Turn-WM: Schäfer gewinnt Gold am Schwebebalken

Weltmeisterschaft in Montreal

Turn-WM: Schäfer gewinnt Gold am Schwebebalken

Pauline Schäfer hat am Sonntag in Montreal überraschend WM-Gold am Schwebebalken gewonnen. Jubel gab es im deutschen Team auch über Bronze.

Schäfer erkämpfte damit die zweite Goldmedaille für deutsche Turnerinnen am Schwebebalken bei Weltmeisterschaften seit 1981. Die 20-Jährige kam am Sonntag (8.10.2017) nach glänzender Darbietung vor 10.000 Zuschauern im ausverkauften Olympic Stadium auf 13,533 Punkte.

Bronze für Tabea Alt

Die nach Bestwerten im Vorkampf und im Mehrkampf-Finale favorisierte Tabea Alt aus Ludwigsburg leistete sich kleinere Wackler, freute sich am Ende aber riesig über WM-Bronze (13,300).

"Was soll ich sagen? Mir fehlen die Worte", sagte Pauline Schäfer nach dem Triumph. Gemeinsam mit ihrem Freund Andreas Bretschneider hatte sie auch in der Mixed-Zone noch weitere Tränen verdrückt. "Ich bin froh, dass alles ein so gutes Ende genommen hat", sagte sie fast flüsternd und rang um jedes Wort.

Leichter fiel die Beurteilung der Cheftrainerin Ulla Koch. "Es gibt keine Steigerung mehr. Eigentlich müsste ich morgen als Trainerin aufhören", sagte sie: "Ich wollte auf der Stelle zusammensacken, aber ich bin wieder aufgestanden."

Pauline Schäfer musste als Erste ans Gerät und bestach mit der Perfektion ihrer Übungen. Nachdem sie ihre Schwierigkeit noch einmal um zwei Zehntel aufgestockt hatte, durfte sie sich über eine höher Wertung als in der Qualifikation freuen. Sie hatte vor zwei Jahren in Glasgow WM-Bronze am einstigen Zittergerät der Deutschen gewonnen.

"Endlich mal ein Erfolgserlebnis", hatte Schäfer schon beim Einzug in das Finale erzählt, einen Gedanken an Gold hatte sie da nicht verschwendet. In den zurückliegenden Jahren hatte die Riege von Cheftrainerin Ulla Koch intensiv an den früheren Schwächen gearbeitet. Schon die zwei Finalplätze waren ein bisher noch nie erreichtes Ergebnis in der Historie des Deutschen Turner-Bundes (DTB).

Neue Elemente nach Tabea Alt benannt

Tabea Alt hatte zuvor bei ihrem WM-Debüt bereits als Zehnte im Mehrkampf überzeugt und war wie im Vorkampf beste Turnerin an ihrem Spezialgerät Balken. "Ich versuche, mir keinen Druck zu machen und auch im Finale eine schöne Übung zu turnen. Aber die Abstände zu den Konkurrentinnen sind sehr gering", hatte der Schützling von Trainer Robert Mai vor dem wichtigsten Wettkampf der Karriere gesagt. Mit Bronze erfüllte auch sie alle Erwartungen.

Schließlich ist ihr Name seit Montreal nun auch im Regelwerk des Weltverbandes FIG. Am Stufenbarren zeigte sie gleich zwei Elemente, die noch nie zuvor eine andere Turnerin vorstellte. Das Durchschwingen durch die Arme zum unteren Holmen mit halber Drehung wird künftig als "Alt 1" und ihr neuer Abgang als "Alt 2" in den Code d'Pointage eingehen.

Platz sieben für Marcel Nguyen am Barren

Marcel Nguyen belegte zum Abschluss der Weltmeisterschaften Platz sieben im Finale am Barren. Der Unterhachinger hatte als einziger der deutschen Männer den Endkampf erreicht. "Ich hatte ein paar Probleme mit der Präparierung des Geräts und musste ein Element weglassen. Das war etwas blöd, aber es war natürlich cool in dieser Atmosphäre zu turnen", meinte der Olympia-Zweite und dreimalige Europameister nach dem ersten WM-Finale seiner Karriere. Daher war sein Schwierigkeitsgrad von 6,5 auf 6,2 herabgestuft worden, das hatte Konsequenzen für die Endnote, die somit nur 14,70 Punkte betrug.

dpa | Stand: 08.10.2017, 21:57

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