Wie wird man eine Ski-alpin-Legende?

Die Show im Slalom-Weltcup

Wie wird man eine Ski-alpin-Legende?

Die US-Amerikanerin Mikaela Shiffrin ist schon in jungen Jahren auf Legendenkurs im Ski-alpin-Weltcup. Die deutschen Technikdamen suchen dagegen auch im Jahr vier nach Maria Höfl-Riesch noch eine würdige Nachfolgerin.

Es ist schwierig, die bisherigen Rekorde in der Karriere von Mikaela Shiffrin in wenigen Sätzen zusammenzufassen. Die US-Amerikanerin fährt von Sieg zu Sieg - und erklimmt ständig neue Höhen in den ewigen Bestenlisten. Vergleiche mit legendären Alpin-Rennfahrerinnen wie der Österreicherin Annemarie Moser-Pröll sind an der Tagesordnung.

Annemarie Moser-Pröll 1971

Annemarie Moser-Pröll 1971

Gerne herangezogen an den ersten Tagen des jungen Jahres: das Alter. 22 ist Shiffrin gerade mal, erst im März nach den Olympischen Spielen feiert sie ihren 23. Geburtstag. 41 Weltcupsiege vor dieser mysteriösen "23" - das glückte bisher nur Moser-Pröll, die am Karriereende 62 erste Weltcupplätze vorzuweisen hatte.

Mit der Leichtigkeit, mit der Shiffrin derzeit die Stangen umkurvt, scheint es eine Kleinigkeit, dass sie Moser-Pröll in der ewigen Bestenliste irgendwann überholt. Die drei Läuferinnen vor ihr - Anja Pärson (Schweden/42 Weltcupsiege), Renate Götschl (Österreich/46), Vreni Schneider (Schweiz/55) - sowieso. Nur Platz eins scheint noch zu weit entfernt. Dort steht Shiffrins Landsfrau Lindsey Vonn mit 78 Triumphen - und Vonn fährt ja noch.

Diese Rekorde kann Shiffrin knacken

Tina Maze

Tina Maze

Dann eben andere Rekorde angreifen. Die meisten Punkte im Gesamtweltcup etwa. 1381 Punkte hat Shiffrin nach 19 von 39 Wettbewerben, bei optimalem Saisonverlauf könnten die bisherigen 2414 Rekordpunke der Slowenin Tina Maze aus dem Jahr 2013 fallen.

Vreni Schneider

Vreni Schneider

Oder die meisten Saisonsiege: Zehn hat Shiffrin bisher, die Rekordmarke hält Vreni Schneider mit 14 - seit der Saison 1988/89. Oder die der meisten Slalom-Siege insgesamt. 30 hat Shiffrin bisher gewonnen. Mehr haben nur Schneider (30) und die Österreicherin Marlies Schild (35). Schild kann sie bei noch drei Slaloms und einem Parallel-Slalom in dieser Saison nicht mehr überholen. Aber glaubt jemand ernsthaft daran, dass Shiffrin nach der Saison, mit 23, schon aufhören könnte?

Denn ein ganz besonderer Rekord fehlt ja auch noch: Gewinnt sie irgendwann einen Super-G, wäre sie die erste Rennläuferin, die in sechs Disziplinen (Abfahrt, Super-G, Riesenslalom, Slalom, Kombination, Parallel-Rennen) triumphiert hat. Siege in fünf Disziplinen haben bisher die Kroatin Janica Kostelic, die Schwedinnen Pernilla Wiberg und Pärson, Vonn und Maze. Ihnen allen fehlt ein Parallelslalom-Sieg.

Aufbauarbeit im Deutschen Skiverband

Ski alpin: DSV-Trainer Jürgen Graller

DSV-Trainer Jürgen Graller

Von solchen Superlativen sind die Technikerinnen im Deutschen Skiverband (DSV) derzeit weit entfernt. Seit dem Rücktritt von Maria Höfl-Riesch 2014 ist der DSV bemüht, seine Läuferinnen behutsam wieder an die Weltspitze zu führen. Richten soll's seit dem vergangenen Sommer der Österreicher Jürgen Graller. Das Ziel: langfristig in den Top 15 eine gute Rolle spielen.

Von Plätzen in den Top fünf will Graller angesichts der aktuellen Situation im Slalom-Weltcup nichts hören. "Im Slalom gibt es die ersten Vier, die fahren in einer eigenen Liga, das muss man neidlos anerkennen. Die Fünfte wackelt ein bisschen, aber wenn sie alle sieben Zwetschgen beisammen hat, ist auch die top. Und danach ist das Spiel offen", sagt Graller.

Mikaela Shiffrin in Flachau

Mikaela Shiffrin in Flachau

Was er damit meint: Shiffrin, die Schwedin Frida Hansdotter, die Slowakin Petra Vlhova und die Schweizerin Wendy Holdener fahren in einer eigenen Liga, an guten Tagen wie in Flachau auch noch die Österreicherin Bernadette Schild. Dahinter ist alles möglich - und da will Graller die deutschen Slalom-Damen hinbringen.

DSV-Damen sollen "Gaudi" haben

Ohne Druck jedoch, wenn möglich. "Ich sage den Mädels immer: Habt's eine Gaudi, lacht's, seit's froh, dass so viele Leute hier sind und fahrt's runter", sagte er in Flachau. Und obwohl Christina Geiger, Lena Dürr und Marina Wallner die Olympia-Qualifikation bereits sicher haben (Graller: "Jetzt könnten sie befreit Skifahren und müssen sich keinen Stress machen."), klappte es mit der Lockerheit unter dem Flutlicht von Flachau nicht so ganz.

"Wenn man einmal Siebte ist, dann will man nicht im nächsten Rennen 16. werden. Da erwarte ich schon mehr", sagte Geiger nach dem für sie enttäuschenden 14. Platz. Wallner räumte offen ein, dass es derzeit irgendwo im Kopf hakt: "Ich mach mir selber den Druck und will da vorne mitfahren. Das Selbstbewusstsein ist momentan leider nicht ganz so bei 100 Prozent." "Da ist sicher noch Luft nach oben", sagt auch Cheftrainer Graller. Doch auch er weiß, dass Top-Ten-Plätze - vier gab's schon im Slalom in dieser Saison - angesichts der aktuellen Weltcup-Fahrerinnen wie Shiffrin & Co. schon absolute Top-Ergebnisse sind.

dpa/sid | Stand: 10.01.2018, 18:34

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