Schlittenpoker bei Gold-Hoffnung Friedrich

Francesco Friedrich (vorn) testet den Schlitten

FES oder Wallner?

Schlittenpoker bei Gold-Hoffnung Friedrich

Wer die Wahl hat, hat die Qual und am Ende das Nachsehen? Olympische Spiele ohne eine deutsche Bob-Medaille wären ein Desaster. Und ausgerechnet Weltmeister Francesco Friedrich weiß noch nicht, in welchem Bob er starten soll.

Sotschi, 2014: Die Erinnerungen der deutschen Zweier-Bobfahrer an die letzten Winterspiele sind düster. Vor vier Jahren blieben die Erfolgsgaranten erstmals seit über zwanzig Jahren im kleinen Schlitten ohne Medaille bei Olympischen Winterspielen. Hauptgrund für den schlechten Auftritt war kein wettbewerbsfähiger Schlitten. Die historische Pleite blieb nicht folgenlos. Der Bob- und Schlittenverband Deutschland (BSD) krempelte vieles um, ging einen neuen, kostspieligen Weg und setzt nicht mehr allein auf die bis dahin führenden Schlitten des deutschen Instituts für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES), sondern auch auf die österreichische Firma Wallner. Die Wahl über den Schlitten haben letztendlich die Piloten.

Gold-Schlitten verkauft

Francesco Friedrich setzte auf den Wallner-Bob und lag im vergangenen Winter richtig. Er gewann WM-Gold im Zweier und Vierer und war damit der Favorit für Olympia in Pyeongchang. Doch derzeit hat der Sachse ein großes Problem. Er weiß noch immer nicht, mit welchem Schlitten er im Februar angreifen soll. In seinem Goldschlitten der Vorsaison kann er nicht mehr die Bobbahn herunterrutschen. Der Bob wurde mit seiner Zustimmung verkauft. Das neue Modell hat ein großes Problem: Er kommt im unteren Bereich der Bahn nicht auf Geschwindigkeit.

In St. Moritz mit FES

Zum Weltcup am vergangenen Wochenende in Altenberg stieg Friedrich daher doch wieder auf ein FES-Gerät um und fuhr auf Rang zwei - auf der Heimbahn ein Ergebnis, das bei Friedrich nicht für Euphorie sorgte. "Der Schlitten ist gut", sagt er, "aber ich muss mir alles in Ruhe überlegen, Zeitlupen anschauen, das nächste Rennen abwarten und dann eine Entscheidung treffen." In St. Moritz an diesem Wochenende bekommt der FES-Zweier nun eine weitere Chance.

Unterschiedliche Lenksysteme

Fällt seine Wahl im Zweier auf FES, würde er in Südkorea mit zwei verschiedenen Anbietern unterwegs sein. Im Vierer setzt der 27-Jährige weiterhin auf Wallner. Die Lenksysteme der beiden Fabrikate unterscheiden sich aber deutlich - vom Bobpiloten ist da Fingerspitzengefühl gefragt. Man werde "die Lenkung etwas auf den Wallner-Vierer abstimmen", sagt Bundestrainer Spies, um die Umstellung wenigstens etwas zu erleichtern.

Der deutsche Bob-Pilot Francesco Friedrich (l.) mit seinem Anschieber Thorsten Margis nach dem Weltcup-Sieg in Innsbruck

Bob-Pilot Francesco Friedrich (l.) mit seinem Anschieber Thorsten Margis suchen das Olympia-Gefährt.

Nach St. Moritz will Friedrich endlich seinen Schlitten für Pyeongchang wählen - und dann bleibt nur noch das Weltcup-Finale am Königssee, um die letzten Details abzustimmen. Die Uhr tickt. In vier Wochen starten die Winterspiele in Pyeongchang.

sst/sid | Stand: 12.01.2018, 13:46

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