Lao Wa spielt nicht mehr

Lao Wa spielt nicht mehr

Timo Boll bezeichnete ihn mal als "Lichtgestalt des Tischtennis" – an diesem Donnerstag beendet der zweimalige Weltmeister Jan-Ove Waldner in der höchsten schwedischen Spielklasse seine Karriere.

Jan-Ove Waldner

Am Donnerstag (11.02.16) ist es soweit: Schwedens Tischtennis-Legende Jan-Ove Waldner beendet mit 50 Jahren seine Punktspiel-Karriere. Zum Abschluss bestreitet er für seinen Klub Spårvägens BTK sein letztes Pflichtspiel in der ersten schwedischen Liga gegen Helsingborg.

Am Donnerstag (11.02.16) ist es soweit: Schwedens Tischtennis-Legende Jan-Ove Waldner beendet mit 50 Jahren seine Punktspiel-Karriere. Zum Abschluss bestreitet er für seinen Klub Spårvägens BTK sein letztes Pflichtspiel in der ersten schwedischen Liga gegen Helsingborg.

Der 1965 in Stockholm geborene "Mozart des Tischtennis" war ein Frühvollendeter. Mit sechs Jahren trat er einem Verein bei, mit zwölf Jahren spielte er in der ersten schwedischen Liga, mit 16 stand er erstmals in einem EM-Finale. Schon damals zeichnete sich sein Spiel durch seine hohe Variabilität und die vielen Tempowechsel aus.

Nachdem er 1987 im Finale noch knapp gescheitert war, gelang ihm 1989 in Dortmund sein Meisterstück: Mit der schwedischen Mannschaft und im Einzel wurde "J.O" Weltmeister. Drei Jahre später holte er in Barcelona die Goldmedaille im Einzel. Für Schweden war es die erste Goldmedaille bei Olympischen Sommerspielen der Nachkriegszeit. 1997 wurde er noch einmal Weltmeister – ohne einen einzigen Satzverlust.

Dass Schweden vier Mal in den späten 80er und frühen 90er Jahren in die zu dieser Zeit schier uneinnehmbare Phalanx der Chinesen einbrechen konnte - es lag vor allem an Waldner. Bis ins neue Jahrtausend gelang es ihm als einem der ganz wenigen Europäer immer wieder, auch die besten Chinesen zu bezwingen. Noch vor der Team-WM 2006, seinem letzten Turnier, sagte er: "Mit mir sind wir neben Weltmeister China und Südkorea eine der besten Mannschaften der Welt, ohne mich ist das Team eines der schlechtesten." Das war nicht überheblich gemeint, sondern schlicht wahr.

Die Ehrfurcht und der Respekt vor "Lao Wa", wie die Chinesen Waldner nennen und was sich frei als "alter Freund" übersetzen lässt, ist groß. So war Waldner der erste Ausländer überhaupt, der 2013 mit einer Briefmarke in der Volksrepublik geehrt wurde, die sich allein in den ersten Tagen angeblich drei Millionen Mal verkaufte. Bereits 2004 hatte Waldner in Peking ein eigenes Restaurant namens "W" eröffnet. "Viele Chinesen kennen womöglich nicht George Bush", sagte Waldners Manager in China vor ein paar Jahren, “aber sie kennen Lao Wa".

Er war ein Stehaufmännchen, der beinahe ein Vierteljahrhundert in der Weltelite überlebte. Bei Olympia 2000 stand er trotz ein paar Kilo zu viel noch einmal im Einzel-Finale. Dann warfen ihn Verletzungen zurück, 2003 scheiterte er bei der WM schon in Runde eins. Bei den Olympischen Spielen 2004 besiegte er 38-jährig im Achtelfinale Weltmeister Ma Lin und im Viertelfinale den jungen Timo Boll. Waldner kletterte daraufhin die Tribüne empor und nahm die Glückwünsche des schwedischen Königspaares entgegen.

"Waldi", wie die deutschen Fans den Ausnahmekönner nannten, spielte auch mehrfach in der Bundesliga. Er schlug für Saarbrücken, Plüderhausen und zuletzt bis 2012 in Fulda auf. Dass er diese Ochsentour noch einmal auf sich nahm, hatte auch mit Geldsorgen zu tun.

So fokussiert und konzentriert er an der Platte war und ist, so wenig gelang ihm dies eine Zeit lang außerhalb der Halle. Seine Gagen landeten nicht selten postwendend auf dem Roulettetisch oder beim Pferdewettenanbieter. "Ich habe alles gespielt, womit man viel Geld verlieren kann", sagte er selbst einmal. Mittlerweile sei seine Spielsucht seit Jahren therapiert, sagt er - trotzdem sind es auch immer die Schattenseiten einer Karriere, die zum Mythos des ganz Großen beitragen.

Stand: 11.02.2016, 14:54 Uhr

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