"Nicht zu viel Biathlon, Biathlon, Biathlon anbieten"

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Wettbewerbs-Inflation im Biathlon

"Nicht zu viel Biathlon, Biathlon, Biathlon anbieten"

Von Sanny Stephan

Neun Weltcup-Wochen, 56 Rennen - dazu elf Wettbewerbe bei den Weltmeisterschaften: Die Biathleten sind im Renn- und Reisestress. In der Kritik steht die Wettbewerbsflut.

Anfang März steht die Biathlon-Weltmeisterschaft in Oslo an. Bei der WM wird es elf Entscheidungen geben. Ein Single-Mixed-Staffelrennen ist nicht dabei. Noch nicht, muss man sagen. Der Weltverband IBU hatte vor einem Jahr in Nove Mesto erstmals das Staffelrennen mit einer Frau und einem Mann veranstaltet. Damit sollen auch kleinere Nationen, die keine vier gleichstarken Athleten aufbieten können, eine Chance bekommen. In dieser Saison standen schon zwei der neuen Mixed-Wettbewerbe auf dem Programm. In Östersund und Canmore. Weitere scheinen nicht ausgeschlossen. Zum Jugend-Olympiade Programm in Lillehammer 2016 gehört der Modus bereits.

Schempp - "Kein richtiger Biathlon mehr"

Simon Schempp

Simon Schempp sieht den Single-Mixed-Wettbewerb kritisch

Dabei ist er bei Trainern und Athleten umstritten. "Da kommt es fast nur noch aufs Schießen an, die Laufrunden sind zu kurz. Das ist nicht mehr richtiger Biathlon", äußerte sich Deutschlands Vorzeigeläufer Simon Schempp in der "Sport Bild". Bundestrainer Gerald Hönig sieht vor allem die steigende Anzahl an Wettbewerben kritisch. “Wir müssen aufpassen, dass wir nicht zu viel Biathlon, Biathlon, Biathlon anbieten“, meinte der 57-Jährige in der ARD im Hinblick auf mögliche weitere Single-Mixed-Staffelrennen. Dieser Wettbewerb sei zwar attraktiv für die Zuschauer, es öfter im Jahr zu machen wäre aber ein "Überstrapazieren". Man sollte das Wettkampfsystem so lassen wie es momentan ist, fordert Hönig.

Streitbarer Übersee-Trip

Über mangelnde Reisestrapazen brauchen sich die Biathleten in diesem Jahr nicht beklagen. Ausgerechnet vor dem Jahreshöhepunkt – der WM Anfang März in Oslo - macht der Weltcup-Zirkus nach ein paar Jahren Pause wieder in Übersee Station. Über Sinn und Unsinn lässt sich streiten. Die Top-Athleten, die auch um die WM-Medaillen kämpfen werden, kommen aus Europa und müssen nach zwei Wochen in Nordamerika ihren Bio-Rhythmus in kürzester Zeit noch einmal komplett umstellen. Oder auch nicht.

Norwegische "Alt-Stars" bleiben zu Hause

Norwegische Staffel mit mil Hegle Svendsen, Johannes Thingnes Boe, Tarjei Boe und Ole Einar Bjoerndalen.

Norwegische Staffel mit mil Hegle Svendsen, Johannes Thingnes Boe, Tarjei Boe und Ole Einar Bjoerndalen.

Die mitfavorisierten Norweger Ole Einar Björndalen und Emil Hegle Svendsen schwänzen die Übersee-Rennen komplett. Auch die starken Bö-Brüder Tarjei und Johannes Thingnes klemmten sich den Kanada-Trip und stoßen erst zu den Rennen im amerikanischen Presque Isle (ab 11.02. live im Ersten) dazu. Da sind Laura Dahlmeier und Franziska Hildebrand schon wieder zu Hause. Hönig schickte seine Spitzenläuferinnen zum Generieren nach Deutschland zurück und erklärte kürzlich im ZDF: "Wir wissen, dass das eine Riesenstrapaze ist - und ich sage ganz ehrlich: Ich bin nicht begeistert über diese Saisonplanung."

Die deutschen Herren fahren eine andere Taktik und reisen geschlossen zum Weltcup in die USA weiter. Welche Strategie die richtig war, wird sich ab dem 3. März zeigen. Dann geht es in der Mixed-Staffel um die erste Goldmedaille bei der WM.

Stand: 08.02.2016, 10:38

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