Lisicki feiert ihren größten Erfolg, Haas scheitert

Sabine Lisicki

Achtelfinale in Wimbledon

Lisicki feiert ihren größten Erfolg, Haas scheitert

Sabine Lisicki wird nach ihrem Triumph über Serena Williams in der Tenniswelt gefeiert, Tommy Haas unterlag dagegen trotz großem Kampf Novak Djokovic.

Sabine Lisicki hat mit ihrem Sieg gegen Serena Williams ein kleines Stück Tennisgeschichte geschrieben. Die 23-Jährige bezwang die Weltranglistenerste nach 2:02 Stunden mit 6:2, 1:6, 6:4. Und das nach 0:3 und 3:4/0:40 im dritten Satz. "Ich zittere immer noch", sagte Lisicki in ihrem ersten Interview. Dann erstickten die Tränen für einen kurzen Moment die Stimme. "Es war unglaublich. Serena hat so stark gespielt, sie hatte tolle Schläge. Ich habe alles gegeben und um jeden Punkt gekämpft." Mit ein paar Stunden Abstand resümierte sie: "Das ist definitiv der größte Erfolg meiner Karriere."

Jetzt könnte eine Menge möglich sein: Denn Lisickis nächste Gegnerin Kaia Kanepi hat zwar in der zweiten Runde Angelique Kerber besiegt, doch Lisicki ist als Nummer 24 der Welt 22 Plätze besser notiert als ihre nächste Gegnerin aus Estland.

McEnroe: "Größte Sensation im Turnierverlauf"

"Unglaublich, Olle!!! Glüüüückwuuuunsch! Hol dir das Ding!", twitterte Fed-Cup-Kollegin Andrea Petkovic. "Darüber denke ich jetzt noch nicht nach", sagte Lisicki jedoch, als sie auf das kommende Match gegen Kanepi angesprochen wurde. Es klang wie eine Warnung an die Konkurrenz, als sie hinterherschob: "Das Turnier ist noch nicht vorbei." Für Williams schon - obwohl die 31-Jährige zuletzt 34 Siege nacheinander feierte, die French Open gewann und seit dem überraschenden Aus von Maria Scharapowa für manche schon als logische Siegerin vorab gekürt wurde. BBC-Experte John McEnroe sprach wohl auch deshalb von "der größten Sensation im bisherigen Turnierverlauf". Und auch Steffi Graf gratulierte per Facebook.

Alleine die ersten vier Spiele des ersten Durchgangs dauerten 23 Minuten. Als eine Rückhand von Williams im Aus landete, schaffte Lisicki das Break zum 4:2 und entschied anschließend den Satz für sich. Nachdem Williams nach 27 Minuten Durchgang zwei mit 6:1 für sich entschieden hatte und im dritten Satz mit 3:0 in Führung ging, schien jedoch alles gelaufen gegen Lisicki. Lisicki kämpfte sich aber nach jedem Rückschlag immer wieder zurück und gewann den Satz mit 6:4. Bundestrainerin Barbara Rittner zeigte sich begeistert: "Es war ein Wahnsinns-Match auf einem unfassbaren Niveau mit einem unglaublichen Ende. Vor allem, dass sie nach dem 0:3 im dritten Satz noch zurückgekommen ist, verdient Hochachtung."

Lisickis Gegnerin Kanepi besiegt Robson

Kaia Kanepi

Lisickis kommende Gegnerin Kaia Kanepi

Neben Lisicki und deren nächster Gegnerin Kaia Kanepi (Estland) erreichten auch Petra Kvitova (Tschechien), Li Na (China), Agnieszka Radwanska (Polen), Sloane Stephens (USA), Marion Bartoli (Frankreich) und Kirsten Flipkens (Belgien) das Viertelfinale. Kanepi warf die 19 Jahre alte Britin Laura Robson mit einem 7:6 (8:6), 7:5-Erfolg aus dem Turnier.

Haas verliert trotz großem Kampf gegen Djokovic

Tommy Haas verpasste derweil eine ähnliche Überraschung wie Lisicki, gegen den Weltranglistenersten Novak Djokovic verlor er in drei Sätzen 1:6, 4:6, 6:7 (4:7). Nach einem völlig desaströsen ersten Satz gelang Haas im zweiten Durchgang zwar ein Break und im Anschluss daran die Führung zum 4:2 - doch Djokovic gewann daraufhin vier Spiele in Folge und gewann mit 6:4.

Tommy Haas im Spiel gegen Novak Djokovic

Tommy Haas im Spiel gegen Novak Djokovic

Spätestens jetzt aber zeigte sich Haas erholt von seinem schwachen Start und bot vor allem im dritten Satz einen großen Kampf. Djokovic hatte das Break zum 4:2 geholt und führte dann bereits mit 5:2. Doch Haas wehrte einen Matchball ab, glich tatsächlich noch zum 5:5 aus und erzwang kurz danach den Tiebreak. Doch dort behielt Djokovic klar die Oberhand, er trifft nun im Viertelfinale auf den Tschechen Tomas Berdych. Damit ist von den anfangs elf deutschen Herren keiner mehr dabei. "Er returniert sehr gut, passiert unmenschlich und gibt dir kaum freie Punkte. Seine Flexibilität in den Ecken ist beeindruckend", sagte Haas. "Im ersten Satz habe ich viel zu viele Fehler gemacht. Danach war es eigentlich ganz gut. Aber ich hatte nie das Gefühl, gutes Rasentennis zu spielen."

Murray bei seinem Heimspiel im Viertelfinale

Der britische Hoffnungsträger Andy Murray erreichte derweil durch ein 6:4, 7:6 (7:5), 6:1 gegen Michail Juschni aus Russland die Runde der letzten Acht bei seinem Heim-Grand-Slam. Der Schotte spielt jetzt gegen den Spanier Fernando Verdasco. Zudem stehen sich der an Nummer vier gesetzte David Ferrer aus Spanien und der Argentinier Juan Martin del Potro gegenüber.

Außerdem kommt es zum ersten rein polnischen Viertelfinale. Der an Nummer 24 gesetzte Jerzy Janowicz bezwang im Achtelfinale Jürgen Melzer aus Österreich 3:6, 7:6 (7:1), 6:4, 4:6, 6:4 und trifft nun am Mittwoch auf seinen Landsmann Lukasz Kubot. Der 31-Jährige gewann gegen den Franzosen Adrian Mannarino 4:6, 6:3, 3:6, 6:3, 6:4. Mannarino hatte in der dritten Runde den deutschen Qualifikanten Dustin Brown aus Winsen/Aller aus dem Turnier geworfen.

sid/dpa/nch | Stand: 01.07.2013, 21:49