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WM 2006

07.02.2012 | 06:22 Uhr

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Nachrichten - Deutsches Team

Ecuador wollte die Jubel-Party offenbar nicht stören

Deutschland im Rausch zum Gruppensieg

72.000 Zuschauer in Berlin feierten 90 Minuten lang, als wären die Deutschen bereits Weltmeister. Sie hatten allen Grund dazu: Mit einer wunderbaren Vorstellung verwies die Mannschaft von Jürgen Klinsmann Ecuador auf den zweiten Gruppenplatz. Miroslav Klose erzielte zwei Tore beim hochverdienten 3:0, und auch Lukas Podolski beendete seine Durststrecke.

Miroslav Klose jubelt; Rechte: dpa Auf dem Weg zum WM-Torschützenkönig: Miroslav Klose

Die ganze Diskussion, ob Deutschland auf ein taktisches Unentschieden spekuliert, um im Viertelfinale Argentinien aus dem Weg zu gehen, hatte sich im Prinzip schon mit der Aufstellung erledigt: Bis auf den leicht am Knie verletzten und zudem gelb-vorbelasteten Christoph Metzelder ließ Jürgen Klinsmann seine Doppel-Sieger aus den ersten beiden Partien ran. Sollten dennoch Restzweifel an der richtigen Einstellung bestanden haben, lösten sich diese bereits nach knapp vier Minuten in Wohlgefallen auf. Bernd Schneider legte den Ball zurück auf Per Mertesacker, der wechselte geschickt die Seite auf Bastian Schweinsteiger, und dessen Rückpass zimmerte Miroslav Klose mit beeindruckender Präzision flach ins linke Eck.

Klose hilft Podolski

Nach diesem Traumtor nahmen die Deutschen ein wenig das Tempo aus der Partie, kontrollierten aber trotzdem weitgehend das Geschehen. Die nächste optische Erfrischung bekamen die begeisterten Zuschauer nach 18 Minuten geboten. Philipp Lahm ging auf seiner linken Außenbahn bis zur Grundlinie durch, zirkelte eine Maßflanke zurück an den Strafraum, und Schneider jagte den Ball volley knapp über das Tor. Seinen gutgemeinten Vorsatz, Lukas Podolski bei dessen Formsuche aktiv zu unterstützen, nahm Klose sechs Minuten später etwas zu wörtlich: Statt den Ball zum 2:0 unterzubringen, wollte er für den Sturmpartner querlegen, doch Torhüter Cristian Mora hatte den Braten gerochen.

Ballacks Bogenlampe

Auch nach knapp einer halben Stunde wurde Podolski das ersehnte Glücksgefühl nicht zuteil. Nach tollem Zuspiel von Michael Ballack konnte Mora außerhalb des Strafraums vor dem Noch-Kölner und Bald-Bayer klären, und Ballacks optimistische Bogenlampe aus knapp 45 Metern senkte sich rechts neben das Tor. Die Deutschen hatten inzwischen die Schlagzahl wieder eindeutig erhöht, vor allem Schneider und Ballack sorgten mit dem von Klinsmann so vehement geforderten "Vertikal-Spiel" immer wieder für Gefahr.

Miroslav Klose hätte bis zur Halbzeit gleich zweimal nach Schneider-Zuspielen etwas für sein Torjäger-Konto tun können, doch seine beiden Volley-Versuche (31./33.) verfehlten das Ziel. Von den Südamerikanern war bis zum Seitenwechsel so gut wie gar nichts zu sehen, sie schienen sich mental und körperlich schon in der Vorbereitung auf das Achtelfinale zu befinden. Die fast schon provokative Passivität der Eucadorianer rächte sich dann aber doch noch kurz vor der Pause. Mit einem genialen Zuckerpass aus dem Fußgelenk hebelte Ballack die gesamte Deckung aus, Klose umkurvte Mora und schob die Kugel eiskalt zum 2:0 ins leere Tor.

Lehmann fast beschäftigungslos

"Ecuador tut viel zu wenig, um die Deutschen überhaupt in Gefahr zu bringen", analysierte Fußball-Kaiser Franz Beckenbauer entspannt in der Halbzeit. Daran änderte sich auch nach dem Wechsel wenig. Schweinsteiger hätte beinahe schon nach wenigen Sekunden das dritte Tor nachgelegt, doch Mora bekam zur Abwechslung mal die Hände an den Ball. Dieses Gefühl war Jens Lehmann nach 48 Minuten auch endlich mal beschieden: Einen dankbaren Fernschuss von Edwin Tenorio lenkte er zur ersten Ecke für Ecuador, die allerdings auch sinnlos verpuffte.

Doppelpass mit den Fans

Einzig für Lukas Podolski verlief der Nachmittag weiterhin nicht wunschgemäß. In der 53. Minute hatte er mal wieder eine passable Schussgelegenheit, doch der Ball strich knapp am rechten Eck vorbei, und Klinsmann ging an der Seitenlinie in die Knie. Die Fans nahmen den Doppelpass sofort auf: "Lukas Podolski" schallte es von den Rängen - und der Dank folgte exakt eine Minute später. Schweinsteiger machte mit einem Steilpass die Partie schnell, der überragende Schneider passte nach innen, wo die "Aktion Sorgenkind" mit Podolskis herrlichem Abschluss nach 57 Minuten beendet war. Wieviel Sicherheit das gibt, war eine weitere Zeigerumdrehung später zu bestaunen: Klose legte quer auf seinen Kollegen, und nur mit einem starken Reflex verhinderte Mora den Poldi-Doppelschlag.

Ballack spielte durch

Danach schienen beide Teams die Formel für einen entspannten Ausklang dieses Nachmittags gefunden zu haben. Ecuador nahm die zuvor deutlich übertriebene Härte ein wenig aus dem Spiel, Deutschland spielte weiter gefällig, machte den Gegner aber nicht mehr ganz so konsequent lächerlich. Michael Ballack, der trotz drohender Gelbsperre durchspielte, hätte mit zwei herrlichen Distanzschüssen beinahe noch für die Krönung der anderthalb schönen Stunden gesorgt (77./88.). Doch auch so war es ein Spiel, das die deutschen Ambitionen unterstrich, bei diesem Turnier Großes zu erreichen. Die Fans fassten das Ganze in Worte: "Finaaale. Ooooh."

Stand: 20.06.2006, 17:50 Uhr

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