Biathleten stehen unter Druck
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Jahr eins nach "Gold-Lena"
Biathleten stehen unter Druck
Die Biathlon-Königin ist abgetreten und doch allgegenwärtig. Vor dem ersten Einzel-Rennen der neuen Biathlon-Saison am Donnerstag dreht sich fast alles um die Frage: Wer wird die neue Gold-Lena?
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Nach dem frühen Karriereende der Ausnahme-Athletin Magdalena Neuner blicken vor allem die Damen in eine schwierige Zukunft. Wesentlich entspannter können die Herren in die vorolympische Saison gehen. Angeführt vom ehemaligen Sprintweltmeister Arnd Peiffer und Andreas Birnbacher, Weltcupgesamtsieger im Massenstart, werden wohl sie die neuen Zugpferde der Skijäger. "Deutscher Biathlonsport ist eigentlich verpflichtet erfolgreich zu sein. Das wird erwartet. Ob wir dazu in der Lage sind, muss man erstmal sehen", sagte Bundestrainer Uwe Müssiggang.
"Eine Lena wird es in den nächsten Jahren nicht geben"
Nicht nur er weiß, dass kaum jemand zuvor eine Sportart prägte wie die Rekord-Weltmeisterin. "Eine Lena wird es in den nächsten Jahren nicht geben", erklärte der 61-Jährige. Das freiwillige Aus Neuners war der Schlusspunkt einer ganzen Reihe von Rücktritten in der jüngsten Vergangenheit. Mit ihr und zuvor Kati Wilhelm, Martina Beck und Simone Hauswald "hat eine komplette Mannschaft aufgehört. Wir haben derzeit kein Team, wo alle sechs Mädchen in der Lage sind, um die Medaillen mitzukämpfen", bekannte Müssiggang. Diese Saison sei eine Neuorientierung und ein Zwischen-Jahr, wenn auch "kein freiwilliges. Das haben wir uns nicht ausgesucht."
Anders als bei den Herren, die den Generationswechsel schon seit Geraumem erfolgreich geschafft haben, ist die Leistungsdichte bei den Damen erheblich geringer. Die Staffel-Weltmeisterinnen Andrea Henkel, Tina Bachmann und Miriam Gössner sind allemal für Podestplätze gut. Wie konstant, bleibt abzuwarten. Dahinter wird die Luft dünner. "Wir können Lenas Weggang nur im Team auffangen", sagte Routinier Andrea Henkel. Neben dem Weltmeister-Trio starten in Schweden noch Franziska Hildebrand, Nadine Horchler und Maren Hammerschmidt. Umsteigerin Evi Sachenbacher-Stehle soll erst später im Weltcup eingesetzt werden.
Domratschewa, Mäkäräinen und Berger Favoritinnen auf Gesamt-Weltcup
Die am höchsten gehandelten Neuner-Nachfolgerinnen sind die Weißrussin Darja Domratschewa, Norwegens Tora Berger und Kaisa Mäkäräinen (Finnland). Die Heldin von einst, die nun gefragter Talkshow-Gast ist und sich anderen Projekten widmet, sieht derweil nicht so schwarz wie viele andere. "Ich traue den Mädels wesentlich mehr zu als die breite Öffentlichkeit. Viele haben Angst, das ein Loch entsteht. Diese Angst habe ich nicht", sagte Magdalena Neuner, wenngleich auch sie weiß, welcher Druck auf ihren früheren Kolleginnen lastet. "Ich hoffe, sie halten dem stand." Sie setzt "brutal" auf ihre Freundin Miriam Gössner: "Miri hat sich unheimlich entwickelt." Die ist optimistisch: "Die Tests waren nicht so schlecht, ein guter Einstand sollte also drin sein."
Peiffer und Birnbacher führen Herren-Team an
Die Männer dagegen können mit breiter Brust in die Saison gehen. Sie bestimmten auch in der vergangenen Saison die Weltspitze mit. Peiffer und Birnbacher führen die Männer-Fraktion mit Michael Greis, Florian Graf, Simon Schempp und Erik Lesser an. Sie holten sich wie die Damen beim traditionellen Lehrgang im finnischen Muonio den letzten Schliff. "Dieses Team kann in jedem Rennen um die Medaillen mitkämpfen", urteilte Müssiggang. Auch Peiffer, der in der vergangenen Saison zweimal gewann und fünfmal Zweiter wurde, ist optimistisch. "Wir haben ein sehr ausgeglichenes Niveau und sind eine homogene Truppe. Wir sind alle eng beieinander, das hat man schon im letzten Winter gesehen", sagte der Sprint-Weltmeister von 2011.
Andreas Birnbacher plagten in der Vorbereitung gesundheitliche Probleme. Deshalb weiß der in der Vorsaison dreimal siegreiche Schlechinger noch nicht genau, wo er steht. "Es muss mein Anspruch sein, wieder vorne mitzulaufen. Aber vom ersten Weltcup-Block erwarte ich noch nicht so viel", erklärte der 31-Jährige. Größte Widersacher der Deutschen dürften wieder der französische Weltcup-Gesamtsieger Martin Fourcade und die Norweger um Emil Hegle Svendsen sein. Dazu kommen die Russen, denn insgesamt ist die internationale Leistungsdichte anders als bei den Damen wesentlich höher.
dpa | Stand: 27.11.2012, 10:41