich das schwedische Team abfinden. Last-Minute-Torschütze Larsson sieht Jürgen Klinsmanns Team in der Favoritenrolle: "Deutschland ist Favorit, ich sehe kaum Schwächen bei ihnen. Das ist eine tolle Mannschaft. Ballack ist eine echte Führungsfigur und links hinten der ist Klasse. Aber ich hoffe, wir können ihn das Leben sehr schwer machen."

Stand: 20.06.2006, 22:54 Uhr

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