Deutsche Herrenstaffel auf dem Podest

Andreas Birnbacher, Daniel Böhm, Benedikt Doll, Eric Lesser

Weltcup in Presque Isle

Deutsche Herrenstaffel auf dem Podest

Versöhnlicher Ausklang beim Biathlon-Weltcup in Presque Isle: Die deutsche Herrenstaffel landete über 4 x 7,5 Kilometer auf dem dritten Platz. Der Sieg ging an ein favorisiertes Team aus Skandinavien.

Nicht mehr alle Topstars waren in Presque Isle noch dabei. Martin Fourcade, der französische Verfolgungssieger, war bereits abgereist, genauso wie der Russe Anton Schipulin oder Österreichs Dominik Landertinger. Die am 3. März in Oslo beginnende Weltmeisterschaft warf ihre Schatten voraus: Lieber WM-Vorbereitung in Europa statt Staffelrennen in den USA, sagten sich einige der Spitzenläufer. Eine Chance für die zuletzt arg gebeutelten deutschen Biathleten, im letzten Rennen vor der WM doch noch etwas Selbstvertrauen zu tanken? Und das auch noch ohne Simon Schempp (Erkältung) und ohne Arnd Peiffer (Gehirnerschütterung nach Sturz in der Verfolgung)?

Lessers starke Auftaktrunde

Erik Lesser ging als erster in die Loipe auf den 7,5-Kilometer-Kurs, auf dem Papier der stärkste Startläufer aller 16 Teams. Der Thüringer sollte vorne mitlaufen und am besten als Erster übergeben. Und diese Aufgabe erledigte er souverän. Kein Fehlschuss, kein Nachlader - Lesser übergab mit einem soliden Vorsprung vor der Schweiz (+17,0 Sekunden), Weißrussland (+17,7) und Frankreich (+18,8) auf Staffelroutinier Andi Birnbacher. "Ich habe meinen Job gemacht", kommentierte Lesser mit einem Lachen seine starke Vorstellung in der ARD-Sportschau. Ganz anders gingen die favorisierten Norweger ins Rennen: Dort startete mit Lars Helge Birkeland der vermeintlich Schwächste. Birkeland leistete sich prompt schon beim ersten Schießen drei Nachlader und übergab nur als Zwölfter mit bereits 50,6 Sekunden Rückstand auf die Spitze.

Birnbacher: Das Leid mit den Nachladern

Birnbacher rettete den Vorsprung gerade so noch zum ersten Schießen. Dort patzte der Bayer aber. Alle drei Nachlader waren nötig - die Führung dahin. 27,4 Sekunden hinter dem neuen Führungstrio Schweiz, Weißrussland, Italien ging's zurück in die Loipe. Auch beim zweiten Schießen lief's nur unwesentlich besser: Zwei Nachlader diesmal, Rückstand auf die Spitze 44,3 Sekunden. "Es war mir unerklärlich, ich hatte ein gutes Gefühl", sagte ein ratloser Birnbacher nach dem Rennen. An der Spitze lief mittlerweile der Schweizer Benjamin Weger solo mit über 20 Sekunden Vorsprung vor den Staffeln aus Italien und Russland.

Auch Böhm muss zu oft nachladen

Auf Platz sechs wechselte Birnbacher auf Daniel Böhm, 51,5 Sekunden hinter den führenden Schweizern, aber nur 13 Sekunden hinter den drittplatzierten Russen. Die Podestplätze waren also fast noch in Sichtweite. Aber ein alter, neuer Konkurrent war auch wieder da: Die Norweger hatten sich wieder herangepirscht und wechselten als Fünfte unmittelbar vor den Deutschen. Doch diese Reihenfolge hielt nur bis zum ersten Schießen. Denn dort patzten fast alle: Favoriten, Nicht-Favoriten - und leider auch Daniel Böhm.

Drei Nachlader benötigte der Clausthal-Zellerfelder schon beim Liegendanschlag, als Siebter mit 44,3 Sekunden Rückstand verließ er den Schießstand. An der Spitze jetzt: Italien, Frankreich, Russland und die Norweger mit Sprintsieger Johannes Thingnes Bö. Böhm sorgte zumindest dafür, dass der Abstand nicht wesentlich größer wurde. Nach nur einem Nachlader beim Stehendschießen übergab er als Sechster auf Schlussläufer Benedikt Doll mit 59,2 Sekunden Rückstand auf die Spitze. Das Podest war praktisch außer Reichweite. In Führung beim letzten Wechsel lagen die Norweger vor den fast zeitgleichen Russen, 13 Sekunden dahinter Frankreich auf drei.

Dolls furiose Aufholjagd

Mit nur einem Nachlader beim Liegendanschlag kämpfte sich Doll einen Platz nach vorne und bis auf 25 Sekunden an einen Podestplatz heran. Ganz vorne lief der Norweger Tarjei Bö mittlerweile ein einsames Rennen, Frankreich auf Platz zwei mit über 20, Russland auf drei mit über 40 Sekunden Rückstand. Und eben diese Russen wollte Doll noch abfangen. Auch beim zweiten Schießen benötigte Doll nur einen Nachlader - und plötzlich trennten ihn nur noch 10,7 Sekunden von Russland und Platz drei.

Einen Kilometer vor dem Ziel schnappte sich Doll den russischen Schlussläufer und eroberte Platz drei - den er bis ins Ziel nicht mehr hergab. Ein verdienter dritter Platz für die deutsche Staffel, vor allem dank der Auftritte von Lesser und Doll. Der Sieg ging an Norwegen vor Frankreich (+30,1 Sekunden) und dem deutschen Quartett (+42,6).

br | Stand: 13.02.2016, 21:50

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