Hachings Volleyballer schmettern in zwei Ländern

Die Olympihalle in Innsbruck

Volleyball-Bundesliga

Hachings Volleyballer schmettern in zwei Ländern

Von Frank van der Velden

Hachings Volleyballer sind zurück in der Bundesliga - dank einer Wildcard und einer Kooperation mit Österreichs Meister Innsbruck. Das Projekt ist ungewöhnlich und einmalig, auch weil Haching seine Heimspiele vornehmlich in Innsbruck austrägt.

Gleich der 1. Spieltag der neuen Saison der Volleyball-Bundesliga hat es vom Papier her mächtig in sich. Denn da bekommt es Titelverteidiger VfB Friedrichshafen mit Haching zu tun. Jahrelang lieferten sich beide Klubs enge Play-off-Serien und schwer umkämpfte Pokalduelle. 2014 zogen sich die Münchner dann aus der Bundesliga zurück. Es fehlte an einem Hauptsponsor.

Jetzt ist Haching wieder da - dank einer Wildcard und einer Kooperation mit Österreichs Spitzenklub Innsbruck feiern die Bayern ihr Comeback. Tirol Alpenvolleys Haching heißt der neue Verein, der sich anschicken will, in den kommenden Jahren die Bundesliga aufzumischen.

Haching, Innsbruck und die Liga betreten Neuland. Ein solches Projekt ist im deutschen Sport bisher einmalig, einen länderübergreifenden Klub hat es noch nicht gegeben. Von Haching kommt die Lizenz, Innsbruck bringt das Geld mit. Dafür mussten die Tiroler ihren Platz in der österreichischen Bundesliga aufgeben.

Österreich war Innsbruck zu klein

 Innsbrucks Manager Hannes Kronthaler

Innsbrucks Manager Hannes Kronthaler

Was aber auch der Sinn der Sache war. Dem zehnmaligen Serienmeister war es dort zu klein und zu langweilig geworden. "Für uns war der Sport in Österreich nicht mehr so interessant. Wenn du in der heimischen Liga nicht gefordert bist, kannst du dich nicht weiterentwickeln. Und damit sind wir stagniert", sagt Tirols Marketingleiter Christian Sigl. "Uns haben die Visionen gefehlt. Jetzt haben wir ein Projekt, das es in dieser Form so noch nie gegeben hat", erklärt auch Manager und Geschäftsführer Hannes Kronthaler. Er war es auch, der mit der Idee einer Zusammenarbeit auf Haching zugekommen war, nachdem er von der neu eingeführten Wildcard gehört hatte.

Jung: "Große Chance"

Die österreichische Liga stimmte zähneknirschend zu, und auch die deutschen Bundesligisten gaben mehrheitlich ihr O.K. "Die Chance, die für die Bundesliga in diesem Projekt liegt, ist eine sehr große. Das ist Konkurrenz an der Spitze. Die Topklubs sind begeistert", sagt Liga-Geschäftsführer Klaus-Peter Jung: "Das Team tritt nicht mit dem Anspruch an, die Liga aufzufüllen." Dahinter steckt, dass es auch in der deutschen Bundesliga in letzter Zeit eher langweilig war. Denn am Ende kam der Meister dann doch entweder aus Berlin oder aus Friedrichshafen. So verspricht sich auch Jung vor allem mehr Spannung und ein wenig neues Leben für die Liga. Kronthaler bedankte sich bei beiden Verbänden "für die Bereitschaft, Grenzen zu überschreiten".

Sieben Spiele in Innsbruck

Hauptstandort der Alpenvolleys ist Tirol. Schließlich tragen die Österreicher komplett die wirtschaftliche Verantwortung. Sieben von zehn Heimspielen und mögliche Play-off-Partien gehen in der Universitätssporthalle oder der Olympiahalle Innsbruck über die Bühne, nur drei Partien und die Pokalspiele werden in Haching angepfiffen. Auch das Training unter Coach Stefan Chrtiansky findet in Tirol statt.

Die Ziele sind ambitioniert. Manager Kronthaler will im ersten Jahr das Play-off-Viertelfinale, im zweiten Jahr das Halbfinale und im dritten Jahr die Endspielserie um die Meisterschaft erreichen. "Irgendwann wollen wir ganz vorn mitspielen", sagt er und träumt davon, das grenzüberschreitende Projekt auch international zu etablieren. Für die erste Spielzeit plant der Klub mit einem Etat von rund einer Million Euro.

Trainer aus Innsbruck, Sportdirektor aus Haching

Sportdirektor Mihai Paduretu

Sportdirektor Mihai Paduretu

Die sportliche Verantwortung ist aufgeteilt. Trainiert wird das Team vom Innsbrucker Stefan Chrtiansky, Hachings Mihai Paduretu ist Sportdirektor. Sechs Spieler im Kader liefen schon in der vergangenen Saison für Innsbruck auf. Immerhin zwei Spieler kommen aus Haching. Bemerkenswert: Jonas Sagstetter ist der einzige deutsche und Niklas Kronthaler der einzige österreichische Spieler im Team. Paduretu betont, dass das Projekt "nicht als Haching Teil zwei", sondern "etwas ganz Neues" verstanden werden müsse.

Auch auf Bühl kommt viel Neues zu. Das Team aus Baden-Württemberg ist das erste, das in Innsbruck antritt. Und abgesehen von ihrer Sportausrüstung müssen die Bühler dann auch ihre Ausweispapiere einpacken.

Stand: 12.10.2017, 08:30

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