Ersatzmann, Olympiasieger, Dominator - Bobpilot Hoppe wird 60

Wolfgang Hoppe

Bob-Olympiasieger und Weltmeister feiert Jubiläum

Ersatzmann, Olympiasieger, Dominator - Bobpilot Hoppe wird 60

Mit 36 internationalen Medaillen ist Wolfgang Hoppe einer der erfolgreichsten Bobpiloten. Dabei hätte er sein erstes Olympia fast nicht erlebt. Am Dienstag feiert der Thüringer Geburtstag.

Der Stern des Bobpiloten aus Apolda sollte erst relativ spät aufgehen. Wolfgang Hoppe war bereits 27 Jahre alt als er 1984 bei den Olympischen Winterspielen in Sarajewo zum internationalen Star avancierte. Obwohl er bereits ein Jahr zuvor bei der Weltmeisterschaft Bronze im Zweier gewann, wurde sein Talent zunächst verkannt. Hinter den etablierten Piloten Bernhard Lehmann und Bernhard Germeshausen war er nur als Ersatzmann vorgesehen. In Vorbereitung auf die Winterspiele waren Hoppes Trainingszeiten jedoch so gut, dass sich das Trainerteam der DDR kurzerhand dazu entschloss, ihn statt des eigentlich gesetzten Germeshausen für den endgültigen Kader zu berufen. Im Nachhinein sollte sich dies als eine gute Entscheidung herausstellen. Hoppe gewann nach dem Sieg im Zweier auch die Goldmedaille im Viererbob, und dass, obwohl er sich zuvor im Abschlusstraining am Rücken verletzt hatte: "Es gab so kurz vor dem Rennen keine Rückwechselchance mehr. Ich bin rumgelaufen wie Charlie Chaplin, bekam Spritzen und war nur beim Physio".

Unglaubliche Erfolgsgeschichte

Wolfgang Hoppe

Wolfgang Hoppe in den 1980er Jahren.

Hoppe galt als Naturtalent. Als Zehnkämpfer und technisch versierter Motocross-Fahrer brachte er optimale Voraussetzungen mit. Die DDR war Anfang der Achtziger Jahre das erste Team überhaupt, das mit kurvengefederten Bobs an den Start ging. Während die meisten Piloten noch mit den veränderten Fahreigenschaften haderten, gelang es dem technisch versierten Hoppe schnell, seinen Fahrstil an die veränderten Begebenheiten anzupassen und zu seinem Vorteil zu nutzen. Es folgte eine unglaubliche Erfolgsgeschichte. Hoppe wurde zum dominierenden Bobpiloten seiner Zeit.

Medaillengewinner, Fahnenträger und Stasi-Kontakte

Bobsportler Wolfgang Hoppe (vorn Mitte) in der DDR-Olympiamannschaft bei der Olympia-Eröffnung 1988 in Calgary.

Bobsportler Wolfgang Hoppe (vorn Mitte) in der DDR-Olympiamannschaft bei der Olympia-Eröffnung 1988 in Calgary.

Nach seinem Doppeltriumph von 1984 konnte er vier Jahre später in Calgary in beiden Disziplinen die Silbermedaille gewinnen. Es folgten noch jeweils eine Silber- und eine Bronzemedaille bei den Winterspielen 1992 und 1994, sowie sechs Welt- und vier Europameisterschaftstitel. Eine besondere Ehre sollte ihm 1992 in Albertville zuteil werden: Als erster gesamtdeutscher Fahnenträger durfte Wolfgang Hoppe das deutsche Olympiateam ins Stadion führen.

Ein Jahr später bekam die bis dahin glänzend laufende Karriere des Thüringers einen Dämpfer. Hoppe wurde bei der Bundeswehr entlassen, weil er bei seiner Einstellung Kontakte zur Stasi verschwiegen hatte. Der Bobfahrer war in Stasiunterlagen zwischen 1983 und 1985 als "IM Pilot" geführt worden. Hoppe erklärte später, dass der DDR-Geheimdienst Abwerbungsversuche eines österreichischen Bobfahrers nutzte, um ihn selbst für die Stasi zu werben. In einem offenen Brief äußerte sich Hoppe 2011 noch einmal: "Im Mai 1985 - gut ein Jahr nach unseren zwei Olympiasiegen in Sarajevo - wurde ich von der Stasi wegen 'unzureichender Zusammenarbeit' und meiner Erklärung, nicht mehr zu einer Zusammenarbeit bereit zu sein, als IM gestrichen."

Heute für den Nachwuchs zuständig

1998 beendete Wolfgang Hoppe schließlich seine aktive Karriere und ist mit 36 Medaillen bei internationalen Wettkämpfen einer der erfolgreichsten Sportler, die der Bobsport je hervorgebracht hat. Auch in der Zeit danach blieb der diplomierte Sportlehrer dem Bobsport erhalten und betreute ab 1999 die deutschen Bobfahrerinnen als Bundestrainer. Mittlerweile kümmert er sich um den Nachwuchs Verband.

2003 bekam Wolfgang Hoppe für seine sportlichen Leistungen das Silberne Loorbeerblatt verliehen. Außerhalb des Bobsports engagiert sich Hoppe ehrenamtlich als Botschafter der Stiftung Kinderhospiz Mitteldeutschland Nordhausen und ist seit 2009 gewähltes Mitglied im Stadtrat seines Geburtsortes Apolda.

adi/dpa | Stand: 14.11.2017, 07:08

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