Die neuen Hoffnungsträger

Biathlet Arnd Peiffer

Biathlon

Die neuen Hoffnungsträger

Fünf Saisonsiege, neun Podiumsplätze und die Ränge drei und vier im Gesamt-Weltcup- die vergangene Saison lief sehr gut für Andreas Birnbacher und Arnd Peiffer. Auch in diesem Winter sind die beiden die deutschen Hoffnungsträger - und das nicht nur bei den Männern.

Im Jahr eins nach dem Rücktritt von Rekord-Weltmeisterin Magdalena Neuner wird Birnbacher und Peiffer am ehesten zugetraut, aus dem Schatten der omnipräsenten zweifachen Sportlerin des Jahres (2007 und 2011) herauszutreten. "Ohne sie werden wir vielleicht mehr im Mittelpunkt stehen", glaubt Peiffer. "Jetzt können auch Schattengewächse größer und stärker werden." Um gleich von Beginn an Punkte zu sammeln, haben beide bereits eine Startplatzgarantie für den ersten Weltcup im schwedischen Östersund (ab 24. November) in der Tasche. Vor allem für Peiffer ist das aber kein Grund, sich entspannt zurückzulehnen: "Ich habe ja keine Flatrate auf den Weltcup. Man muss daher immer dranbleiben, sich immer weiter verbessern."

Arnd Peiffer: Saisonstart auf höherem Niveau

Und das dürfte ihm in diesem Sommer deutlich leichter gefallen sein als sonst. Erstmals konnte sich Peiffer nur auf das Training konzentrieren. Keine Ausbildung störte den Zeitplan, die Trainingseinheiten wurden auf ihn und seine Bedürfnisse zugeschnitten. "Ich war in meinen Entscheidungen flexibler und musste keine Kompromisse eingehen", beschrieb Peiffer diesen Luxus. Dass ihm auch deshalb ein erfolgreicher Winter gelingen kann, hat sich bereits bei den deutschen Meisterschaften abgezeichnet. Auf Skirollern war Peiffer in der Lage, viele Rennen mit hohem Tempo zu gehen. "Ich steige auf einem höheren Niveau ein als im Vorjahr. Ich gehe mit breiter Brust in die neue Saison."

Tüftler am Schießstand

Und das im wahrsten Sinne des Wortes: So austrainiert wie in diesen Tagen hat Peiffer selten vor einem Weltcup-Auftakt gewirkt. Seine Zeit nutzte der 25-Jährige aber nicht nur für die physischen Grundlagen. "Mr. Zuverlässig", wie er wegen seiner Zielsicherheit am Schießstand nicht nur teamintern genannt wird, sah auch dort noch Verbesserungspotential: "Ich bin ein Tüftler und ein Feiler, ein bisschen tüftelt man ja immer", sagt er. Vor allem das Aufsetzen der Waffe stand dabei im Mittelpunkt. "Das geht dann schon 100-mal, bis es wirklich flutscht", verriet der Polizeiobermeister. Und genau diese Nuancen können später über den Sieg oder einen Platz fernab des Podiums entscheiden.

Birnbacher: Halber Ironman als Kontrastprogramm

Biathlet Andreas Birnbacher

Andreas Birnbacher

Das weiß auch sein Teamkollege Andreas Birnbacher: "Die Dichte ist so extrem, da entscheiden Kleinigkeiten. 99 Prozent reichen, um vorne dabei zu sein. Bei 98 Prozent ist man schon abgeschlagen", so der 31-Jährige. Auch ihm stand viel Zeit zur Verfügung, einen nicht ganz unerheblichen Teil verbrachte er allerdings im Krankenbett. Zwischen September und Oktober hatte Birnbacher mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, "was es genau war, weiß ich immer noch nicht. Ich habe mich einfach schlapp gefühlt", erklärt er. Dabei hatte "Birnei" kurz zuvor bei einem halben Ironman noch geglänzt. Etwas mehr als vier Stunden quälte er sich im Wasser, auf zwei Rädern und zu Fuß. Ein gewolltes Kontrastprogramm zur Winterzeit? "Ich habe im Training bewusst neue Reize gesetzt und ausprobiert. Da bin ich ein Risiko eingegangen, das ich vor der Olympia-Saison wahrscheinlich nicht gemacht hätte."

In dieser vorolympischen Saison greifen Birnbacher und Peiffer wieder voll an. Bleiben sie verletzungsfrei, werden aus den Hoffnungsträgern vielleicht die neuen deutschen Biathlon-Superstars.

sid/br | Stand: 21.11.2012, 16:04

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