Bundestrainer Langen - "In Kleinigkeiten verlieben"

Vor der Bob-WM in Innsbruck

Bundestrainer Langen - "In Kleinigkeiten verlieben"

Erstmals findet die Bob- und Skeleton-Weltmeisterschaft in Innsbruck/Igls statt. Vor dem Auftakt sprach sportschau.de mit Bundestrainer Christoph Langen über Verletzungssorgen, deutsche Hoffnungsträger und die Tücken der Olympiabahn von 1976.

Sportschau.de: Die Frage, die Bob-Fans wenige Tage vor dem Saison-Höhepunkt bewegt: Wie geht es Francesco Friedrich?

Francesco Friedrich

Francesco Friedrich (rechts)

Christoph Langen: "Wir sind mit dem Heilungsverlauf sehr zufrieden. Er konnte am Wochenende überraschend schon mitlaufen und hat nur noch minimale Probleme. Aber natürlich wissen wir alle, dass seine Verletzung nicht komplett ausgeheilt ist. Mir müssen hoffen, dass die Muskelfasern bis zum Wettkampf soweit zusammengewachsen sind, dass er 100-prozentig sprinten kann."

Kann Francesco auch mit 95 Prozent Weltmeister werden?

Langen: Ich glaube nicht, dass 95 Prozent zu Gold reichen. Die Abstände, speziell im Zweier sind so gering, dass man 100 Prozent oder wahrscheinlich sogar 110 Prozent für den Weltmeistertitel benötigen wird.

Sie sprechen die Dichte in der Weltspitze an. Wem trauen Sie den Titel zu?

Langen: Es sind mindestens zehn Piloten in der Lage, ganz nach vorn zu fahren. Ich rechne mit Steven Holcomb, Rico Peter, den drei starken Letten, den Engländern und natürlich unseren vier Athleten. Für den Sieg werden viele Dinge eine Rolle spielen: Das Material, das Wetter und die Tagesform der Piloten und Anschieber. 

Vier Deutsche? Wir haben neben Francesco Friedrich, Maximilian Arndt und Nico Walther nur drei deutsche Weltcup-Piloten gezählt …

Johannes Lochner

Johannes Lochner

Langen: Bei der WM wird Johannes Lochner dazukommen. Wir haben ihn mit Absicht mit Europacup fahren lassen. Er sollte vor allem im Vierer Wettkampfpraxis sammeln. Er ist der amtierende Junioren-Weltmeister und hat sich so das WM-Ticket gesichert. Insofern starten wir bei der WM mit unseren vier stärksten Piloten.

Und bei den Frauen ist Anja Schneiderheinze nach einer langen Durststrecke wieder gut dabei. Fährt sie mit Routine zu WM-Gold?

Langen: Sie hat in St. Moritz richtig gezündet. Ich habe mich wahnsinnig über den Europameistertitel gefreut. Nach zwei, drei schlechteren Wettkämpfen fehlte ihr zuletzt die Sicherheit. Sie aus dem Weltcup zu nehmen, war der richtige Schritt. Damit haben wir auch den Druck rausgenommen. Diese Maßnahme hat gefruchtet. Bei ihrem EM-Sieg hat sie gemerkt: Hoppla, ich kann es ja doch noch. Die Bahn in Innsbruck/Igls liegt ihr, hier war sie schon immer schnell.

Die Bahn gilt als relativ einfach. Gibt es Tücken?

Langen: Es wird nicht schwierig sein, herunterzukommen. Aber es wird schwierig sein, eine schnelle Zeit zu fahren. Der Pilot muss mit sehr viel Gefühl fahren und sich in minimale Kleinigkeiten verlieben. Die grobe Linie fährt jeder, es wird auf Details ankommen und auf einen guten Start.

Wagen Sie eine Prognose: Mit wie vielen Goldmedaillen kehrt das deutsche Team zurück?

Langen (lacht): Über Goldmedaillen machen wir uns keine Gedanken. Wir versuchen einfach in dieser Trainingswoche und an den beiden WM-Wochenenden unser maximales Leistungsvermögen abzurufen. Mehr geht nicht. Wenn dann einer schneller ist, muss man das akzeptieren. Wir werden alles geben.

Noch schnell ein Ausblick über den WM-Tellerrand. 2018 finden die Olympischen Spiele in Südkorea statt. Momentan sorgt Yun-jong Won schon für Schlagzeilen. Merkt man da schon den Olympiahype?

Langen: Ja - und zwar deutlich. Die Koreaner arbeiten akribisch und auch im Hintergrund sehr professionell. Wir haben Yun-jong Won schon lange beobachtet, seine Leistungssteigerung kommt nicht überraschend.

Die Fragen stellte Sanny Stephan.

Stand: 09.02.2016, 11:54

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