Deutsches Desaster beim WM-Start
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Biathlon-WM in Nove Mesto
Deutsches Desaster beim WM-Start
Die deutsche Mannschaft hat einen kapitalen Fehlstart in die Weltmeisterschaft in Nove Mesto (Tschechien) hingelegt. Im Mixed-Wettbewerb kamen Andrea Henkel, Miriam Gössner, Simon Schempp und Andreas Birnbacher am Donnerstag (7.2.2013) mit 2:40,7 Minuten Rückstand nur auf einen enttäuschenden 13. Platz. Erstmals seit 2008 hatte damit eine deutsche Mixed-Staffel keine WM-Medaille gewonnen. Der Sieg ging an Norwegen vor Frankreich und Tschechien. Die Gastgeber schoben sich dabei erst nach dem letzten Schießen auf das Podest und sorgten für Jubelstürme bei den 27.000 Fans.
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Katzenjammer herrschte dagegen bei den deutschen Skijägern. Mit einem solchen Debakel hatte keiner gerechnet. Es klappte einfach nichts. Am Schießstand waren zehn Fehler viel zu viel. Und auch in der Loipe waren die Deutschen deutlich langsamer als die Spitzenläufer. "Die Miri war durcheinander. Es war nicht ihr Rennen. Es war ein Rennen, wo eins zum anderen kam und wir nicht einmal Kontakt zur Spitze bekommen haben", schätzte Trainer Gerald Hönig ehrlich ein. Die schnellsten Beine und besten Schützen hatte diesmal Norwegen. Schlussläufer Emil Hegle Svendsen sicherte den Sieg vor dem starken Martin Fourcade (Frankreich) ins Ziel. Für die dicke Überraschung sorgte aber Tschechien. Für die Gastgeber rettete Schlussläufer Ondrej Moravec den Podestplatz. "Es ist einfach perfekt, unglaublich, super. Das ist Biathlon", freute sich der Tscheche Jaroslav Soukup.
Henkel: "Fehler sind ärgerlich"
Von einem Rang auf dem Podium waren die Deutschen vom ersten Schießen an meilenweit entfernt. Andrea Henkel war als Startläuferin ins Rennen gegangen. Die Trainer setzten auf ihre Erfahrung. Doch der Start in ihre 14. (!) WM lief nicht optimal. Für die 35-Jährige aus Großbreitenbach schwächelte beim Schießen. Obwohl die Wind-Fähnchen nur ganz leicht wedelten, brauchte sie im Liegend- und Stehendanschlag jeweils einen Nachlader. Zuviel um der starken Konkurrenz um die fehlerfreie Norwegerin Tora Berger Paroli zu bieten. "Ich ärgere mich über die Fehler", ärgerte sich Henkel, die mit einem Rückstand von 42,1 Sekunden als Sechste an Laufwunder Miriam Gössner übergab.
Gössner vermasselt Stehendschießen
Doch die zuletzt pfeilschnelle beste deutsche Skijägerin machte auf den ersten Kilometern keinen Boden gut und kam als Sechste zum Liegenschießen. Dort verballerte sie gleich den ersten Schuss und musste nachladen. Dabei passierte das Malheur. Die erste Patrone flutschte ihr aus der Hand, die zweite verkantete, die dritte musste sitzen – und saß. Volltreffer. Aber mehr als eine Minute Rückstand. Und auch auf der Strecke flog Gössner nicht so schnell wie gewohnt. Der Rückstand auf die führenden Nationen aus Norwegen und Russland blieb bei fast einer Minute. Im Vergleich zu Top-Läuferin Darja Domratschewa aus Weißrussland verlor sie 35 Sekunden. Zudem flatterte das Nervenkostüm. Beim Stehendschießen reichten Gössner auch drei Nachlader nicht, um alle Scheiben abzuräumen. Sie musste in die Strafrunde und kehrte mit 1:29,2 Minuten Rückstand auf die Strecke zurück. "Das war es wohl mit einer Medaille", ahnte da schon Henkel im ARD-Interview. Und Gössner war todtraurig: "Es hat nichts funktioniert. Ich habe keine Ahnung warum."
Herren machen es Damen nach
Mixed-Staffel gestartet
Mit 1:36,4 Minuten Rückstand übergab sie an Simon Schempp. Der lief solide, ließ den Rückstand nicht anwachsen, verkürzte aber auch nicht und machte es am Schießstand seinen Team-Kolleginnen nach. Beim Liegendschießen wollte die letzte Scheibe nicht ins Ziel. Mit dem Nachlader fiel sie schließlich. Während sich Frankreich (Boeuf), Norwegen (Boe) und Russland (Schipulin) an der Spitze einen packenden Dreikampf lieferten, kam Schempp erst zum Schießstand als die Besten längst schon weg waren. Da half auch die tadellose Schneefeuereinlage beim Stehendanschlag nichts. Denn auch Schempp hatte keinen guten Ski und verlor auf der Schlussrunde noch einmal fast 30 Sekunden auf die Spitze. So ging Schlussläufer Andreas Birnbacher mit mehr als zwei Minuten Rückstand ins Rennen. Und wie sollte es an diesem Tag auch anders sein – auch der Routinier schwächelte und brauchte beim Stehendschießen drei Nachlader, um alle Scheiben abzuräumen. Das war aber am Ende auch irgendwie egal. Jetzt gilt es, den freien Freitag zu nutzen, um den Kopf freizubekommen und am Samstag bei den Sprint-Wettbewerben richtig anzugreifen.
Entscheidung nach dem letzten Schießen
Tschechien jubelt über Bronze bei der WM-Mixed-Staffel: Soukup, Vitkova, Soukalova, Moravec (v.l.n.r.)
Aus deutscher Sicht war es ein Rennen zum Vergessen, doch alle Fans, die nicht gerade den Deutschen die Daumen gedrückt hatten, erlebten ein packendes Rennen. Die Entscheidung über den Sieg fiel wirklich erst auf der Schlussrunde. Dabei zeigte sich Norwegens Schlussläufer Svendsen nervenstark und rettete die Führung ins Ziel. Russland - noch Zweiter vor dem letzten Wechsel - fiel dagegen zurück, weil Malyschko in die Strafrunde musste. Frankreichs Schlussläufer Martin Fourcade lief als Zweiter mit 20 Sekunden Rückstand ins Ziel. Für die dicke Überraschung sorgte aber Tschechien. Schlussläufer Moravec nutzte den russischen Fehlschuss. Mit zwei fehlerfreien Schießeinlagen stürmte er als Dritter (+ 32,2 s) ins Ziel. Vierter wurde Italien (+58,0 s). Russland kam hinter Slowenien nur auf Platz sechs.
sst | Stand: 07.02.2013, 18:45