Der Aufsteiger des Jahres - Francesco Friedrich

Francesco Friedrich

Neuer Bob-Weltmeister

Der Aufsteiger des Jahres - Francesco Friedrich

Vor einem Jahr fuhr er in St. Moritz noch allein in Ziel. Jetzt ist Francesco Friedrich Weltmeister. Gemeinsam mit Trainer Gerd Leopold hat sich der 22-Jährige schrittweise an die Weltspitze herangearbeitet.

Francesco Friedrich hat mit 22 Jahren schon fast alles erreicht, was man als Bobpilot erreichen kann. Der Pirnaer war mehrfacher Junioren-Weltmeister, holte sich in dieser Saison seinen ersten Weltcup-Sieg, wurde Dritter bei der Europameisterschaft und krönte eine unglaubliche Saison mit dem Weltmeistertitel im Zweier in St. Moritz.

Dabei wäre es fast gar nicht dazu gekommen. Denn nur dank des überraschenden WM-Verzichts von Manuel Machata für die Titelrennen im kleinen Schlitten, wurde Francesco Friedrich als Senor bei der WM in Sankt Moritz gemeldet. Damit verzichtete der Verband zwar auf das persönliche Startrecht von Friedrich als Junioren-Weltmeister, aber konnte dessen Schlitten mit einem älteren Anschieber besetzen: mit dem zuletzt bärenstarken Jannis Bäcker.

Überflieger bei den Junioren

Bereits vor zwei Jahren hatte Friedrich, der damals schon von Trainer Gerd Leopold betreut wurde, bei den Junioren für Furore gesorgt. Anfang 2011 wurde er in Park City Zweiter im Zweierbob und im Viererbob, mit seinem Bruder David. Der hatte nach zwei schlimmen Stürzen 2005 und 2006 eigentlich seine Bobkarriere beendet, kehrte aber dann drei Jahre später wieder zurück.

WM-Vierter, Stürze und Rückschläge

Francesco, David und Lucienne Friedrich

Francesco, David und Lucienne Friedrich

In der Saison 2011/12 sollte dann eher überraschend der große Durchbruch auch bei den Männern folgen. Allerdings verlief die Saison, die Friedrich schließlich mit zwei Titel bei der Junioren-WM und Platz vier im Zweier bei der Weltmeisterschaft der Senioren in Lake Placid krönte, mehr als wechselhaft. Nach dem Ausfall von Thomas Florschütz rutschte Friedrich im Januar 2012 ins Weltcup-Team und qualifizierte sich auch für die WM. Es folgten ein Sturz in Altenburg - da lag er in Führung - und ein kurioser Fauxpas in St. Moritz.

Mann über Bord beim Vorjahresrennen

Francesco Friedrich - allein im Zweier-Bob

Francesco Friedrich - allein im Zweier-Bob

Damals rutschte sein Anschieber beim ersten Schritt aus und schaffte es nicht mehr in den Bob. Friedrich bemerkte das Missgeschick lange überhaupt nicht. Erst im Ziel, als mehr als 3,5 Sekunden auf den Spitzenreiter fehlten und der Bob mit rasender Geschwindigkeit in die gummierten Auslaufmatten fuhr, wurde auch dem Fahrer das Fehlen des Bremsers bewusst. "Es ging wirklich hoch und runter. Aber wir hatten ja noch einen krönenden Abschluss in Lake Placid", erinnerte sich Trainer Leopold, der schon Harald Czudaj 1994 zum Olympiasieger machte.

Erster Weltcup-Sieg in Altenberg

Francesco Friedrich und Jannis Bäcker

Francesco Friedrich (re.) und Jannis Bäcker

In diesem Winter sollte Friedrich nun endgültig in der Weltelite ankommen. Und der mittlerweile 22-Jährige überzeugte und überzeugt nicht nur mit schnellen Startzeiten, sondern bringt nun auch die Fuhren sicher herunter. Neben fünfBob dritten Plätzen bei Weltcups und der Europameisterschaft in Innsbruck/Igls schaffte der Pirnaer Anfang 2013 in Altenberg seinen ersten Weltcupsieg. "Wir müssen uns daran gewöhnen, dass die starken Bobpiloten nicht mehr 30 Jahre alt sein müssen", weiß Leopold, der schon vor mehr als einem Jahr sicher war, dass Francesco Friedrich ganz oben landen kann. "Er kann auch die ganz schweren Bahnen ohne Vorkenntnisse fahren."

Jetzt soll der Aufsteiger des Jahres im kommenden Jahr das nächste große Ziel in Angriff nehmen. Im kommenden Jahr stehen die Olympischen Spiele in Sotschi an. Und Trainer Leopold - auch Trainer von Thomas Florschütz - hat einen Wunsch: "Mein Traum wäre, dass Thomas und Francesco Friedrich bei Olympia in Sotschi dabei sind und Gold und Silber holen."

re / rmü | Stand: 27.01.2013, 16:04

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