Stoch oder Freitag? Zweikampf um den Tournee-Gesamtsieg

Richard Freitag (li.) und Kamil Stoch bei Vorbereitungen für den Sprung in Garmisch-Partenkirchen

Halbzeit bei der Vierschanzentournee

Stoch oder Freitag? Zweikampf um den Tournee-Gesamtsieg

Halbzeit der Vierschanzentournee - die noch anstehenden zwei Springen werden vom Duell um den Gesamtsieg zwischen Kamil Stoch und Richard Freitag geprägt sein. Wer hat die besten Chancen, den goldenen Adler zu gewinnen?

Freitag scheint bei dieser Vierschanzentournee auf den zweiten Platz festgelegt zu sein. Zweiter wurde der Sachse beim Auftaktspringen in Oberstdorf, Zweiter wurde er am Neujahrstag in Garmisch, in der Gesamtwertung ist er ebenfalls Zweiter - und selbst am Ruhetag kam der derzeit beste deutsche Springer auf den zweiten Rang.

Freitag: Ab Mittwoch im Siegermodus?

Bei einem Auto-Rennen auf dem Eis der gefrorenen Bodenalm musste sich Motorsport-Fan Freitag seinem Teamkollegen Andreas Wellinger knapp geschlagen geben. "Das war eine schöne Abwechslung vor dem Springen in Innsbruck. Andi hat aber offenbar dazugelernt", lachte Freitag. Ab Mittwoch (Quali ab 14 Uhr im Ticker) will der mittlerweile in Oberstdorf lebende achtfache Weltcupsieger dann in den Siegermodus zurückschalten. In Innsbruck und Bischofshofen kämpft Freitag um den Gesamtsieg der Vierschanzentournee.

Nur Stoch und Freitag haben Chancen auf Gesamtsieg

Derzeit trennen Freitag 11,8 Punkte von Tourneespitzenreiter Stoch - in den vier ausstehenden Wertungssprüngen muss Freitag rund sechs Meter auf den Polen aufholen. "Es wird eng bleiben, hoffe ich, und es wird spannend", kündigte Freitag an. Eines ist schon jetzt sicher: Der Kampf um den Sieg wird ein Zweikampf sein: Die Verfolger um Dawid Kubacki und Anders Fannemel haben schon mehr als 30 Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Stoch.

Freitag: Gute Erinnerungen an Innsbruck

Richard Freitag

Richard Freitag gewann vor drei Jahren in Innsbruck.

Stoch oder Freitag, wer wird am Ende triumphieren? "Im Moment ist alles offen", prophezeit Bundestrainer Werner Schuster ein offenes Duell: "Zehn bis zwölf Punkte sind kein Pappenstiel, aber ich glaube, das ist noch nicht entschieden. Richard hat deswegen nach wie vor einige Trümpfe in seiner Hand", sagte Schuster. Einer dieser Trümpfe sind vielleicht die guten Erinnerungen an Innsbruck. Auf der Bergiselschanze konnte Freitag zuletzt 2015 gewinnen, sein polnischer Kontrahent schaffte es hier noch nicht auf das Podest.

Schuster: "Stoch wie ein Killer"

Kamil Stoch und Adam Malysz auf dem Weg zum Wettkampf

Kamil Stoch (li.) gewann die Springen in Oberstdorf und Garmisch.

"Ich habe sicherlich schöne Erinnerungen an Innsbruck. Das macht es aber nicht leichter, deshalb werde ich keine riesige Kampfansage aussprechen", so Freitag. Freitag und Stoch wirken ausgeglichen, konstant und haben ihren Spaß am Springen. Beide können schwierigen Windverhältnissen, wie sie am Donnerstag (04.01.2018) beim Bergiselspringen in Innsbruck drohen, mit einem stabilen Flugsystem trotzen. So werden wohl Kleinigkeiten letztlich über den Sieg entscheiden. Für Bundestrainer Schuster springt Stoch derzeit gar nicht besser als Freitag, er habe nur die entsprechenden Verhältnisse "wie ein gnadenloser Killer" ausgenutzt.

Stoch: "Konzentration auf nächsten Sprung"

Gelingt Stoch das auch in Innsbruck und Bischofshofen, könnte der Vorjahressieger der Tournee neben dem erneuten Sieg des goldenen Tour-Adlers auch noch den bisher einmaligen Triumph von Sven Hannawald egalisieren. Der hatte 2001/2002 als bisher einziger Skispringer alle vier Springen der Tournee gewonnen - und Stoch tritt bisher so fokussiert und überlegen auf, dass ihm dieser bisher einmalige Erfolg zuzutrauen ist. Stoch will soweit noch gar nicht denken. "Die Gesamtwertung interessiert mich im Moment überhaupt nicht. Ich konzentriere mich einzig auf den nächsten Sprung", sagte der 30-Jährige.

Hannawald zittert um Vierfachtriumph

Hannawald gestand indes ein, dass ihm beim Gedanken an vier Siege von Stoch etwas mulmig zumute ist: "Jetzt muss ich noch etwas zittern", sagte der 43-Jährige, der mittlerweile als TV-Co-Kommentator arbeitet. Freitag versprach aber umgehend Hilfe: "Lassen wir Sven doch am Ruhetag mal ein bisschen zittern", lachte er und fügte an: "Ich werde natürlich alles geben, dass der Rekord weiter allein ihm gehört. Die Aufgabe nehme ich an." Am Donnerstag in Innsbruck und Samstag in Bischofshofen hat er die Chance, das Abo auf Rang zwei in Siegersprünge umzuwandeln.

dh/dpa/sid | Stand: 02.01.2018, 14:57

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