Dieter Thoma - "Andi Wellinger ist schon in Top-Form"

Interview mit dem ARD-Skisprung-Experten

Dieter Thoma - "Andi Wellinger ist schon in Top-Form"

Keine zwei Wochen, dann beginnt für die Skispringer die Weltcupsaison. Wir haben mit ARD-Experte Dieter Thoma über die besondere Herausforderung Olympia, die Form der deutschen Springer und die internationale Konkurrenz gesprochen.

ARD-Wintersport-Experten beim Dreh in Leipzig

Herr Thoma, uns steht ein Olympischer Winter bevor! Was ist denn da für einen Sportler anders als in einem "normalen" Weltcupwinter?

Dieter Thoma: "Olympische Spiele sind nur alle vier Jahre, und man versucht, auf den Punkt fit zu sein. Es ist aber immer ein bisschen Glückssache, ob das gelingt. Das liegt an Verletzungen, vielleicht Formtiefs oder Regeländerungen, man kann sich nicht immer hundertprozentig anpassen." 

Jetzt sind Sie schon ein paar Jahre ARD-Experte, was macht denn diese olympische Saison für sie als Experte besonders?

"Ich sehe die Saison im Ganzen. Der Weltcup fängt dieses Jahr schon sehr früh im polnischen Wisla an, dann die sehr wichtige Vierschanzentournee, die Skiflug-Weltmeisterschaften und dann natürlich auch als Krönung noch die Olympischen Spiele in Südkorea. Und wir hoffen natürlich, dass die Spiele auch sehr friedlich über die Bühne gehen. Der sportliche Wert soll wieder mehr in den Vordergrund rücken und nicht die Wirtschaft oder die Politik."

Sie sind früher als Sportler sehr erfolgreich gewesen. Seit vielen Jahren haben Sie aber die Seiten gewechselt und arbeiten beim Fernsehen. Wie nah sind Sie denn noch an den Sportlern dran, wie nah werden Sie eigentlich noch herangelassen?

ARD-Wintersport-Experten beim Dreh in Leipzig

Thoma: "Kopf entscheidet über Sieg oder Niederlage"

(lächelt) "Ich versuche natürlich oft dabei zu sein, ob beim Sommer-Grand-Prix, bei den Deutschen Meisterschaften oder der Vorbereitung. Im Winter versuche ich, jeden einzelnen Sprung zu sehen. Die Sportler sind dann mitten in der Vorbereitungszeit und die Zeit ist knapp. Dann versuchen wir, uns zum Beispiel mit den Sportlern in den Hotels zu verabreden und hinter die Kulissen zu schauen. Wie geht’s Ihnen? Wie ist das soziale Umfeld? Gibt es irgendwelche anderen Probleme, die vielleicht auch zur Erklärung dienen, wenn Sie mal Probleme beim Sport haben? Denn vor allem der Kopf ist entscheidend über Sieg oder Niederlage. Da muss man topfit sein und man kann es, glaube ich, nur gut erklären, wenn man die Hintergründe kennt."

Sie sagten es schon, ein paar Wettkämpfe wie den Sommer-Grand-Prix gab es dieses Jahr bereits. Was haben Sie denn gesehen und was haben Sie vor allem von den deutschen Sportlern gesehen?

Siegerehrung bei der Nordischen Ski-WM - Andreas Wellinger

Andreas Wellinger - "Er hat wahnsinnig flüssige Sprünge gezeigt."

"Severin Freund ist halt leider durch seinen zweiten Kreuzbandriss nicht dabei. Das ist schon tragisch. Im letzten Jahr haben Andreas Wellinger und Markus Eisenbichler die Fahnen hochgehalten. Die haben sehr, sehr gut performt. Nach den erfolgreichen Weltmeisterschaften in Lahti hoffen wir natürlich, dass es dieses Jahr weitergeht. Bei den Sprüngen, die ich bis jetzt gesehen habe, war vor allem Andi Wellinger auf einem sehr guten Niveau. Er hat wahnsinnig flüssige Sprünge gezeigt, d.h., dass der Bewegungsablauf so ineinander übergeht, dass man den Absprung kaum sieht und der Flug einfach funktioniert. Das war sehr gut. Bei den anderen Sportlern müssen wir hoffen, dass sie einfach zum Winter hin noch eine Schippe drauflegen, damit sie Anschluss halten können."

Stichwort internationale Konkurrenz. In der vergangenen Saison haben die Polen sehr überrascht. Was ist denn international dieses Jahr zu erwarten?

"Die Polen sind wieder ein enorm starkes Team. Es ist unfassbar wie kompakt sie auch sind. Im Sommer waren sie teilweise zu sechst unter den ersten zehn. Ich hoffe natürlich für die Sportler, dass sie es auch in den Winter retten. Aber ich hoffe nicht für die Konkurrenz, dass sie so stark sind. Für die Österreicher wird es ein schwieriger Winter. Michi Hayböck am Knöchel und auch Gregor Schlierenzauer sind verletzt. Auch die Norweger waren in der Vergangenheit immer sehr verletzungsgebeutelt. Wir müssen abwarten, wie Daniel André Tande in die Saison kommt. Oder auch Kenneth Gangnes, der glaube ich, seine dritte oder vierte Knieoperation hinter sich hat und versucht wieder Anschluss zu finden. Die Slowenen sind ein offenes Buch. Da kommen so viele junge wieder nach, die plötzlich wieder vorne mitspringen und die Prevc-Brüder werden natürlich auch versuchen wieder vorne mitzumischen. Es bleibt auf jeden Fall spannend." 

Vielen Dank für das Gespräch

Mit Dieter Thoma sprach Dirk Hofmeister.

Stand: 06.11.2017, 07:17

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