Tischtennis-Team-WM - alle gegen China

Timo Boll

Tischtennis - Team-WM

Tischtennis-Team-WM - alle gegen China

Ein Oldie mit Vergangenheit, ein immergleicher Favorit, Sorgen beim deutschen Team und Ärger um manipulierte Schläger – am Sonntag beginnt in Kuala Lumpur die Tischtennis-Team-WM.

Vor wenigen Wochen beendete einer der ganz großen des Tischtennissports endgültig seine Karriere. Der mittlerweile 50-jährige Jan-Ove Waldner schlug zum letzten Mal für seinen Klub Spårvägens BTK auf. Seine internationale Karriere hatte der Schwede schon Jahre vorher beendet. Bei der Team-WM 2006 war er letztmalig für sein Land im Einsatz - im Alter von 40 Jahren.

Der Österreicher Werner Schlager ist bereits 43 Jahre alt, wenn am Sonntag die Team-Weltmeisterschaften im Tischtennis in Kuala Lumpur beginnen. Der Weltmeister von 2003 denkt indes noch nicht ans Aufhören. Aufgrund der Verletzung eines Teamkollegen springt er als fünfter Spieler beim Europameister ein. "Ich habe noch nicht alles verlernt", sagt Schlager lächelnd. "Nur hinfahren und alle Partien verlieren, das spielt es bei mir sicher nicht."

Der haushohe Favorit heißt Ma Long

Die große Frage bei der Team-WM ist indes nicht die nach der Leistungsfähigkeit des Ex-Weltmeisters, sondern vielmehr einmal mehr die, ob in diesem Jahr jemand in die Phalanx der Chinesen einbrechen kann. Bei den vergangenen sieben Team-Weltmeisterschaften triumphierten die Chinesen. Auch 2016 ist das Team um den derzeit alles überragenden Weltranglisten-Ersten Ma Long der haushohe Favorit.

Die größen europäischen Hoffnungen lagen lange auf den an Position zwei gesetzten Deutschen. Doch beim Team von Jörg Roßkopf läuft es derzeit alles andere als rund. Europameister Dimitrij Ovtcharov musste kurz vor der WM verletzungsbedingt absagen, Timo Boll laboriert noch an den Folgen einer Knie-OP im vergangenen Herbst und sagt selbst: "Ich bin noch nicht bei 100 Prozent."

Deutsches Team ohne Leistungsträger

Dementsprechend zurückhaltend fällt die Prognose von Teamchef Jörg Roßkopf aus. "Mit Dima und Timo hätten wir zwei Flaggschiffe in der Mannschaft gehabt", so Roßkopf: "Ohne Dima werden wir aber schon in der Gruppe noch stärker gefordert sein." Boll und Co. müssen in der Vorrunde gegen Schweden, Frankreich, England, Dänemark und Gastgeber Malaysia antreten.

Ma Long

Ma Longa

Die Verletzungssorgen der DTTB-Athleten waren nicht der einzige Aufreger im Vorfeld. Timo Boll hatte vor wenigen Wochen in einem Zeitungsinterview erklärt, dass 80 Prozent der Spieler ihre Beläge verbotenerweise mit Chemikalien behandelten, die den Katapulteffekt deutlich verstärkten. Dadurch fliege der Ball schneller und härter. Zwar gebe es Schlägerkontrollen, die derzeitigen Messverfahren reichen aber nicht aus, um das sogenannte Tunen festzustellen.

Diskussion um manipulierte Schläger

Beim Weltverband ITTF und beim Branchenführer China hatten Bolls Äußerungen für mäßige Begeisterung gesorgt. Seine Hoffnungen auf schärfere Kontrollen der Schlägerbeläge werden sich so schnell denn auch nicht erfüllen. Der Weltverband will zwar am Rande der Team-WM in Kuala Lumpur das Thema besprechen. "Es wird aber keine Ad-hoc-Aktionen geben", erklärte ITTF-Präsident Thomas Weikert.

Ob manipuliert nicht - der Titel bei der Team-WM wird höchstwahrscheinlich auch 2016 an die Volksrepublik gehen. Ein gutes Omen für alle Herausforderer der Tischtennis-Übermacht gibt es dann allerdings doch. Es war im Jahr 2000, als mit Schweden letztmals eine Mannschaft die Chinesen bei der Team-WM in die Schranken weisen konnte. Auch damals fand das Turnier in Kuala Lumpur statt.

dpa/sid/red | Stand: 26.02.2016, 08:30

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