Volleyball-Weltliga - ein Millionenspiel
Neuer Abschnitt
Deutschland zieht erstmals ins Finalturnier ein
Volleyball-Weltliga - ein Millionenspiel
Von Frank van der Velden
Die deutschen Volleyballer stehen erstmals im Finalturnier der Weltliga. Die "Königsklasse" ist ein Millionenspiel. Doch auch die Kosten für die Teilnehmer sind hoch.
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Georg Grozer wusste es schon vorher. "Die Weltliga 2012 wird erstmals für uns im Finalturnier enden", sagte der Volleyball-Nationalspieler schon vor dem Start. Und auch Denis Kaliberda erklärte, die Vorrunde sei schließlich "dazu da, um ins Finalturnier einzuziehen." Doch dass das Team von Bundestrainer Vital Heynen jetzt beim Showdown der besten sechs Mannschaften in Sofia (4. bis 8. Juli) tatsächlich mit dabei ist, damit konnte man nicht wirklich rechnen. Acht Mal war Deutschland in der Weltliga bisher am Start, noch nie hat es die Vorrunde überstanden. Die bisher beste Platzierung war Rang acht im Jahr 1993.
Doch diesmal setzten sich die Schmetterkünstler in der Vorrunden-Gruppe D gegen Bulgarien, Portugal und Argentinien durch. In der Endrunde trifft das Team erneut auf Gastgeber Bulgarien sowie auf die USA. In der zweiten Gruppe spielen Polen, Kuba und Brasilien. Die beiden Gruppenersten ziehen ins Halbfinale ein. "Dass wir die Weltliga-Endrunde zum ersten Mal erreicht haben, ist etwas ganz Besonderes, wenn man schaut, wie viele Jahre wir schon vertreten sind", sagt Kapitän Björn Andrae. "Wir sind sehr stolz darauf."
Hohe Kosten für die Teilnehmer
Rekordsieger der Weltliga: Brasilien
Der Internationale Volleyballverband FIVB rief die Weltliga 1990 ins Leben. Ziel war es, die Randsportart populärer zu machen. Die besten Teams der Welt sollten jedes Jahr rund um den Globus Werbung für den Volleyball machen, Sponsoren und Fans anlocken. Die Strategie ging auf. Die Weltliga hat sich international etabliert. Seit 1993 gibt es mit dem World Grand Prix ein ähnliches Turnier auch für die Frauen. Rekordsieger ist Brasilien mit neun Erfolgen. Eine sportliche Qualifikation gibt es nicht, die FIVB verteilt stattdessen Einladungen. Deutschland ist seit 2010 wieder regelmäßig im Konzert der Großen mit dabei, 14 Mal gehörte man erst gar nicht zum erlesenen Kreis.
"Ein Nullsummenspiel"
Die FIVB rühmt sich gerne damit, ein üppiges Preisgeld auszuschütten. Insgesamt sind rund 20 Millionen US-Dollar im Topf. "Dabei wird gerne übersehen, dass die Kosten für die Teilnehmer sehr hoch sind", sagt Thilo von Hagen vom deutschen Volleyballverband.
Denn schon die Vorrunde der Weltliga wird in Turnier-Form ausgetragen. In jeder Vierer-Gruppe ist dabei jede Mannschaft einmal Gastgeber. Das Turnier in Deutschland ging im Mai in Frankfurt am Main über die Bühne. "Wir mussten die kompletten Kosten übernehmen. So hat der Gastgeber dafür zu sorgen, dass alle Spiele live im Fernsehen zu sehen sind", erklärt von Hagen. Hinzu kämen unter anderem noch die gesamte Vermarktung und die Unterbringung und Verpflegung der drei Gästeteams. Zwar gebe es ein Startgeld, doch vom dem bliebe nichts übrig. Von Hagen beziffert die Kosten auf rund eine Millionen Euro. "Die Weltliga ist ein für die Teilnehmer ein Nullsummenspiel. Zu verdienen gibt es erst etwas im Finale", sagt er.
Sportlich ein Segen
Dort winkt dem Sieger eine Million Dollar. Der Zweite bekommt 500.000 Dollar, der Dritte streicht 300.000 Dollar ein, der Vierte darf sich über 150.000 Dollar freuen, der Fünfte und der Sechste werden jeweils um immerhin je 75.000 Dollar reicher.
Trotz der Kosten ist die Teilnahme für das deutsche Team vor allem sportlich ein Segen. Die Duelle mit den Besten der Welt haben die Mannschaft reifen lassen. Zudem sammelte das Team eifrig Weltranglistenpunkte. "Die Weltliga ist vergleichbar mit der Champions League auf Vereinsebene", sagt von Hagen. "Um wirklich oben dabei zu sein, braucht man sie", meint auch Kapitän Andrae und Georg Grozer erklärt: "Es ist eine Ehre, bei diesem Finale dabei zu sein. Das ist nochmal ein Schritt für den deutschen Volleyball"
"Nicht nur mitspielen"
Bundestrainer Vital Heynen
Ob ausgerechnet Außenseiter Deutschland am Ende den Jackpot einstreicht, ist fraglich. "Der sechste Platz wäre normal, aber wir werden mal sehen, was möglich ist. Da wollen wir nicht nur mitspielen", erklärt Bundestrainer Vital Heynen.
Ganz nebenbei ist das topbesetze Event eine perfekte Vorbereitung für die Olympischen Spiele in London. Vor allem dort wollen die Volleyballer eine gute Figur machen. Geld ist schließlich nicht alles.
Stand: 03.07.2012, 08:30