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Aus dem Archiv von sportschau.de
07.02.2012 | 06:21 Uhr
Schweden und Paraguay enttäuschten zum zweiten Mal
Von Christian Hornung
Die 72.000 Zuschauer in Berlin bewiesen erstaunliche Langmut und hielten sich mit Pfiffen zurück. Dabei dauerte es bis eine Minute vor Schluss, ehe Schwedens Freddie Ljungberg mit seinem 1:0-Siegtreffer gegen Paraguay doch noch für einen Knalleffekt sorgte.
Henrik Larsson obenauf - das kam nicht allzu oft vor.
Nach ihren Auftaktpartien hatten die Schweden und Paraguayos eins gemeinsam: Sie fühlten sich unter Wert verkauft. Doch auch ihr direktes Duell ließ kaum Zweifel, dass das 0:0 des Drei-Kronen-Teams gegen Trinidad und Tobago und die 0:1-Niederlage Paraguays gegen England durchaus ihre Berechtigung hatten. Vor allem im Spiel nach vorne waren beide Teams gleichermaßen schwach. Schweden begann zwar noch einigermaßen vielversprechend, doch nachdem Kim Källström mit einem Distanzschuss am ursprünglich als Nummer drei vorgesehenenKeeper Aldo Bobadilla gescheitert war (9.) und Christian Wilhelmsson das Tor knapp verfehlte, erlahmte der Schwung der Europäer völlig.
So ansehnlich wie die schwedischen Fans war die Partie definitv nicht.
Bezeichnend dafür war der Alleingang von Zlatan Ibrahimovic, dessen Schuss frei vor Bobadilla zu einer Rückgabe mutierte (41.). Pech kam bei dem phasenweise lustlos wirkenden Juventus-Star hinzu, als ihn Schiedsrichter Lubos Michel bei einem weiteren Solo zu Unrecht wegen Abseits zurückpfiff. Doch so wie Ibrahimovic bis dahin gespielt hatte, wäre der Erfolg dieser Aktion auch keineswegs garantiert gewesen. Schwedens Trainer Lars Lagerbäck hatte zur Halbzeit ein Einsehen und brachte den Ex-Rostocker Marcus Allbäck für Ibrahimovic.
Aber auch Paraguays Coach Aníbal Ruíz bekam von seiner Offensivabteilung lange Zeit nur Magerkost geboten. Roque Santa Cruz fand fast gar nicht statt, Nelson Valdez versuchte es wenigstens, konnte sich aber auch nicht entscheidend durchsetzen. Beinahe hätte zehn Minuten nach Wiederbeginn eine Standardsituation die spielerische Armut kaschiert, doch Bobadilla fischte Henrik Larssons Freistoß aus der rechten Ecke. Die zweite Fehlentscheidung des Gespanns verhinderte nach knapp einer Stunde die Führung der Schweden: Larsson war nicht mal auf gleicher Höhe, als Michel seinen Sololauf stoppte.
Doch diese Szene schien die Schweden zu wecken. Sekunden später tauchte Allbäck allein vor Bobadilla auf, hatte den Keeper schon mit einem gefühlvollen Heber ausgespielt, doch mit einer artistischen Rettungsaktion kratzte Denis Caniza den Ball noch von der Torlinie. Der Joker brachte aber wie schon gegen Trinidad und Tobago Belebung in den Angriff, und hätte Larsson mit seinem Kopfball in der 67. Minute besser gezielt, wäre nach Allbäcks Flanke das 1:0 gefallen. Zehn Minuten vor dem Ende war es wieder der Ex-Rostocker selbst, der mit einem Drehschuss nach Larssons Kopfballablage an Bobadilla scheiterte.
Spätestens nach dieser vergebenen Chance hatte auch das deutsche Trainertrio Jürgen Klinsmann, Jogi Löw und Andi Köpke genug gesehen: Die Endphase dieses niveaulosen Spiels schenkten sie sich und fuhren zurück ins Mannschaftshotel. Und verpassten so doch noch den einzigen Höhepunkt der Partie: Als kaum noch jemand dran glaubte, gelang dem bis dahin fast unsichtbaren Freddie Ljungberg per Kopf doch noch der vielumjubelte Siegtreffer. Die Vorlage hatte wieder Allbäck gegeben.
"Das war einer meiner berühmten Kopfbälle", jubelte Matchwinner Ljungberg mit einem Tick Selbstironie und fügte strahlend hinzu: "Das gelingt mir auch nicht alle Tage." Dagegen waren Paraguays Bundesliga-Profis total enttäuscht. "Wir hätten eigentlich gedacht, dass wir die zweite Runde packen, aber nun müssen die Koffer packen", klagte der Noch-Bremer Nelson Valdez. Und Roque Santa Cruz sagte: "Wenn man mit solch einem Fehler wie beim Tor ausscheidet, tut das natürlich weh."
Stand: 15.06.2006, 22:50 Uhr
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