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Aus dem Archiv von sportschau.de
09.02.2012 | 10:29 Uhr
Druck der Medien wächst
Der WM-Test gegen die USA wird im Vorfeld von der Boulevardpresse zum "Schicksalsspiel" für Jürgen Klinsmann umgedeutet. Auch andere Medien kommen an der Trainerdebatte nicht mehr vorbei und fragen sich, ob Klinsmann bei einer Pleite gegen die USA noch zu halten ist.
"Schicksalsspiel" gegen die USA? Jürgen Klinsmann.
Ein Blick in die Medienlandschaft der letzten Wochen zeigt: Die Debatte nach dem 1:4 gegen Italien um die WM-Tauglichkeit der deutschen Mannschaft ist nach und nach in eine Trainer-Debatte übergegangen. Vor allem die "Bild"-Zeitung geht seit Wochen wenig zimperlich mit dem Bundestrainer um.
Vor dem Spiel gegen die USA erhöht Deutschlands auflagenstärkste Zeitung noch den Druck, spricht vom "Schicksalsspiel für Klinsi". Nur ein klarer Sieg könne die "Diskussion" beenden, die "das ganze Land bewegt". DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger sah sich veranlasst, vor dem Spiel eine Job-Garantie für Klinsmann abzugeben, für den Fall, dass der USA-Test nicht den erhofften Stimmungswechsel bringt.
Verwundert registrieren US-Medien die große Nervosität im Land des dreifachen Weltmeisters vor dem Spiel gegen Amerikas B-Elf: "Germany is filled with angst", meldete die Nachrichtenagentur "Associated Press". AP hat bei einigen deutschen Journalisten auch Genugtuung darüber beobachtet, dass Klinsmann mit seinem Jugendstil in Italien eingegangen ist, und die amerikanischen Leser dabei mit dem deutschen Wort "schadenfreude" bekannt gemacht.
Hierzulande malen sich einige Zeitungen aus, wie die Medienlandschaft bei einer Niederlage reagieren wird. Die "Financial Times Deutschland" spricht vom "wahrscheinlich unfreundlichsten Freundschaftsspiel der Welt". Sollte sich Klinsmanns Team gegen die US-Reserve blamieren, "dann wird die ohnehin hitzige Bundestrainerdebatte eskalieren. Dann werden sämtliche Gurus aus ihren Löchern krabbeln und einen erfahreneren Coach fordern", so die Befürchtung der Zeitung. Die Kandidaten für eine "feindliche Amtsübernahme" dürften dann noch vor der WM präsentiert werden: "Ottmar Hitzfeld, Otto Rehhagel, Christoph Daum."
Job-Garantie für Klinsmann: DFB-Präsident Theo Zwanziger.
Womöglich wäre Klinsmann bei dem dann zu erwartenden Dauerdruck vom Boulevard nicht mehr zu halten. "Dann ist nichts mehr ausgeschlossen. Bizarrerweise ist es schon zu einem Überlebensspiel für den Bundestrainer geworden und zu keinem Vorbereitungsspiel für die Weltmeisterschaft", schreibt die "Süddeutsche Zeitung". Scheitern könnte Klinsmann an der Aufgabe, dass er "eine extrem lange Krisenstrecke bis zur WM-Vorbereitung moderieren müsste. Und man darf ruhig sagen, dass Moderation nicht zu den bevorzugten Stärken des radikal konsequenten Bundestrainers gehört", so die Zeitung.
Die "Neue Zürcher Zeitung" hat mit Blick auf die Berichterstattung in den deutschen Medien einen "Steigerungslauf der Erregtheit" ausgemacht. Für die "Frankfurter Rundschau" ist die Diskussion um die Nichtnominierung von Christian Wörns das beste Beispiel. "Schon jetzt übersteigt der Widerhall auf das Ausbooten eines überschaubar begabten Verteidigers im fortgeschrittenen Fußballalter die Berichterstattung über drei bevorstehende Landtagswahlen ums Zigfache." Für die letzten Wochen vor der Weltmeisterschaft ist kaum Entspannung zu erwarten, im Gegenteil: "Die Hysterie der Medien wird sich noch exponenziell steigern."
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