Bundestrainer Weinbuch - "Kalender überdenken"

Interview mit dem Cheftrainer der Kombinierer

Bundestrainer Weinbuch - "Kalender überdenken"

Vier Wochen Zwangspause für die Nordischen Kombinierer - und dann feierten die Deutschen gleich doppelt. Bundestrainer Weinbuch im Interview zu taktischen Vorgaben, der Form seiner Spitzenläufer und notwendigen Veränderungen in der Kombination.

Frage: Herzlichen Glückwunsch zum Doppelsieg am vergangenen Wochenende in Chaux Neuve durch Eric Frenzel und Fabian Rießle. Eric Frenzel sagte nach seinem Sieg am Samstag, dass er doch sehr überrascht war über seine gute Form. War die Überraschung für Sie genauso groß wie für Ihren Sportler?

Hermann Weinbuch: "Er hat im vergangenen Jahr mit einem Sieg aufgehört und konnte die Form gut konservieren. Dass das gelingt, war vorher natürlich nicht klar. Aber wenn es einer kann, dann Eric. Insofern werde ich von ihm immer mal positiv überrascht."

Sowohl beim Sieg von Frenzel als auch beim Erfolg von Fabian Rießle zeigten Ihre Sportler eine starke taktische Leistung. Können Sie uns einen kleinen Einblick geben, was Sie mit Ihrem Team vor den Läufen besprochen haben?

Eric Frenzel, Johannes Rydzek, Fabian Rießle und Tino Edelmann jubeln

Frenzel, Rydzek, Rießle (v.l.n.r.): "Drei kämpfen um den Gesamt-Weltcup"

Hermann Weinbuch: "Wir als Trainerteam haben wenig taktische Vorgaben gemacht. Vorgaben sind schwierig, weil man damit immer einen unserer drei Spitzenläufer Eric Frenzel, Fabian Rießle und Johannes Rydzek bevorteilt oder benachteiligt. Alle drei kämpfen um den Gesamt-Weltcup, da ist es schwierig, dass einer für den anderen läuft. Eric Frenzel hat im Endspurt gegen einige andere schlechte Chancen, er ist also gezwungen, gleich von Beginn an ein hohes Tempo anzugehen. Fabian Rießle hat dagegen ein gutes Finish, er möchte den Wettkampf lieber erst auf dem letzten Kilometer entscheiden. Die Taktik geben wir nicht vor, das müssen die Jungs untereinander ausmachen. Ich bin trotzdem sehr zufrieden, denn sie haben trotzdem zusammen gearbeitet."

Der Blick auf den Gesamt-Weltcup ist aus deutscher Sicht sehr erfreulich, mit Fabian Rießle und Eric Frenzel stehen zwei Sportler aus Ihrem Team ganz oben. Wie würden Sie die derzeitige Führung von Rießle bewerten? Momentaufnahme oder Fingerzeig in die Zukunft als Wachablösung?

Fabian Rießle

"'Rio' ist ein Frühstarter"

Hermann Weinbuch: "Eine Wachablösung sehe ich nicht. Im vergangenen Jahr um dieselbe Zeit war 'Rio' Rießle ebenfalls im gelben Trikot, bevor ihm Eric dann die Führung abgenommen hat. Wir haben drei absolute Spitzenkönner: 'Rio' ist vielleicht ein Frühstarter, Eric kommt meistens im Januar zu seiner Top-Form, und Johannes Rydzek ist hintenraus meistens der absolut Stärkste. Ich kann nie voraussagen, wer siegt. Wenn alle in Normalform sind, entscheiden Tages- und mentale Form. Ich würde mich freuen, wenn sich die drei als Dreigestirn entwickeln, die sich aber weiterhin befruchten und nicht bekämpfen."

Sie haben vor der Saison mit Blick auf die unterschiedlichen Trainingsintensitäten Ihrer Sportler gesagt, Sie hoffen, dass der Gesamtplan aufgeht. Wie sieht denn die Zwischenbilanz nach vier von elf Weltcupstationen aus?

Hermann Weinbuch: "Wir sind außerordentlich zufrieden, auch, wenn wir gesehen haben, dass die Norweger stark sind und jeder Wettkampf ein harter Kampf um den Sieg ist. Ich bin überzeugt, dass wir die Form bis zum Ende des Winters halten können. Wir werden die nächsten Wochen weiterhin ganz vorn mitmischen können."

Wie haben sich die jungen Athleten wie Terence Weber oder Vinzenz Geiger geschlagen, denen Sie im Weltcup in diesem Winter schon Startchancen gegeben haben?

Kombinierer Terence Weber

"Weber und Geiger positiv überrascht"

Hermann Weinbuch: "Sehr positiv. Mit Terence Weber und Vinzenz Geiger konnten wir ja schon drei Monate vor Saisonbeginn arbeiten. Mit Rang 17 und 18 Anfang Dezember in Lillehammer haben mich beide positiv überrascht. Leider habe ich aktuell aber keine Startplätze für die beiden, weil es uns im Continental-Cup nicht gelungen ist, uns einen weiteren Weltcupplatz zu erkämpfen. Von den Arrivierten will ich auch keinen auswechseln, sie haben alle schon Top-10-Platzierungen geschafft. Mit Blick auf Olympia 2018 könnten speziell Weber und Geiger aber eine gute Alternative für das Team werden."

Klimawandel und Schneemangel macht vielen Wintersportarten zu schaffen. Im Vergleich zu Biathleten und Skispringern ist speziell die Nordische Kombination im Januar aber besonders stark von Absagen gebeutelt worden. Wie könnte aus Ihrer Sicht für eine größere Wettkampfsicherheit gesorgt werden?

Kein Schnee in Schonach

Weinbuch: "Wissen in Schonach seit zehn Jahren, dass es auf Messers Scheide steht"

Hermann Weinbuch: "Beim Skispringen ist es relativ leicht, weil nur der Auslauf präpariert werden muss und hier auch viel Geld vorhanden ist. Auch beim Biathlon steckt viel Geld dahinter, zudem rentiert sich ein großer Aufwand, weil in wenigen Tagen viele Wettkämpfe stattfinden. Bei uns ist das nicht so, wir haben nur ein bis zwei Wettkämpfe pro Wochenende - und unterm Strich wird in der Kombination weniger Geld umgesetzt. Man muss überlegen, ob man unsere Wochenenden nicht um einen oder zwei Wettkämpfe verlängert, um die Kosten wieder einzuspielen. Außerdem müssen wir den Kalender überdenken. Bei Schonach im Januar wissen wir die letzten zehn Jahre schon, dass das auf Messers Schneide steht. Da sollte man lieber auf Monate ausweichen, die schneesicherer sind. Für Schneedepots oder Schneekanonen haben wir in der Kombination nicht so viel Geld, dass sich das rechnen könnte."

Was halten Sie davon, wie zu Beginn der Saison in Kuusamo geplant, mehr gemeinsame Wettkämpfe mit Langläufern und Skispringern zu veranstalten?

Skispringer Kuusamo

Weinbuch: "Gemeinsame Wettkämpfe machen Sinn"

Hermann Weinbuch: "Ich finde das gut, das macht rational Sinn. Das möchte auch der Weltverband. Es ist aber nicht so leicht zu handhaben, vor allem, wenn es wegen Wind oder ähnlichem zu Verschiebungen kommt. Das ist aber ein richtiger Ansatz. Vier oder fünf solche Wochenenden könnte man im Winter sicher realisieren."

Zum Schluss noch ein Ausblick: Am kommenden Wochenende steht das Nordic-Combined-Triple in Seefeld an. Eric Frenzel hat dort in den vergangenen drei Jahren alle acht Wettkämpfe gewonnen und könnte den Triple-Hattrick schaffen. Was sind Ihre Erwartungen an den Weltcup? Worauf können wir uns freuen?

Kombinierer Erik Frenzel beim Weltcup im Seefeld.

Weinbuch: "Seefeld Highlight für die Aktiven"

Hermann Weinbuch: "Wir freuen uns auf eine schöne Umgebung, wir fahren mit einem guten Gefühl hin. Seefeld ist ein Highlight für die Aktiven. Die Mannschaft ist gut drauf und topfit. Wir werden top Leistungen bringen. Aber wer von uns letztlich ganz vorn dabei ist, kann ich natürlich noch nicht sagen."

Die Zeit der Absagen im Januar haben Sie unter anderem in Seefeld mit einem Trainingslager überbrückt. Rechnen Sie sich vielleicht sogar einen Heimvorteil aus?

Hermann Weinbuch: "Wir waren fünf Tage auf der Schanze. Aber wir waren dort nicht alleine. Neben uns waren Italiener, Schweizer, Tschechen, Japaner, Österreicher und Norweger. Da kann man nicht von einem Heimvorteil sprechen."

Vielen Dank für das Gespräch

Das Interview führte Dirk Hofmeister.

dh | Stand: 26.01.2016, 06:42

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