Die große Chance des Novak Djokovic

Rafael Nadal, Novak Djokovic

Serbe kann vierten Grand Slam gewinnen

Die große Chance des Novak Djokovic

Alle vier Grand-Slam-Titel gleichzeitig besitzen - das schafften bislang nur zwei Spieler in der Tennis-Geschichte. Novak Djokovic könnte der dritte werden. Er müsste dazu im Endspiel der French Open am Sonntag (10.06.12) Rafael Nadal bezwingen.

Für Novak Djokovic ist es "die ultimative Herausforderung", für Rafael Nadal nur ein weiteres "sehr hartes Match": Wenn sich die beiden besten Tennisspieler der Welt am Sonntag in Paris zum vierten Mal in Serie in einem Grand-Slam-Finale gegenüberstehen, dann geht es um mehr als um den Titel bei den French Open. Die Nummer eins und die Nummer zwei der Weltrangliste spielen um einen Eintrag in die Geschichtsbücher.

Nach seinen Siegen in Wimbledon, bei den US Open und den Australian Open hat Djokovic die Chance, alle vier Grand-Slam-Titel gleichzeitig zu besitzen. Das war bislang erst zwei Spielern gelungen: 1938 dem US-Amerikaner Don Budge und 1962 sowie 1969 dem Australier Rod Laver. "Ich habe die goldene Gelegenheit, in die Geschichte einzugehen", sagte der Serbe: "Das motiviert mich, das inspiriert mich wirklich."

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Nadal und Djokovic können Geschichte schreiben | 02:17 min | 09.06.2012 | WDR 2 Sportzeit

Nadal geht als Favorit ins Spiel

"Der haushohe Favorit" für das Endspiel beim wichtigsten Sandplatzturnier der Welt - und das sagt selbst Roger Federer, der im Halbfinale gegen Djokovic chancenlos war - ist allerdings Rafael Nadal. Der Spanier ist der Dominator im Stade Roland Garros und hat in diesem Jahr noch keinen Satz abgegeben. Mit seinem siebten Titel, bei acht Teilnahmen, würde er sich zum alleinigen Rekordhalter in Paris krönen.

Nadal schafft historischen Rekord

Siebenmal die French Open zu gewinnen, das ist noch keinem Tennisspieler gelungen. Rafael Nadal hat mit seinem Sieg in Paris nun diese einzigartige Rekordmarke geknackt.

Rafael Nadal

Der Meister gibt sich keine Blöße: Rafael Nadal entscheidet das Endspiel der French Open für sich. Der Spanier setzt sich im Finale nach Regenunterbrechung mit 6:4, 6:3, 2:6 und 7:5 gegen den Serben Novak Djokovic durch. Mit dem insgesamt siebten Roland-Garros-Triumph schreibt Nadal Tennis-Geschichte. Er überflügelt den bisherigen langjährigen Rekordhalter Björn Borg.

Der Meister gibt sich keine Blöße: Rafael Nadal entscheidet das Endspiel der French Open für sich. Der Spanier setzt sich im Finale nach Regenunterbrechung mit 6:4, 6:3, 2:6 und 7:5 gegen den Serben Novak Djokovic durch. Mit dem insgesamt siebten Roland-Garros-Triumph schreibt Nadal Tennis-Geschichte. Er überflügelt den bisherigen langjährigen Rekordhalter Björn Borg.

Bereits im vergangenen Jahr holt sich Superstar Nadal seine sechste Trophäe und kann in Sachen Titelgewinnen mit der schwedischen Tennis-Legende gleichziehen. Im Finale 2011 besiegt Nadal seinen ewigen Kontrahenten Roger Federer in vier Sätzen mit 7:5, 7:6, 5:7 und 6:1.

Im Jahr zuvor (2010) bleibt Rafael Nadal gegen Robin Söderling ohne Satzverlust. Er holt sich mit dem fünften Titel nicht nur den "Musketiere"-Pokal, wie die French Open-Trophäe auch genannt wird, sondern auch die erneute Führung in der Weltrangliste.

Während der Endrunde 2009 profitiert hingegen Robin Söderling davon, dass der Mallorquiner physisch angeschlagen ist. Der Schwede besiegt den an eins gesetzen Nadal in vier Sätzen im Achtelfinale und unterbricht somit dessen Siegesserie. Das 2:6, 7:6, 4:6 und 6:7 ist Nadals erste und bisher einzige Niederlage im Stade Roland Garros.

Sein Finalgegner ist zumeist der Rekord-Grand-Slam-Sieger Roger Federer. Viermal (2006, 2007, 2008 und 2011) stehen sich die beiden im sogenannten "Duell der Giganten" gegenüber, aber der erfolgsverwöhnte Schweizer kann sich gegen den Sandplatzspezialisten Nadal nie durchsetzen. Nur 2009, als der Spanier schon im Achtelfinale an Robin Söderling scheitert, kann Federer am Ende den Pokal holen.

Dieser Erfolg bleibt aber eine Ausnahme. Ansonsten gilt die Regel: Rafael Nadal fühlt sich in seinem "Wohnzimmer" einfach pudelwohl und bleibt über viele Jahre der Herrscher am "Bois de Boulogne".

Gleich bei seiner ersten Turnierteilnahme sind Nadals Bemühungen von Erfolg gekrönt. Die Finalpartie 2005 gegen den Argentinier Mariano Puerta endet mit 6:7, 6:3, 6:1 und 7:5 für den Spanier. Die französische Fußball-Ikone Zinedine Zidane gratuliert dem damals sichtlich gerührten 19-Jährigen nach seinem Premierensieg.

Seit der Spanier vor ein paar Jahren die große Tennisbühne betreten hat, dominiert er das traditionsträchtige Turnier von Paris und gewinnt einen Titel nach dem anderen. Nadal triumphiert von 2005 bis 2008 sowie 2010, 2011 und 2012.

Mit dem French-Open-Sieg 2012 hat Rafael Nadal die historische Rekordmarke einer Tennis-Legende überboten. In den Siebzigern und Anfang der achtziger Jahre ist der Schwede Björn Borg der unumstrittene König von Roland Garros und kann insgesamt sechs Champions-Titel feiern (Siege 1974, 1975, 1978 - 1981).

Borg kommt in seiner relativ kurzen (9 Jahre) aber beispiellosen Tenniskarriere auf insgesamt 64 Einzeltitel. Neben den Triumphen in Paris ist der elfmalige Grand-Slam-Sieger beispielsweise auch fünf Mal in Folge in Wimbledon (1976 - 1980) erfolgreich. 1975 holt er den Davis Cup zum ersten Mal nach Schweden.

Nur wenigen Tennis-Profis in der Geschichte des französischen Großturniers ist bislang der Mehrfach-Erfolg vergönnt. Für den Franzosen Henri Cochet stehen in den zwanziger und dreißiger Jahren vier Titel (1926, 1928, 1930 und 1932) zu Buche.

Einige weitere Topspieler können in der Vergangenheit drei Mal im Finale triumphieren. Unter ihnen befindet sich auch die französische Tennislegende und Modeschöpfer René Lacoste (1925, 1927 und 1929).

1982, 1985 und 1988 sorgt mit Mats Wilander (links / mit Guillermo Vilas) ein weiterer Schwede dreifach für Furore.

Der Tscheche Ivan Lendl dominiert in den achtziger Jahren die Sandplätze und kann auch in Paris drei Titel holen (1984, 1986 und 1987).

Um die Jahrtausendwende hingegen ist der Brasilianer Gustavo Kuerten in insgesamt drei Finalspielen (1997, 2000 und 2001) nicht zu bezwingen.

Djokovic gegen Nadal, das ist auch die Erinnerung an 32 unvergessliche Duelle in den vergangenen sechs Jahren. 2006 fing alles an, als "Nole" im Viertelfinale der French Open gegen den späteren Champion aufgeben musste. Von 2011 bis zu den Australian Open 2012 gewann Djokovic sieben Spiele in Folge und grub sich damit tief in Nadals Psyche. Der 26-Jährige "Matador aus Manacor" hatte seinen ersten Angstgegner. Die letzte der sieben Niederlagen wirkte jedoch wie ein Aufputschmittel für Nadal, obwohl sie die schmerzvollste war.

Niederlage als Aufputschmittel

Im Finale von Melbourne im Januar spielte der 26-Jährige sein bestes Match auf einem Hardcourt, führte mit Break vor im entscheidenden fünften Satz und musste sich dennoch nach 5:53 Stunden geschlagen geben. Es war das längste Grand-Slam-Finale der Geschichte, bei Temperaturen weit jenseits der 30 Grad gingen Nadal und Djokovic über ihre körperlichen Grenzen hinaus. Der 25 Jahre alte Sieger beschrieb die Hitzeschlacht einmal als "außerkörperliche Erfahrung".

Vor der Neuauflage in Paris sagt Djokovic: "Das war das aufregendste Match meiner Karriere. Und sicherlich auch das längste. Es ist unglaublich, Teil dieser historischen Partie gewesen zu sein." Der geschlagene Nadal sagt heute: "Damals hat es angefangen. Das Level, das ich heute spiele, hatte ich bereits in Australien." In Monte Carlo und Rom ließ er Djokovic auf Sand keine Chance, wie bei seinen Dreisatz-Erfolgen in Roland Garros 2006, 2007 und 2008. Das Level, das Nadal in diesem Jahr bei seinem Lieblingsturnier spielt, erstaunt selbst Tennis-Experten mit jahrzehntelanger Erfahrung. Ex-Champion Mats Wilander schwärmt: "Nadal ist besser als jemals zuvor." Und Legende John McEnroe würde "keinen Penny gegen Nadal setzen. Das wäre verrückt. Er ist der König von Paris. Und das bleibt er auch."

sid | Stand: 09.06.2012, 12:52

ATP | Weltrangliste

Name P
1. Novak Djokovic 12310
2. Andrew Murray 8670
3. Roger Federer 8000
4. Rafael Nadal 6895
5. David Ferrer 6740
  ...  
200. Dominik Meffert 240
213. Bastian Knittel 220
288. Tim Pütz 157

WTA | Weltrangliste

Name P
1. Serena Williams 11620
2. Maria Scharapowa 10015
3. Viktoria Asarenka 9005
4. Agnieszka Radwanska 6475
5. Sara Errani 5835
  ...  
214. Carina Witthöft 269
230. Kathrin Wörle-Scheller 241
282. Laura Siegemund 172
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