Tour-Sieger = Olympia-Verlierer?

Fazit nach der Tour de Ski

Tour-Sieger = Olympia-Verlierer?

Von Robert Rönsch

Heidi Weng und Dario Cologna heißen die Sieger der Tour de Ski. Sind sie dadurch auch Olympia-Favoriten? Oder eben gerade nicht? Und wie sieht es im deutschen Langlauf aus?

Vor der Tour de Ski hatten Heidi Weng und Dario Cologna in diesem Winter noch kein einziges Weltcup-Rennen gewonnen. Aber bei der Tour dominierten sie. Weng - nach ihrem Vorjahreserfolg an gleicher Stelle - wie erwartet, Cologna - nachdem die letzten großen Erfolge schon Jahre zurücklagen - überraschend.

Am Ende siegte Weng mit 48,5 Sekunden Vorsprung vor Östberg, danach kam eine Weile niemand, dann Jessica Diggins aus den USA. Beste Deutsche wurde Stefanie Böhler, die von Rang zwölf noch auf Platz zehn vorlief. Alle anderen landeten außerhalb der besten 20 oder waren schon vorher ausgestiegen.

Cologna? Kaum einer hatte mit dem Schweizer gerechnet

Überraschender als der von Weng, dafür umso klarer war Colognas Sieg bei den Herren. Sergej Ustjugow aus Russland oder Martin Johnsrud Sundby aus Norwegen, sagten die meisten vor der Tour auf die Frage, wer gewinnen wird. Aber seit dem Heimrennen in Lenzerheide, das Cologna gewann, kristallisierte sich immer deutlicher heraus, dass er am besten in Form ist und niemanden an sich herankommen lassen wird.

Mit fast eineinhalb Minuten Vorsprung kam Cologna auf der Alpe Cermis an, Sundby wurde immerhin noch Zweiter, der Kanadier Alex Harvey Dritter. Der Russe Ustjugow war zur letzten Etappe nicht mehr angetreten. Die Deutschen konnten sich kaum verbessern - mit Ausnahme von Lucas Bögl, der mit der neuntschnellsten Tageszeit von Platz 32 auf 25 vorlief. Mit diesem indirekten Platz 9 sicherte er sich die Olympia-Teilnahme.

Und was heißt das für Olympia?

Tour de Ski und Olympische Winterspiele vertragen sich nicht unbedingt. Das hat man schon vor vier Jahren gesehen. Therese Johaug und Martin Johnsrud Sundby hießen da die Dominatoren und Sieger der Tour de Ski. Bei den anschließenden Olympischen Wettkämpfen in Sotschi blieben beide aber ohne Goldmedaille.

Besser machten es da Marit Björgen und Dario Cologna. Die Norwegerin beendete damals die Tour de Ski vorzeitig und holte dreimal Gold in Sotschi. Der Schweizer bestritt die Tour gar nicht und siegte dafür zweimal bei Olympia. Cologna ist sich dessen natürlich noch bewusst und hat in diesem Jahr trotzdem eine andere Vorbereitung gewählt. Ob er auch als Toursieger bei Olympia Gold gewinnen kann, wird sich in Pyeonchang zeigen.

Ein ausgeruhter Norweger Olympiafavorit?

Johannes Hoesflot Kläbo

Johannes Hösflot Kläbo (Norwegen)

Der Norweger Johannes Hösflot Kläbo, Seriensieger bei den ersten Weltcups des Winters, wird dann aller Voraussicht nach ausgeruhter sein, weil er die Tour ausgelassen hat und dem Schweizer den ein oder anderen Sieg streitig machen will. Während Kläbos Vorlieben aber vor allem auf den kurzen Strecken liegen, kann Cologna auch die langen Kanten gut bewältigen.

Ärgern Kalla und Björgen Tour-Siegerin Weng?

Charlotte Kalla

Charlotte Kalla (Schweden)

Bei den Frauen haben sich mit der Schwedin Charlotte Kalla und der Norwegerin Marit Björgen gleich zwei Olympia-Favoritinnen bei der Tour geschont. Dazu die Schwedin Stina Nilsson, die im Sprintbereich als Favoritin gelten wird. Diese drei werden es den norwegischen Tour-Teilnehmerinnen Weng, Östberg (und Falla bei den Sprints) so schwer wie möglich machen - und wenn es so läuft wie vor vier Jahren, die Goldmedaillen wegschnappen.

Deutsche Aussichten bei Olympia

Die DSV-Langlauf-Herren werden - sollte sich die Form nicht deutlich steigern - mit den Medaillenvergaben in Pyeonchang nichts zu tun haben. Thomas Bing erreichte bei der Tour immerhin drei Top-15-Resultate. Aber vor allem im Sprintbereich scheint es keinen einzigen Deutschen zu geben, der derzeit im Weltmaßstab mitmischen kann.

Anders bei den Damen. Dort haben zumindest Sandra Ringwald und Hanna Kolb Hoffnungen auf die Sprintwettbewerbe in Pyeongchang geweckt, auch wenn bei der Tour längst nicht alle Weltklasse-Sprinterinnen am Start waren.

Im Distanzbereich zeigten Nicole Fessel und Stefanie Böhler ansteigende Form und Top-Ten-Tauglichkeit. Eine Einzelmedaille in Südkorea erscheint zwar nahezu unmöglich, aber für die Staffel sieht es zumindest etwas verheißungsvoller aus als bei den Herren.

Stand: 07.01.2018, 17:30

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