Südkorea ist noch nicht bereit für Olympia 2018

Südkorea, Jeongseon: Alpin Center und alpine Abfahrtsstrecke

Ski-alpin-Weltcup in Jeongseon

Südkorea ist noch nicht bereit für Olympia 2018

In zwei Jahren werden die alpinen Wettbewerbe bei den Winterspielen im südkoreanischen Jeongseon stattfinden. Die Alpinherren sind die Testpiloten bei den ersten Rennen auf der der nagelneuen Olympiastrecke. Das erste Fazit fällt gemischt aus.

Die beiden Herrenrennen an diesem Wochenende (Abfahrt und Super-G) sind voraussichtlich die einzigen Weltcuptests vor den Winterspielen 2018 auf der neuen Piste. Die Fahrer und Verantwortlichen waren natürlich neugierig auf den 2,8 Kilometer langen Hang von Jeongseon, auf dem bei den Winterspielen von Pyeongchang 2018 die Speedwettbewerbe ausgetragen werden. Und die meisten zeigten sich durchaus angetan von der vergleichsweise kurzen Strecke mit vier großen Sprüngen.

Lob von Athleten

Südkorea, Jeongseon: Alpin Center und alpine Abfahrtsstrecke

Alpin Center und alpine Abfahrtsstrecke

Bereits vor den ersten Rennen gab's viel Lob für die neue Alpinanlage. "Das wird großartig", sagte der kanadische Ex-Weltmeister Erik Guay. Christof Innerhofer, Olympia-Zweiter von 2014 aus dem italienischen Team, lobte die "perfekten Winterbedingungen auf der Piste". Und auch nach der Abfahrt zeigten sich Athleten begeistert, so der Italiener Dominik Paris: "Ich mag den Berg. Es macht Spaß mit den vielen Sprüngen. Die Piste war gut präpariert. Es ist eine gute Abfahrt."

IOC und FIS zufrieden

Auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) wertete das Weltcup-Debüt auf der Abfahrtstrecke als vollen Erfolg. "Wir waren beeindruckt von dem Wettbewerb, den die lokalen Organisatoren abgeliefert haben", stellte Gunilla Lindberg fest, die Vorsitzende der IOC-Koordinierungskommission für die Winterspiele 2018 in Pyeongchang. Das Rennen, das zugleich auch der erste von 28 geplanten Tests für die Winterspiele war, sei ein "wichtiger Schritt vorwärts in den Vorbereitungen für Pyeongchang gewesen. Lindberg sprach von einem "historischen Tag". Auch der Präsident des Skiweltverbandes FIS, Gian Franco Kasper, gratulierte den Organisatoren und sprach von einem "exzellenten Start": "Sie zeigen damit, dass Sie abliefern können." 

"Das Kind ist geboren"

Ex-Rennläufer und Pistenbauer Bernhard Russi, 2012

Ex-Rennläufer und Pistenbauer Bernhard Russi

Für die Organisatoren sind die Weltcuprennen ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu den Olympischen Spielen 2018. So war bei Bernhard Russi durchaus Erleichterung und Stolz zu spüren, dass endlich Rennen dort stattfinden können. "Das Kind ist geboren und fängt an zu laufen", sagte der Schweizer, der 1972 in der Abfahrt olympisches Gold gewann. Mittlerweile ist Russi ein gefragter Pistendesigner und auch für die Abfahrtspiste in Südkorea verantwortlich.

Die vergangenen Monate von der Planung über die Genehmigung bis zum Bau der Strecke waren für ihn durchaus anstrengend. Vor allem das Genehmigungsverfahren - die Strecke im Jeongseon-Alpin-Zentrum liegt in einem geschützten Gebiet nicht weit von der Grenze zum isolierten Nachbarstaat Nordkorea entfernt - sowie die Suche nach der "richtigen Lösung, mit der alle leben konnten", hätten sich hingezogen, so Russi. Auch müssten jetzt noch kleinere Änderungen vorgenommen werden, bevor die Piste zu 100 Prozent olympiareif sei.

Ein Modell für die Zukunft?

Russi hat nur eine Strecke für die Herren- und Damenabfahrt entworfen, was durchaus eine Ausnahme ist. "Das ist ein Modell, ich würde mich für eine Regelanpassung einsetzen", meinte der Steckendesigner. Abgesehen von der unterschiedlichen Kurssetzung und mit Ausnahme vielleicht von der Strecke in Kitzbühel "können Frauen auf jeder Abfahrt fahren", so Russi. Für ihn könne die Strecke ein Modell für die Zukunft werden.

Südkorea, Olympia und die Stimmung

Die Weltcup-Rennen der Herren waren lange Zeit in Gefahr gewesen. Erst vor knapp zwei Wochen hatte der Internationale Skiverband (FIS) nach einer Schneekontrolle grünes Licht gegeben. Auch der Bau einer Gondel hatte sich erheblich verzögert und war erst im letzten Moment abgeschlossen worden. Am Fuß der Strecke mit einem Höhenunterschied von 825 Metern sieht es noch immer wie auf einer Großbaustelle. Die Strecke auf einem früher bewaldeten Berghang ist zu 60 Prozent fertig. Was später mit der Schneise passiert, ist noch offen. "Wir haben versprochen, teilweise den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen", sagt Provinzgouverneur Choi Moon Soon.

Auch beim Bau anderer Sportstätten für die Olympischen Winterspiele 2018 hakt es noch. Der Bau der Eisschnelllauf-Arena in Gangneung ist erst zu einem Viertel fortgeschritten. "Aber wir wissen ja um das Problem", beschwichtigt Provinzchef Choi. Ein Problem sei, dass die meisten Südkoreaner mit Wintersportarten wie Skispringen oder den alpinen Disziplinen "nicht viel anfangen können".  Auch sorgt man sich um die Olympia-Atmosphäre im Land. "Die Stimmung ist noch ein bisschen flach", sagt der stellvertretende Gouverneur, Kim Myung Sun. 

dsv/dpa/sid | Stand: 06.02.2016, 15:26

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