Deutsche Damenstaffel sensationell auf Platz drei

Karolin Horchler übergibt an Miriam Gössner

Weltcup in Presque Isle

Deutsche Damenstaffel sensationell auf Platz drei

Nicht einmal die kühnsten Optimisten hätten den deutschen Biathlondamen eine solche Leistung zugetraut: Ohne die Topläuferinnen Dahlmeier und Hildebrand eroberte das Quartett des Deutschen Skiverbands über 4 x 6 Kilometer den dritten Platz.

Wie bei den deutschen Herren fehlten auch in der Damenstaffel des DSV die beiden Besten. Laura Dahlmeier und Franziska Hildebrand hatten auf die USA-Reise verzichtet. Aber sollte der Herrenerfolg - Platz drei in der WM-Generalprobe - das Damen-Quartett möglicherweise motivieren, ähnliche Höchstleistungen zu bringen?

Preuß stark am Schießstand

Franziska Preuß hieß die Startläuferin, und die junge Bayerin setzte gleich beim ersten Schießen ein dickes Ausrufezeichen. Als Neunte kam sie zum Liegendanschlag, nach einer Express-Serie mit fünf Treffern ohne Nachlader verließ sie die Anlage als Erste wieder - die deutsche Staffel ging früh im Rennen erstmals in Führung. Auch ein Nachlader beim zweiten Schießen brachte Preuß nicht aus dem Konzept. Fast zeitgleich mit der Schweizerin Selina Gasparin ging's zurück in die Loipe, die Staffeln aus der Ukraine und Polen waren die ärgsten Verfolgerinnen.

Topvorstellung von Luise Kummer

Nur wenige Sekunden voneinander getrennt wurde in der Reihenfolge Schweiz, Ukraine, Deutschland erstmals gewechselt. Luise Kummer war jetzt für die deutsche Staffel in der Loipe - und die Thüringerin liebt die Strecke in Presque Isle eigentlich. 2014 wurde sie da Juniorenweltmeisterin im Einzel und mit der Staffel. Und Kummer präsentierte sich ganz stark: Kein Fehler, kein Nachlader beim ersten Schießen, ein Nachlader beim zweiten - die 22-Jährige verließ jeweils als Erste den Schießstand. In der Loipe fiel sie etwas zurück. In der Reihenfolge Russland, Deutschland, Italien, alle drei von gerade einmal 15,5 Sekunden getrennt, ging's zum nächsten Wechsel.

Gössner patzt beim Stehendanschlag

Miriam Gössner war die dritte der vier deutschen Läuferinnen. Die frühere Langläuferin schloss relativ flott zu den führenden Russinnen auf, fiel beim Liegendschießen durch einen Nachlader etwas zurück, holte wieder auf - und patzte dann beim zweiten Schießen: eine Strafrunde, drei Nachlader - nur als Sechste ging's in die Loipe und später zum letzten Wechsel, 41,7 Sekunden hinter den da führenden Tschechinnen. Zum Podest - auf Platz drei lagen die Russinnen - fehlten rund 20 Sekunden.

Karolin Horchler überragend

Karolin Horchler war die deutsche Schlussläuferin - und die war vor allem am Schießstand stark. Ein Nachlader nur beim Liegendanschlag, während die Konkurrentinnen reihenweise patzten. Horchler schob sich auf Podestplatz drei vor. Die Staffeln aus Tschechien und Russland waren über eine halbe Minute vorne. Aber zumindest Platz drei schien plötzlich greifbar, auch wenn Horchler ind er Loipe die Staffeln aus Polen und der Ukrainie vorbeiziehen lassen musste.

Aber es gab ja noch ein Schießen - und das stellte vieles auf den Kopf: Horchler ohne Fehlschuss, ohne Nachlader - und plötzlich auf Platz zwei. Nur die Tschechinnen lagen noch vor der deutschen Staffel, fast 30 Sekunden vorn. Dafür hatte Horchler aber nach hinten etwas Luft durch ihre starke Schießvorstellung: 23,6 Sekunden Vorsprung vor der polnischen Staffel, 29,9 Sekunden vor der Ukraine, mehr als eine halbe Minute vor Italien, Schweden und Russland - sollte das reichen?

Es reichte fast. Horchler kämpfte aufopferungsvoll, erst im Schlusssprint musste sie sich doch noch der überragenden Ukrainierin Olena Pidgruschna beugen. Um zwei Zehntel geschlagen landete das deutsche Damenquartett auf dem dennoch starken dritten Platz - wie zuvor der Herrenvierer. Zwei geglückte WM-Generalproben für die deutsche Biathlonmannschaft.

br | Stand: 13.02.2016, 23:19

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