Kerber im Schongang in Runde zwei
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US Open in Flushing Meadows/New York
Kerber im Schongang in Runde zwei
New York ist für Angelique Kerber so etwas wie die Endstation Sehnsucht. Aber eigentlich sollen die US Open auf dem Weg nach ganz oben nur ein weiterer Meilenstein sein. Ihre erste Pflichtaufgabe nach der Rückkehr an ihre sportliche Geburtsstätte erledigte die deutsche Nummer eins im Eiltempo - 6:2 und 6:0 gegen die Britin Anne Keothavong in nur 54 Minuten.
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Kerber rettete damit die Ehre der deutschen Tennisspielerinnen, nachdem ihre Fed-Cup-Kolleginnen Andrea Petkovic, Sabine Lisicki und Julia Görges am Vortag allesamt gescheitert waren. Die an Position sechs gesetzte Kerber feierte damit ihren 54. Sieg in dieser Saison. Mehr Erfolge hat 2012 bislang keine andere vorzuweisen.
In der nächsten Runde könnte auf die letztjährige Überraschungs-Halbfinalistin nun die zweimalige Turniersiegerin Venus Williams (USA) warten, deren letzter Triumph im Big Apple allerdings schon elf Jahre zurückliegt. "Das ist natürlich keine leichte zweite Runde. Eigentlich bin ich Favoritin, aber für mich ist sie die Favoritin", sagte Kerber. "Sie ist hier zu Hause, die Zuschauer werden alle gegen mich sein. Ich werde versuchen, mich nur auf mich zu konzentrieren. Ich weiß, dass ich sehr gut spielen muss, um gegen sie zu gewinnen."
Petzschner mit Marathon-Sieg
Philipp Petzschner
Philipp Petzschner indes behielt bei 31 Grad Celsius kühlen Kopf und drehte einen 0:2-Satzrückstand noch zu seinen Gunsten. Der Bayreuther besiegte Nicolas Mahut (Frankreich) in 3:31 Stunden mit 1:6, 4:6, 6:4, 7:5 und 7:6 (7:3) und trifft in der nächsten Runde auf Nicolas Almagro aus Spanien. "Eine schwierige Aufgabe. Er spielt sehr stark, ich muss versuchen, seinen Rhythmus zu brechen", sagte Petzschner, der sich nach dem Kraftakt erst einmal eine halbe Stunde aufs Rad setzte und anschließend die müden Beine einer Eismassage unterzog. Weniger erfolgreich verlief die turbulente Fünf-Satz-Partie für Qualifikant Matthias Bachinger. Der 25-Jährige aus Dachau unterlag dem früheren Australian-Open-Finalisten Marcos Baghdatis aus Zypern mit 2:6, 6:4, 4:6, 7:6 (10:8), 6:7 (5:7). Barthel musste sich der Serbin Bojana Jovanovski mit 6:4, 5:7, 2:6 geschlagen geben.
Barthel ausgeschieden, Malek weiter
Mona Barthel
Als vierte deutsche Fed-Cup-Spielerin war vor dem Kerber-Spaziergang am Dienstag bereits Mona Barthel ausgeschieden. Die Weltranglisten-35. aus Bad Segeberg musste sich nach einem Marathonmatch über 2:45 Stunden Bojana Jovanovski (Serbien) mit 6:4, 5:7 und 2:6 beugen und kassierte die dritte Grand-Slam-Auftaktpleite in Serie. Dagegen setzte sich Qualifikantin Tatjana Malek in ihrem Auftakt-Match gegen Akgul Amanmuradova aus Usbekistan mit 4:6, 6:2, 6:4 durch. Die 25-Jährige trifft nun auf die US-Amerikanerin Sloane Stephens. Malek steht zum ersten Mal seit Wimbledon 2010 im Hauptfeld eines Grand-Slam-Turniers.
Ohne Mühe erreichten der serbische Titelverteidiger Novak Djokovic und Top-Favoritin Serena Williams die zweite Runde. Der Weltranglisten-Zweite Djokovic ließ Paolo Lorenzi bei seinem 6:1, 6:0, 6:1-Erfolg ebenso keine Chance wie Olympiasiegerin Williams ihrer Gegnerin Coco Vandeweghe (beide USA) beim 6:1, 6:1.
Kerber bleibt die große Hoffnung
Am Mittwoch (29.08.12) müssen nun auch die letzten vier deutschen Erstrunden-Mohikaner ihre Auftaktmatches bestreiten. Unter anderem trifft Halle-Sieger Tommy Haas auf Ernests Gulbis (Lettland). Neben Kerber haben sich bislang auch Daniels Brands (Deggendorf) und Björn Phau (Darmstadt) für die zweite Runde qualifiziert. Große Hoffnungsträgerin nach dem schwarzen Montag des Fed-Cup-Trios ist aber Kerber, die die Auswirkungen ihres märchenhaften Aufstiegs in diesen Tagen täglich vor Augen geführt bekommt. Im vergangenen August war die Kielerin ohne Selbstvertrauen und als Nummer 92 des Rankings in den Big Apple gereist. Inzwischen hat Wimbledon-Halbfinalistin Kerber in der Bestenliste nur noch fünf Spielerinnen vor sich. "Wenn ich jetzt zu den Trainingsplätzen gehe, rufen die Fans meinen Namen, und ich werde um Autogramme gebeten. Auch in der Stadt wurde ich schon erkannt", berichtete die Linkshänderin.
Mit der Limousine durch New York
Und die neue Popularität genießt sie ebenso wie die Erinnerung: "New York 2011, da hat es bei mir klick gemacht." Die neuen Privilegien, die ihr als Topspielerin zustehen, machen vieles einfacher. Kerber darf einen Limousinen-Service in Anspruch nehmen, wenn sie täglich mit ihrer Combo, zu der diesmal auch ihre aus Polen angereiste Oma zählt, zur Anlage in den Stadtteil Queens fährt. Vor exakt zwölf Monaten musste "Angie" als eine von vielen noch den Bus nehmen. Der verkehrt nur alle 30 Minuten zwischen Manhattan und dem Corona Park - und transportiert unter anderem auch Journalisten. Und Kerber darf als Mitfavoritin auf den Titel auch auf dem großen Grandstand trainieren, beschützt von Sicherheitsbeamten.
Nach zwei Turniersiegen in dieser Saison sowie acht Erfolgen gegen Top-Ten-Spielerinnen spürt Kerber gerade bei den US Open den gewachsenen Druck. "Als ich erste Erfolge hatte, war bei den Leuten noch Skepsis da. Mittlerweile erwarten sie die guten Ergebnisse", meinte die Nagellack-Fanatikerin, die in Flushing Meadows vom großen Coup träumt: "Mir ist es wichtiger, einen Grand-Slam-Titel zu gewinnen, als die Nummer eins zu werden."
Bollitieri glaubt noch nicht an Kerber
Allerdings glaubt Trainer-Guru Nick Bollettieri diesmal noch nicht an einen Kerber-Triumph. "Sie ist noch nicht so lange da oben dabei. Und das könnte in engen Matches gegen starke Gegnerinnen und auf großer Bühne den Ausschlag geben. Aber irgendwann kann Angie das schaffen", sagte Bollettieri dem SID. Alles gelingt aber auch Kerber nicht. In Dallas verpasste sie unlängst Basketballstar Dirk Nowitzki. Als der Mavericks-Profi auf der Anlage eintraf, war die Kielerin bereits auf dem Weg nach New York. Zurück zur Endstation Sehnsucht.
Olympiasiegerin Serena Williams erreichte derweil ohne Probleme die zweite Runde. Die an Position vier gesetzte US-Amerikanerin bezwang ihre Landsfrau Coco Vandeweghe in nur 55 Minuten mit 6:1, 6:1 und trifft nun auf die Spanierin Maria Jose Martinez Sanchez. Dagegen ist für die ehemalige Weltranglisten-Erste Caroline Wozniacki (Dänemark/Nr. 8) das letzte Grand-Slam-Turnier des Jahres bereits nach der Auftakthürde beendet. Gehandicapt von einer Knieverletzung unterlag die 22-Jährige der Rumänin Irina-Camelia Begu 2:6, 2:6.
Stand: 29.08.2012, 08:49