Königssee bereit für Bob- und Skeleton-WM

Jacquelie Lölling fährt am 26.02.2016 beim Bob- und Skeleton-Weltcup auf der Kunsteisbahn am Königssee

Nach WM-Entzug für Sotschi

Königssee bereit für Bob- und Skeleton-WM

Russland hat nach den jüngsten Dopingenthüllungen das erste Sport-Großereignis verloren. Der Bob- und Skeleton-Weltverband IBSF entzog Sotschi vier Tage nach der Veröffentlichung des zweiten McLaren-Reports die Weltmeisterschaften. Nun wird ein neuer Austragungsort gesucht. Dabei hat Königssee beste Chancen.

"Wir wurden gefragt. Eine Entscheidung soll nach meiner Kenntnis bis Ende der Woche fallen", sagte Betriebsleiter Markus Aschauer. Technisch und organisatorisch stünde einer Ausrichtung nichts im Weg. "Für uns wäre es natürlich wieder ein Highlight", sagte Aschauer. Neben Königssee, zuletzt 2011 Ausrichter der Weltmeisterschaften, sind offenbar auch St. Moritz und Lake Placid als Gastgeber der WM vom 13. bis 26. Februar im Gespräch.

Bob- und Skeletonverband entzieht Sotschi die WM

Am Dienstag hatte der Weltverband IBSF angesichts der Doping-Enthüllungen des zweiten Teils des McLaren-Reports entschieden, Sotschi die WM zu entziehen. "Es gibt entsprechende Signale. Ich glaube, die IBSF ist sehr fixiert auf Königssee", sagte Thomas Schwab, Generalsekretär im Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD): "Wir sind bekannt dafür, solche Herausforderungen anzunehmen. Wir prüfen die Machbarkeit, und ich hoffe, bis Freitag ist alles perfekt." Sotschi war 2013 zum Ausrichter gewählt worden.

"Das IBSF-Exekutivkomitee war der Auffassung, dass es in dieser schwierigen Zeit nicht ratsam ist, eine solche Veranstaltung in Russland zu organisieren", hieß es in einer Mitteilung. Als Strafmaßnahme will der Weltverband, in dessen Exekutive auch der Russe Georgi Bedschamow sitzt, den Entzug aber offenbar nicht verstanden wissen. Man wolle es Athleten und Trainern aller Länder ermöglichen, in einem Umfeld zu konkurrieren, das sich "auf den Sport konzentriert und nicht auf Anklagen und Diskussionen - ob berechtigt oder nicht", teilte die IBSF weiter mit. Der russische Bob- und Skeleton-Verband habe viel Arbeit in die Organisation der Weltmeisterschaft investiert, aber "das aktuelle Klima würde es nahezu unmöglich machen, die Leistungen des Organisations-Komitees oder die Bahn als eine der Besten der Welt wertzuschätzen".

Verbände erhöhten Druck auf die IBSF

Der zweite McLaren-Report hatte ein staatlich gestütztes Dopingsystem in Russland bestätigt. Insgesamt sollen über 1000 Sportler von Doping-Vertuschung profitiert haben, unter anderem bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi. Der Skeleton-Verband Lettlands hatte am Montag bereits angekündigt, eine WM in Sotschi zu boykottieren. Mehrere andere Ländern diskutierten denselben Schritt und erhöhten damit den Druck auf die IBSF.

Reaktionen aus Russland ließen nicht lange auf sich warten. "Jetzt kommt es darauf an, Schadensersatz zu fordern, denn das Organisationskomitee investierte Gelder, Zeit und Anstrengungen, und das alles sollte bezahlt werden", sagte Dimitri Swischtschev, für den Sport zuständiger Abgeordneter in der Duma, am Dienstagabend der Nachrichtenagentur TASS. Er sprach von einem "schlechten Signal", dem "andere Verbände folgen" könnten. Der russische Bobverband solle "seine Positionen in Gerichtssälen und durch persönliche Kontakte verteidigen".

Trautvetter sprach sich gegen die Verlegung aus

Noch am Dienstagmittag hatte sich Österreich positioniert und ebenfalls einen Boykott erwogen. "Unter Umständen ist ein WM-Boykott schon vorstellbar", da WM-Gastgeber Russland des Staatsdopings "praktisch überführt" sei, sagte ÖBSV-Präsident Roman Schobesberger dem Standard. Dass die WM ausgerechnet in Sotschi stattfinden soll, sei "ein weiteres Problem", sagte Schobesberger.

Andreas Trautvetter, Präsident des Deutschen Bob- und Schlittenverbandes (BSD) und IBSF-Präsidiumsmitglied, hatte sich am Sonntag gegenüber sportschau.de dagegen ausgesprochen, Russland die WM zu entziehen: "Wir haben die Dopingkontrollen anders organisiert, wir haben das gesamte russische System asugeschaltet, wir können garantieren, dass dort ein fairer Wettkampf stattfindet." Am Dienstag wollte er sich nach dem IBSF-Entscheid gegen Sotschi nicht weiter zu dem Thema äußern.

Duma-Abgeordneter macht sich lustig

Russische Politiker hatten sich zuletzt noch über die lettische Boykott-Ankündigung lustig gemacht. Der Duma-Abgeordnete Igor Lebedew sagte: "Niemand stirbt im Weltsport, wenn Lettland nicht zur WM nach Sotschi kommt. Wer kann ihnen schon folgen? Litauen? Estland? Bringt mich nicht zum Lachen!"

Die Bahn am Königssee ist seit geraumer Zeit als Ersatzort im Gespräch. Zuletzt betonten die Verantwortlichen, dass keine offizielle Anfrage vorliege. Das könnte sich nun schnell ändern. Weitere Verbände könnten nun der IBSF folgen. Das Weltcup-Finale der Langläufer soll nach jetzigem Stand noch im westsibirischen Tjumen stattfinden. Dort ist auch die Biathlon-WM 2021 geplant, der Weltverband IBU will aber erst nach dem Studium des zweiten McLaren-Reports eine endgültige Zusage geben.

dpa/sid/red | Stand: 14.12.2016, 11:42

Darstellung: