Druck auf russische Biathleten nimmt zu - Boykott vom Tisch

Den russischen Biathleten droht eine Doping-Sperre

Diskussion über Doping-Sperren

Druck auf russische Biathleten nimmt zu - Boykott vom Tisch

Das Thema Doping beherrscht weiter die Biathlon-Szene. Die Russen stehen unter Generalverdacht. Eine Sperre für das gesamte Team wäre möglich. Ein Boykott der Anderen Athleten ist derzeit kein Thema.

Biathlon-Weltverbandspräsident Anders Besseberg hofft, dass im russischen Dopingskandal schnellstmöglich Konsequenzen gezogen werden können. "Man sollte versuchen, so schnell wie es nur geht, die Athleten zu sperren, die es betrifft. Priorität haben dabei selbstverständlich die noch aktiven Sportler", sagte der Norweger am Donnerstag beim Weltcup in Oberhof.

Kein Boykott der Biathleten

Einen Weltcup-Boykott der Athleten wird es vorerst nicht geben, eine Sperre für das gesamte Team des Landes ist dagegen möglich. "Diese Konsequenzen sind für die Zukunft nicht ausgeschlossen", sagte IBU-Generalsekretärin Nicole Resch am Donnerstag dem ZDF. "Die hängen aber davon ab, was wir noch rausfinden werden." Weil im zweiten McLaren-Report um mutmaßliches russisches Staatsdoping insgesamt 31 russische Skijäger genannt worden waren, rumort es in der Biathlon-Szene gewaltig. Es sollen auch Athleten dabei sein, die derzeit im Weltcup laufen. Den Sportlern ist das derzeitige Agieren des Weltverbandes IBU nicht entschlossen genug.

Besseberg kann den Unmut der Athleten "sehr gut verstehen. Aber zuerst müssen wir die Beweise auf dem Tisch haben, und Stand heute haben wir diese leider noch nicht", sagte er. Man müsse dem WADA-Code zu 100 Prozent folgen. Der Verband sei verantwortlich für die Beweise, die man der unabhängigen Disziplinarkommission vorlegen müsse.

Wiluchina und Romanowa vorläufig gesperrt

Olga Wiluchina

Olga Wiluchina ist bereits vorläufig gesperrt

Bisher sind nur die zurückgetretene Olga Wiluchina und Jana Romanowa vorläufig gesperrt worden. Gegen 29 namentlich noch nicht bekannte Russen laufen Ermittlungen. "Ich möchte mich zu den einzelnen Namen nicht äußern, denn wie gesagt, wir müssen im Moment aus den Indizien Beweise machen. Und ich weiß nicht, für welche uns das gelingen wird und kann", sagte Resch. "Für jemanden, für den wir keine Beweise vorliegen haben, den dann jetzt durch die Medien als positiven Fall zu ziehen, wäre unverantwortlich und unprofessionell."

Athleten tauschen sich aus

Auf der letzten außerordentlichen IBU-Vorstandssitzung sei "erstmal nur über die Maßnahmen bezüglich der Events in dieser Saison gesprochen worden und wie die Verfahren im Moment erstmal eingeleitet werden", sagte Resch. Der Weltcup in Tjumen im März und die Junioren-WM in Februar in Ostrow hatten die Russen zurückgegeben. Die Athleten hatten sich am Mittwoch bei einem vom Franzosen Martin Fourcade, dem Tschechen Michal Slesingr und dem US-Amerikaner Lowell Bailey initiierten Treffen über die Entwicklungen ausgetauscht. "Ein Boykott steht nicht an. Wir werden einen Forderungskatalog an die IBU stellen und sehen dann weiter", sagte Slesingr.

Russe Schipulin warnt vor voreiligen Schlüssen

Vertrauen zwischen beiden Seiten sei ebenso notwendig wie der richtige Informationsfluss: "Es ist wichtig, dass wir miteinander reden und nicht nur übereinander." Russlands Staffel-Olympiasieger Anton Schipulin, der seine Unschuld beteuert, appellierte an seine Konkurrenten, das russische Team nicht vorzuverurteilen: "In der Dopingfrage gibt es derzeit mehr Fragen als Antworten. Wir müssen schnell Gewissheit haben, wer schuldig ist und wer nicht. Ich habe den anderen gesagt, dass sie keine voreiligen Schlüsse ziehen sollen, bevor endgültige Beweise vorliegen."

dpa | Stand: 05.01.2017, 16:11

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