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WM 2006

09.02.2012 | 16:07 Uhr

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Nachrichten - Deutsches Team

Interview vor dem Länderspiel in der Türkei

Daum drückt Deutschland die Daumen

Die deutsche Nationalmannschaft erhält vor dem Länderspiel in der Türkei am Samstag (08.10.05) Unterstützung von Christoph Daum. In einem Interview erklärt der Trainer von Fenerbahce Istanbul, wieso ein Sieg für Deutschland wichtig wäre.

Herr Daum, freuen Sie sich auf das Duell zwischen dem WM-Dritten Türkei und Vize-Weltmeister Deutschland am Samstag in Ihrer zweiten Heimat?

Christoph Daum: Ich freue mich riesig darauf, die deutsche Mannschaft, die Delegation und Jürgen Klinsmann hier in Istanbul begrüßen zu können. Ich hoffe auf ein schönes, erfolgreiches und überzeugendes Spiel der deutschen Elf. Das wäre für die Reputation des deutschen Fußballs und für uns Trainer hier wichtig. Es wäre nicht schön, wenn meine türkischen Freunde nach dem Spiel sagen würden, besser sind die Deutschen nicht.

Für das Team von Bundestrainer Jürgen Klinsmann ist es ein Testspiel, für die Türken die Generalprobe für den Endspurt in der WM-Qualifikation 2006...

Daum: Richtig. Die Türken werden mit ihren Gedanken und ihren Ohren beim gleichzeitig stattfindenden WM-Qualifikationsspiel zwischen Dänemark und Europameister Griechenland sein. Sie hoffen, dass Griechenland nicht gewinnt, dann haben sie es in der Hand, am 12. Oktober in Albanien das WM-Ticket zu lösen. Deshalb wird Nationaltrainer Fatih Terim die Partie gegen Deutschland nutzen, um Einiges auszuprobieren. So gesehen ist es für ihn nicht nur ein Prestigeduell.

Wo liegen die Stärken und Schwächen in der türkischen Nationalmannschaft?

Daum: Die Stärke liegt in der hohen Identifikation. Für die Spieler ist es eine große Ehre, in der Nationalmannschaft zu spielen. Man kann ihnen alles vorwerfen, aber nicht, dass sie nicht in jedem Länderspiel alles geben. Außerdem stehen in der Mannschaft einige hochkarätige Spieler mit individuellen Stärken.

Christoph Daum; Rechte: dpa Daum räumt der DFB-Elf durchaus WM-Chancen ein.

Was würde es bedeuten, wenn die Türkei das Ticket für die WM 2006 in Deutschland lösen würde?

Daum: Das wäre eine Bestätigung für das hohe Niveau, auf dem sich der türkische Fußball bewegt, es würde wieder Kontinuität reinkommen. Nach dem Jubel bei der WM 2002 hatte der türkische Fußball an Boden verloren. Im Bereich der Nationalmannschaft ist es schwierig, das Niveau in den Vereinen ist durch die ausländischen Zugänge etwas höher.

Experten behaupten, die Türkei habe es verpasst, die Nationalmannschaft nach dem Erfolg bei der WM 2002 die Mannschaft zu verjüngen.

Daum: Das sehe ich auch so. Nationaltrainer Senol Günes hat nach der WM 2002 auf erfahrene Spieler gesetzt, verpasste die EM-Teilnahme 2004 und musste gehen. Sein Nachfolger Ersun Yanal leitete den Verjüngungsprozeß ein. Aber es gab Punktverluste in der Qualifikation, es folgte massive Kritik, und auch er wurde entlassen. Jetzt setzt Fatih Terim wieder mehr auf gestandene Spieler. Fakt ist: Wenn man in eineinhalb Jahren drei Trainer braucht, kann es keine Kontiniutät geben.

Was passiert, wenn die Türkei bei der WM 2006 in Deutschland nicht dabei ist?

Daum: Das wäre ein schwerer Schlag für den türkischen Fußball und ein Verlust für Deutschland als WM-Gastgeber. Die Türken wären wegen des großen Anteils der türkischen Gastarbeiter und Fans ein herber Verlust. Und Terim müsste das Team dann langfristig verjüngen. Er hat einen Vertrag beim Verband bis zur WM 2010 in Südafrika.

Der deutsche Bundestrainer Jürgen Klinsmann hat für die WM 2006 im eigenen Land als Zielsetzung den WM-Titel ausgegeben. Ist dies realistisch?

Daum: Jürgen ist ein Mann, der unbeirrt seinen Weg geht. Du musst alle vom Titelgewinn überzeugen, vor allem die Spieler. Er hat den Mund nicht zu voll genommen, ein Trainer darf nicht zaudern. Klinsmann hat den deutschen Fußball reanimiert, er ist der richtige Trainer zum richtigen Zeitpunkt und am richtigen Ort.

Aber Klinsmann hat sich wegen der Rotation in der Torwartfrage Oliver Kahn oder Jens Lehmann nicht nur Freunde gemacht. Was sagen Sie dazu?

Daum: Die Torwartfrage ist eine medial gemachte Sache. Kahn hat genügend Pressesprecher, die sich für ihn einsetzen. Lehmann hat in London keine Pressesprecher. Deshalb ist er gezwungen, selbst etwas zu sagen. Dadurch macht er sich angreifbar. Kahn hat aufgrund der überragenden WM 2002 Vorteile. Aber auch Lehmann ist ein starker Torhüter. Ich verstehe das ganze Theater nicht. Wir sollten uns glücklich schätzen, dass wir zwei so hervorragende Torhüter haben. Jürgen wird schon rechtzeitig die Entscheidung treffen, wer bei der WM die Nummer 1 ist.

Nach dem Konföderationen-Cup schwächelte die deutsche Mannschaft, vor allem in der Abwehr. Glauben Sie an das Wunder bei der WM 2006?

Daum: Ich erinnere an die WM 1986 in Mexiko: Da wurde Argentinien mit Maradona plus 10 Helfern Weltmeister. Mit der gleichen Formel ist auch für Deutschland der Titel drin: Ballack plus 10. Wir müssen beten, dass sich Ballack nicht verletzt.

sid | Stand: 06.10.2005, 12:47 Uhr

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