Kazan und das Projekt Volleys Berlin

Im Achtelfinale der Champions League: die Berlin Volleys

Volleyball-Champions-League

Kazan und das Projekt Volleys Berlin

Von Frank van der Velden

Gegen Titelverteidiger Kazan rechnen sich die Berlin Volleys im Achtelfinale  der Champions League nur sehr wenig aus. Manager Kaweh Niroomand freut sich dennoch. Ihm geht es um das Projekt Volleyball in Berlin - und um noch mehr.

Die Bilanz ist beeindruckend. Zenit Kazan hat in der Vorrunde der Champions League sechs Siege eingefahren und dabei keinen einzigen Satz abgegeben - 18:0 Punkte und 18:0 Sätze stehen zu Buche. Im Team des Titelverteidigers aus Russland stehen insgesamt sechs Olympiasieger, und Trainer Vladimir Alekno gilt als einer der besten der Welt. Deshalb ist der deutsche Meister Berlin Volleys im Achtelfinale der Königsklasse auch klarer Außenseiter. "Es wäre vermessen, vom Weiterkommen zu sprechen, zumal Kazan im Rückspiel Heimrecht ist", sagt Manager Kaweh Niroomand vor der ersten Partie am Mittwoch (16.01.13) in Berlin.

Dennoch ist das Aufeinandertreffen mit dem Topfavoriten aus Russland eine große Sache für die Berliner. "Das Erreichen des Achtelfinales ist vor allem sportlich für uns sehr wichtig. Die Mannschaft kann sich gegen einen internationalen Topverein präsentieren und weiter entwickeln. Deshalb freuen wir uns auf das Spiel gegen Kazan", sagt Niroomand. Das meint auch Trainer Mark Lebedew. "Das sind Momente und Erfahrungen, die man in der Bundesliga nicht hat. Und die K.o.-Runde ist noch eine Stufe höher", sagt der Meister-Coach: "Davon werden alle Spieler profitieren - vor allem die jungen", erklärt er.

"Stück für Stück nach vorne"

Berlins Manager Kaweh Niroomand

Berlins Manager Kaweh Niroomand

In Berlin denken die Macher ohnehin langfristig. "Wir verfolgen ein Projekt. Wir wollen die Mannschaft Stück für Stück nach vorne bringen, sie soll sich Jahr für Jahr weiterentwickeln", sagt Niroomand. "Berlin soll in Zukunft fester Bestandteil der Champions League sein. Das Erreichen des Achtelfinales in diesem Jahr ist ein weiterer Schritt dahin", erklärt er.

In Berlin darf man stolz darauf sein, in der Runde der letzten 16 zu stehen. Denn die Volleys sind der einzige deutsche Klub im Achtelfinale, Friedrichshafen und Haching scheiterten schon in der Vorrunde. Das Team aus der Hauptstadt ließ in der Gruppe B mit vier Siegen und zwei Niederlagen Jihostroj Ceske Budejovice und Budvanska-Rivijera Budva hinter sich und landete hinter Lokomotiw Nowosibirsk auf Rang zwei.

"Volleyball populärer machen"

Berlin feierte 2012 die deutsche Meisterschaft

Berlin feierte 2012 die deutsche Meisterschaft.

In der heimischen Bundesliga sind die Berliner ohnehin derzeit das Maß aller Dinge. Mit 28:0 Punkten steht der Titelverteidiger souverän der Tabellenspitze. Branchenprimus Friedrichshafen ist mit drei Niederlagen nur Dritter. Von einer Wachablösung will Niroomand dennoch nicht sprechen, obwohl die Meisterschaft natürlich auch ein großer Schritt für das Projekt gewesen sei. "Friedrichshafen ist zuletzt sieben Mal in Serie Meister geworden und hat 2007 die Champions League gewonnen. Davon sind wir noch weit entfernt", sagt er. Und er betont: "Die Meisterschaft wird in den Playoffs entschieden."

Doch Niromaand denkt über Berlin hinaus. Ihm geht es um die gesamte Bundesliga. "Wir wollen Volleyball in Deutschland insgesamt populärer machen. Die gesamte Liga muss wachsen, sich weiter entwickeln und ausgeglichener werden. Es wäre schön, wenn viele Klubs um die Meisterschaft mitspielen könnten. Das hat dann auch positive Effekte auf die Nationalmannschaft", erklärt der Manager.

Berlin in der Vorreiter-Rolle

Klarer Favorit gegen Berlin: Zenit Kazan

Klarer Favorit gegen Berlin: Zenit Kazan

Das sind keine Worthülsen, die Niroomand da von sich gibt - denn der Mann liebt den Volleyball. 1973 kam der gebürtige Iraner als Student in die heutige Bundeshauptstadt. Er war erst Spieler und dann Trainer in Berlin und leitet nun seit mehr als 20 Jahren die Geschicke des Klubs. Ohne sein Engagement für den Sport wäre Volleyball auf solch hohem Niveau in Berlin wohl nicht möglich. Das alles tut der 60-Jährige übrigens ehrenamtlich. Im Hauptberuf ist er Geschäftsführer eines großen Software-Unternehmens und vornehmlich in ganz Europa, Afrika und dem Mittleren Osten unterwegs.

Um neben anderen Sportarten wie Handball, Basketball und Eishockey wahrgenommen zu werden und bestehen zu können, müsse Volleyball ein Event sein, so Niroomand. Unter ihm sind die Volleys in eine Art Vorreiter-Rolle geschlüpft. Der Verein wagte im Jahr 2011 einen mutigen Schritt und zog aus der traditionsreichen Sömmeringhalle in Charlottenburg in die viel größere und moderne Max-Schmeling-Halle. Mit Erfolg: Zu den Heimspielen der Volleys strömten in der vergangenen Saison so viele Fans wie nie zuvor.

Trotz starker Konkurrenz - Platz eins bei den Zuschauerzahlen

Volleyball als Event: Die Max-Schmeling-Halle

Volleyball als Event: Die Max-Schmeling-Halle

Rund 70.000 Menschen kamen insgesamt in den "Volleyball-Tempel" - durchschnittlich 4.215 pro Spiel. In Sachen Zuschauerzahlen sind die Volleys in Deutschland unangefochten die Nummer eins und auch im internationalen Vergleich sind sie ganz vorne mit dabei. "Wir haben die Berliner für Volleyball begeistert und ziehen nicht nur zu den Topspielen Fans an", sagt Niroomand: "Darauf sind wir sehr stolz, denn wir stehen in starker Konkurrenz zu den Eisbären, den Füchsen und zu Alba." Seit März 2011 halten die Volleys zudem den Zuschauerrekord in der Bundesliga. 8045 Fans waren damals in der Schmeling-Halle dabei, als Berlin den VfB Friedrichshafen 3:1 besiegte.

Gleichzeitig appelliert Niroomand an die anderen Klubs. "Den Volleyball deutschlandweit populär machen - das können wir nicht alleine. Da müssen die anderen mitziehen. Das geht natürlich nicht von heute auf morgen. Aber wir haben den Anstoß gegeben und hoffen, dass sich jetzt auch bei den anderen Vereinen langfristig etwas ändert", erklärt er.

Stand: 16.01.2013, 08:00