Von Einfädlern und Aufholjagden

Felix Neureuther in Schladming

Slalomklassiker in Schladming

Von Einfädlern und Aufholjagden

Ein deutscher Fahrer fädelt auf Siegkurs ein, ein Österreicher klettert von 22 auf zwei und ein Norweger gewinnt - wieder einmal. Der Nachtslalom von Schladming bot beste Skiunterhaltung - Gänsehautatmosphäre unterm Flutlichtmast.

Mit der Startnummer eins stürzte sich Neureuther auf der Schladminger Planai im ersten Durchgang in die Tiefe. Nüchterne 48,30 Sekunden leuchteten nach seinem Ritt durch die 66 Slalomtore auf der Anzeige im Zielraum auf. Wie außergewöhnlich diese Zeit sein sollte, zeigte sich schon beim zweiten Starter.

Das war nämlich der Norweger Henrik Kristoffersen, der Dominator der laufenden Slalomsaison. 1,10 Sekunden Rückstand hatte der im Ziel, nach dem ersten Durchgang lag er auf Platz drei. Auch bei den folgenden Fahrern sollten die Abstände fast durchweg noch deutlicher werden. Lediglich der Italiener Stefano Gross konnte sich im ersten Durchgang noch einigermaßen in Szene setzen. Er hatte am Ende "nur" 53 Hundertstel Rückstand auf Neureuther und war Zweiter.

Neureuther, die neuen Schuhe und ein Einfädler

Felix Neureuther in Schladming

Felix Neureuther im ersten Lauf

"Ich fahre seit gestern einen neuen Schuh, und ich hatte jetzt das erste Mal das Gefühl, dass ich wieder richtig Skifahren kann", sagte Neureuther in der Sportschau nach dem ersten Lauf: "Ich kann wieder einen kurzen Schwung fahren, bekomme wieder einen Punch. Das hat bei mir die ganze Zeit gefehlt." Und in Durchgang zwei? Kristoffersen legte vor, setzte sich mit der fünftschnellsten Zeit im zweiten Lauf an die Spitze. Stefano Gross patzte und fiel zurück.

Und Neureuther? Fuhr erst nicht fehlerfrei, rettete seinen Vorsprung fast bis ins Ziel - und fädelte dann, mit dem möglichen Sieg vor Augen, ein. "Schon sehr schade. Auf alle Fälle. Ein Einfädler ist immer bitter", kommentierte der enttäuschte Neureuther.

Marcel Hirscher: Erst "Brillengate", dann sensationelle Aufholjagd

Marcel Hirscher im ersten Lauf des Slaloms von Schladming

Marcel Hirscher im ersten Lauf

Österreichs Slalomgott Marcel Hirscher mit der Startnummer vier kam schon im ersten Lauf mit satten 2,59 Sekunden Rückstand auf Neureuther an. Es wurde erstmals richtig ruhig im Zielstadion am Ende der Planai. Hirschers spätere Erklärung war eine der kuriosesten des gesamten Alpinwinters: Er habe seine Brille falsch zusammengebaut. "Die beschichtete Seite war auf der falschen Seite. Da ist mir das Glas so angelaufen - so etwas sollte nicht passieren", sagte der Österreicher. Mit beschlagener Sichthilfe war auch für den Ausnahmewedler nicht mehr drin als Platz 22 im ersten Durchgang.

Was fast noch kurioser als Hirschers Anfängerfehler beim Brillenbau anmutete: Trotz schlechter Sicht war er schnellster Österreicher. Neben Hirscher kamen nur noch die jungen Manuel Feller (Aus in Lauf zwei) und Marc Digruber in den zweiten Durchgang. Die übrigen Fahrer der rot-weiß-roten Skiflotte verpassten beim Heimklassiker in Schladming im ersten Lauf die Top 30.

Hirscher nutzte im zweiten Durchgang allerdings dann seine frühe Startnummer auf einer Planai-Piste, die im zweiten Durchgang von Fahrer zu Fahrer merklich nachließ. Er kratzte die Laufbestzeit in den Schnee und kletterte bis auf Rang zwei hinter Kristoffersen. Dritter wurde der Russe Alexander Choroschilow.

Stehle, Dopfer und Strasser punkten

Der Garmischer Fritz Dopfer war als Siebter mit 1,49 Sekunden Rückstand auf Neureuther in den zweiten Durchgang gefahren. Dominik Stehle hatte sich als 21. für das Finale der Top 30 qualifiziert, Linus Strasser als 28. Im zweiten Durchgang überzeugte vor allem Stehle: Der Obermaiselsteine zeigte einen Lauf fast auf Hirscher-Niveau und kletterte mit der zweitbesten Laufzeit Platz um Platz. Am Ende wurde er Vierter - die beste Weltcupplatzierung in der Karriere des Obermaiselsteiners. Fritz Dopfer kletteret auf Platz fünf, Linus Strasser wurde am Ende 23.

beb/dpa/sid | Stand: 26.01.2016, 21:45

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