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07.02.2012 | 06:06 Uhr
Das Job des australischen Journalisten Peter Wilson
Von Marcus Bark
Der Höhepunkt des Konföderationen-Pokals soll noch kommen. Brasilianische und argentinische Sportjournalisten senden mit wenig Rast und noch weniger Ruh' Beiträge und Texte in ihre Heimat. Peter Wilson liegt am Strand, das Turnier ist Lichtjahre entfernt. Noch ein paar Tage dauert der Urlaub. Dann muss Wilson nach London - zum nächsten Termin.
Peter Wilson: "Ich bin kein Fußball-Experte."
In London ist Wilson zu Hause, seine Heimat ist Australien. Dort wohnt die Familie, dorthin möchte er möglichst schnell zurück. Wilson arbeitet für "The Australian", eine der wenigen Zeitungen dort, die landesweit erscheinen. "European correspondent", steht auf seiner Visitenkarte.
An diesem Tag ist er in Leipzig. Australien gegen Tunesien, letztes und bedeutungsloses Vorrundenspiel beim Confederations Cup. Es sind nur wenige Journalisten da. Wilson sitzt vor dem Zettel mit den Aufstellungen und blättert im Farb-Magazin des Weltfußball-Verbandes FIFA. Er muss sich noch möglichst schnell Informationen besorgen. Auch oder gerade über die australischen Spieler, die er teilweise nur aus dem Fernseher kennt, obwohl viele von ihnen in England spielen.
"Ich bin kein Fußball-Experte", sagt er, "ich berichte über alles." Über "alles". Wie soll das gehen? Es scheint zu gehen. Wilson legt los: "Vergangene Woche war ich in Italien zu einem Interview mit Luciano Pavarotti, dann beim Tennis in Queens." Wenn es die Zeit erlaubte, denn die Krise in der Europäischen Union ist zurzeit das wichtigere Thema: "Das ist natürlich momentan ein großes Thema." Wimbledon ist keins für ihn: "Dafür kommt ein Sportredakteur aus Australien." Für den Confed-Cup braucht The Australian keinen Experten. Das zeigt den Stellenwert.
Wilson auf der Seite eins, Wilson im Feuilleton, Wilson im Sport. In Tokio, wo er fünf Jahre war, hat er sogar über Modetrends geschrieben. "Das ist normal. Alle Korrespondenten des Australian arbeiten so. Nur der in Washington macht nur Politik." Wilson war auch schon in Washington. "Vier Jahre."
Es gab eine Zeit, da war Peter Wilson jeden Tag auf der ersten Seite: Krieg im Irak. "Weißt du noch, das Hotel, das damals beschossen wurde? Ich war als erster drin." Peter Wilson erzählt das ganz nüchtern. Es ist eine Stellenbeschreibung, keine Selbstdarstellung. Wilson hat seinen Job gemacht. Im Krieg gehört der Tod dazu. "Ein Kameramann ist in meinen Armen gestorben." Sein Name war Taras Protsyak, ein Ukrainer.
Gleich ist Anstoß. "Die Tunesier sind ja im Schnitt fünf Jahre jünger." Das ist ein harter Schnitt. Ein ganz harter. Vom toten Kameramann im Irak zum Durchschnittsalter zweier Fußball-Nationalmannschaften. Für Wilson ist das Alter wichtiger als die Frage 4-4-2 oder 3-5-2. Er muss den Australiern, die Rugby und Australian Rules Football (eine Mischung aus American Football und Rugby) mehr lieben als Soccer, in einfachen Mustern erklären, warum ihre Landsleute beim Confed-Cup nur artige Komplimente statt Punkte bekommen. Das gehört zum Job. Gut eine Woche Confed-Cup, das ist gut eine Woche auf fremden Gebiet. Möglichst viel Recherche in möglichst kurzer Zeit. Das ist Stress, das ist Alltag. Wilson freut sich auf den Urlaub mit Frau Peleta.
Am nächsten Tag geht der Flieger. Leipzig - Jerez nonstop. Was wäre eigentlich daraus geworden, wenn Australien ins Halbfinale gekommen wäre? "Ich war sehr zuversichtlich, dass sie ausscheiden." So wenig Ahnung vom Fußball hat er auch wieder nicht.
Stand: 28.06.2005, 13:00 Uhr
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