Freude und Sorgen vor dem Weltcup in Ruhpolding

Simon Schempp beim Biathlon-Weltcup in Ruhpolding

Schneemaschine, Erkältung und Heimspielflair

Freude und Sorgen vor dem Weltcup in Ruhpolding

Von Dirk Hofmeister, Ruhpolding

Zwei Wochen Ruhpolding - mit dem Sprint am Freitag beginnt für die deutschen Biathlon-Fans ein Heimspiel-Doppel. Die Vorfreude ist groß. Allerdings ist die Freude im deutschen Team nicht ganz ungetrübt.

Ausreichend Schnee und motivierte Biathleten - vor dem ersten Weltcup des neuen Jahres überwiegt beim Deutschen Ski-Verband die Freude. Darüber, dass es nach rund drei Wochen Pause nun wieder losgeht mit der Kombination aus Langlauf und Schießen auf Scheiben. Und das Ganze sogar noch vor heimischem Publikum - trotz der Oberhofer Absage wegen Schneemangels. Statt im Thüringer Wald findet der Weltcup nun in Oberbayern statt. Ruhpolding sprang ein, die deutschen Biathleten müssen also "nicht irgendwo im Ausland herumschwirren", wie es Damen-Bundestrainer Gerald Hönig sagt, sondern haben: Einen Heim-Weltcup mit echtem Heimspielflair. Gut die Hälfte des deutschen Weltcup-Kaders trainiert am Fuß der Chiemgauer Alpen.

Unklare Kosten

Biathlon-Weltcup Ruhpolding, DSV-Generalsekretär Florian Kurz

DSV-Generalsekretär Kurz: "sehr glücklich"

"Wir sind sehr glücklich, dass der Weltcup hier in Ruhpolding stattfinden kann", ist auch beim Generalsekretär des Deutschen Ski-Verbands (DSV), Florian Kurz, die Erleichterung zu hören, dass man den Weltcup in Deutschland halten konnte. Damit besteht die Chance, dass sich die kostenintensive Vorab-Organisation zumindest halbwegs wieder amortisiert. Immerhin investierte der DSV vor der Saison fast eine Million Euro für Container zur Schneeproduktion, so genannte "Snow Factorys". Diese halfen, den Skisprung-Weltcup in Klingenthal im November sicherzustellen. Für Oberhof reichte die Schneemenge nicht aus, für Ruhpolding kam die künstliche Schneehilfe nach der Oberhof-Absage aber noch gerade recht. Was man zur hohen sechsstelligen Summe der Anschaffungskosten noch durch den energieintensiven Betrieb aufschlagen muss, kann Kurz allerdings noch gar nicht beziffern: "Da müssen wir uns nach der Saison hinsetzen und alles einmal zusammenrechnen."

Lesser: "Was ist hier los?"

Biathlon-Weltcup Ruhpolding, Training Erik Lesser

Lesser: "Nirgends Schnee"

Rechtzeitig zum ersten öffentlichen Training am Donnerstag präsentierten sich die Ruhpoldinger Strecken in schneeweißer Pracht. In der Vorbereitung auf den Weltcup mussten die Athleten dennoch auf Schneesuche gehen. "Wenn Du auf die Spitzen der Berge schaust und es liegt nirgends Schnee, dann denkst Du Dir: 'Was ist hier los'?" beschreibt Erik Lesser die Schwierigkeit bei der Auswahl geeigneter Trainingsloipen. "Da waren die Athleten sehr kreativ", erklärt Herren-Bundestrainer Mark Kirchner. In den Tiroler Alpen hätten die deutschen Damen und Herren schließlich in Hochfilzen, Obertilliach und Seefeld geeignete Bedingungen vorgefunden.

Birnbacher: "Heimvorteil hält sich in Grenzen"

Andreas Birnbacher

Andreas Birnbacher.

Von einem Heimvorteil in Ruhpolding will Lokalmatador Andreas Birnbacher somit auch nichts hören. Dieser könne er maximal durch seinen Heimschläfer-Status beziehen: "Ich war heute erstmals auf der Winterstrecke, habe bisher nur auf der gänzlich verschiedenen Sommerstrecke trainiert", sagte der 34-jährige Routinier im DSV-Team. "Der Heimvorteil hält sich in Grenzen. Beim Sprint am Freitag geht man vom ersten Meter ans Limit und versucht, durchzukommen. Das gilt für alle gleich." Dem Start am Freitag fiebert Birnbacher dennoch entgegen. "Ich bin bis zum letzten Weltcup vor Weihnachten immer fitter geworden", sagte der Massenstart-Vize-Weltmeister von 2007. Grund zum Optimismus kann Birnbacher unter anderem durch aufsteigende Schießleistung beziehen. An der Verbesserung hatte er im Sommer hart gearbeitet, sich in seinem Keller extra einen Luftgewehrstand gebaut und darin wöchentlich trainiert. Mit Erfolg: Die Trefferquote des ohnehin schießstarken Bayern liegt in der bisherigen Saison bei über 90 Prozent.

Hammerschmidt: "Echt mega"

Maren Hammerschmidt und Franziska Preuss

Hammerschmidt (li.) freut sich auf den Start - Preuß (re.) muss aussetzen (Archivbid).

Auf das Rennen am Freitag freut sich auch Maren Hammerschmidt, die ebenfalls aus Ruhpolding kommt und vor Weihnachten mit zwei sensationellen zweiten Plätzen den Sprung aus dem B-Kader in das Weltcup-Team bestätigte. "Es war immer mein Traum, hier in Ruhpolding ein Weltcup-Rennen zu laufen. Und der wird jetzt wahr. Das ist echt mega", beschreibt die 26-Jährige ihre Vorfreude.

Haarriss im Steißbein: Preuß fällt aus

Doch trotz aller Euphorie sind im deutschen Team auch einige Sorgenfalten zu sehen. Staffel-Weltmeisterin Franziska Preuß, Ruhpolding Trainingskollegin von Hammerschmidt, droht für die Heim-Weltcups in dieser und der kommenden Woche auszufallen. "Sie leidet unter einem Haarriss im Steißbein, den sie sich bei einem Sturz in Östersund zuzog", erklärt Hönig. "Wir wissen noch nicht, wie lange sie fehlen wird. Derzeit kann sie nur Athletik- und Ergometertraining absolvieren."

Schempp und Lesser infektgeplagt

Auch beim Gesamt-Weltcup-Dritten Simon Schempp deutet sich eine Zwangspause an. Interviewanfragen lehnte der mit einem Halstuch warm eingepackte 27-Jährige am Donnerstag mit einem Hinweis auf Halsschmerzen ab. Nach dem Training verriet Kirchner der dpa, dass sich Schempp einen Infekt zugezogen habe und man den Doppelsieger des Weltcups in Pokljuka nur starten lassen wolle, wenn er zu 100 Prozent fit sei.

Mit einer Erkältung musste sich auch Erik Lesser in den Tagen nach Weihnachten herumschlagen. Dadurch habe der Thüringer weniger trainieren können als eigentlich geplant. "Jetzt muss ich schauen, was reicht", sagt der Verfolgungs-Weltmeister von Kontiolahti. Einen WM-Titel, den Lesser nach aktuellem Stand nicht verteidigen kann - weil er noch nicht die WM-Norm gelaufen ist. Etwas getrübt ist die Freude vor dem Heim-Weltcup in Ruhpolding bei den deutschen Sportlern also doch - trotz Schnee und motivierten Sportlern.

Wer startet wann? Die Zeiten der Deutschen beim Sprint

Von Schempp bis Kummer - wer geht beim Weltcup-Sprint in Ruhpolding wann ins Rennen? Alle Zeiten und die internationalen Favoriten gibt es hier im Überblick.

Training beim Biathlon-Weltcup in Ruhpolding

Vierter Biathlon-Weltcup der Saison. Oder Beginn des zweiten Trimesters. Oder einfach Ruhpolding statt Oberhof. Am Freitag geht es los mit den Wettkämpfen. Am ersten Wettkampftag stehen die Sprints auf dem Programm.

Vierter Biathlon-Weltcup der Saison. Oder Beginn des zweiten Trimesters. Oder einfach Ruhpolding statt Oberhof. Am Freitag geht es los mit den Wettkämpfen. Am ersten Wettkampftag stehen die Sprints auf dem Programm.

Den Auftakt machen die Herren mit dem 10-Kilometer-Sprint. Das Team von Bundestrainer Mark Kirchner hat sechs Startplätze.

11.45 Uhr geht es los. Der Ukrainer Sergej Semenow eröffnet das Rennen. Erster Starter aus deutscher Sicht sollte Simon Schempp sein. Doch der Lokalmatador darf nicht. Er bekommt wegen einer Erkältung eine Zwangspause.

Dann kommen im Doppelpack Benedikt Doll und Andreas Birnbacher. Für beide läuft es in dieser Saison noch nicht so super. Doll, der zum Ende der vergangenen Saison mit Podestplätzen in Chanty Mansijsk auftrumpfte, hat in dieser Saison noch nicht den Sprung in die Top 3 geschafft – bester Platz war Rang fünf in der Verfolgung von Östersund. Er hat Startnummer 17 und startet 11:53:30 Uhr.

Lokalmatador Andreas Birnbacher hat sich zuletzt zwar besser gefühlt und zudem sein Schießen verbessert. Aufs Podest hat es der Ruhpoldinger, der ein echtes Heimrennen erlebt, in diesem Winter aber noch nicht. Er hat Startnummer 18 und geht 11:54 Uhr in die Loipe.

Arnd Peiffer schaffte es in Östersund sogar zwei Mal als Zweiter zur Siegerehrung. Richtig zufrieden war Bundestrainer Mark Kirchner mit der Saison des Schützlings aus seiner Trainingsgruppe aber noch nicht. Vor allem seine Kondition sollte Peiffer verbessern. Ob das gelang erfahren wir ab 12:00 Uhr, Peiffer geht mit Startnummer 30 ins Rennen.

Außerhalb des Feldes der besten Starter geht Erik Lesser in die Loipe. Für ihn läuft es in dieser Saison noch nicht richtig. Erst einmal schaffte er es in die Top 15. In Ruhpolding will er nun angreifen – auch wenn er zuletzt wegen einer Erkältung nicht ganz am Limit trainieren konnte. Mit Startnummer 62 kann er ab 12:16:30 Uhr das Feld von hinten aufrollen.

Ganz von hinten kommt dann aber noch Daniel Böhm. Der Niedersachse, der in diesem Jahr 30 Jahre alt wird, ist auch noch nicht richtig in Fahrt gekommen. Wie läuft es beim Heimspiel?

… und ob Co-Trainer Andi Stitzl dann auch wieder den Daumen heben kann.

Wenn Böhm startet, sind die Mitfavoriten aber alle schon im Ziel. Weltcupspitzenreiter Martin Fourcade geht als 39. Exakt 12:04:30 Uhr ins Rennen.

Aus dem starken norwegischen Team darf Johannes Thingnes Bö (li.) mit der Nummer acht bereits 11:49 Uhr ran - nur kurz nach seinem Bruder Tarjei. Die beste Weltcupplatzierung bei den Norwegern hat zwar Ole Einar Björndalen. Der Routinier verzichtet aber auf einen Start in Ruhpolding.

Ab 14:30 Uhr geht dann auch das Rennen der Damen los. Bundestrainer Gerald Hönig wird genau notieren, wie sich seine Damen schlagen.

Gleich ganz zeitig darf sich Laura Dahlmeier beweisen. Zuletzt trumpfte die Staffel-Weltmeisterin kurz vor Weihnachten in Pokljuka mit Platz zwei im Sprint und dem Sieg in der Verfolgung auf. Ein gutes Omen für Ruhpolding? Mit Startnummer sechs kann sie sich gleich ab 14:33 Uhr beweisen.

Auch Franziska Hildebrand zeigte in diesem Winter schon starke Rennen und durfte drei Mal aufs Treppchen. Wie sich die Sachsen-Anhalterin in Oberbayern schlägt, wissen wir ab 14:38:30 Uhr. Sie hat Startnummer 17.

Die größte Überraschung der Saison ist aber Maren Hammerschmidt. Die Bayerin trainiert seit fünf Jahren in Ruhpolding – nun darf sie erstmals in einem Weltcuprennen vor großer Kulisse starten. Der Traum geht ab 14:45 Uhr und mit Startnummer 30 in Erfüllung.

Miriam Gössner zeigte in ihrem Comeback-Jahr im Sprint bisher ihre beste Leistung. In Hochfilzen wurde sie Dritte. Wenn sie beim Schießen die Ruhe und Übersicht behält, könnte wieder ein vorderer Platz herausspringen. Sie geht im hinteren Feld ins Rennen, mit Startnummer 68 um 15.04 Uhr.

Mit Startnummer 91 wird Luise Kummer die achtletzte Starterin sein. Der Oberhoferin dürfte das aber egal sein. Nach ein paar Starts im IBU-Cup qualifizierte sie sich für einen Start im Weltcup. Durch die Verletzung von Franziska Preuß durfte Kummer nachrücken. Ob sie sich im Weltcup wieder etablieren kann, nachdem sie im vergangenen Jahr sogar zur WM durfte? Ab 15:15:30 Uhr wissen wir es.

Unter den aufmerksamen Augen vom deutschen Co-Trainer Tobi Reiter werden aber auch die internationalen Stars um das Podest kämpfen.

Weltcupspitzenreiterin Gabriela Soukalova aus Tschechien startet als 13. um 14:36:30 Uhr.

Die Weltcup-Zweite Marie Dorin Habert wird kurz darauf als 15. um 14:37:30 Uhr versuchen, ihre gute Weltcup-Platzierung zu verteidigen.

Stand: 07.01.2016, 20:59

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