Die Tennis-Regeln der Zukunft

Alexander Zverev

NextGen Finals

Die Tennis-Regeln der Zukunft

Von Torben Beckmann

Keine Linienrichter, kürzere Sätze, Tennis-Profis mit Headsets: Die ATP, der Tennis-Weltverband der Herren, probiert aus, wie Tennis in der Zukunft funktionieren könnte. Mindestens acht neue Regeln werden bei den NextGen Finals, dem Jahresabschluss-Turnier der U21-Profis, ausprobiert.

Herren-Tennis ist alt. Zwar unauffällig alt, weil die Topstars Roger Federer (36) und Rafael Nadal (31) aktuell ihren dritten (oder vierten) Frühling erleben. Aber das ändert nichts daran, dass bei genaueren Hinsehen die Falten immer sichtbarer werden. Federer hat Rücken, bei Nadal schmerzen die Knie und generell legen Tennis-Stars immer häufiger die Beine hoch und machen ein Päuschen vom vielen Spielen.

"Tennis muss jünger werden"

Ein Eindruck, der auch von Statistiken untermauert wird: Nur sechs der weltbesten 50 Spieler sind jünger als 25 Jahre. Und zehn der besten 20 Spieler haben schon den 30. Geburtstag hinter sich.

Also muss Tennis wieder jünger werden. Das findet zumindest die ATP und hat die NextGen erfunden, die nächste Generation des Welt-Tennis. "U21" ist das Motto, denn unter 21 Jahren jung müssen alle Mitglieder dieser Truppe sein. Dafür bekommen sie eine weltweite Werbekampagne und ein eigenes Jahresabschluss-Turnier, die NextGen Finals in Mailand. Gespielt wird um Prestige und Preisgeld. Weltranglisten-Punkte und damit einen sportlichen Wert gibt es nicht.

Neue Regeln

Vor allem soll das Turnier aber ein Blick in die Tennis-Zukunft sein. Denn nicht nur die Spieler werden immer älter, auch das Regelwerk hat schon lange keine General-Überholung mehr genossen. Man könnte sagen: Bald ist der Tennis-TÜV fällig und jetzt wird schon mal an vielen Schrauben gedreht, damit die Tennis-Familienkutsche auch in Zukunft weiterrollt.

ATP NextGen Finals - ein Blick in die Tennis-Zukunft

03:31 Min.

Folgende Schrauben sollen dafür gedreht, beziehungsweise folgende neue Regeln während der NextGen Finals ausprobiert werden:

Einführung von "Hawk-Eye Live": Statt rufenden Linienrichtern soll eine Kamera-Technologie live anzeigen, ob ein Ball noch im Feld oder schon im Aus war. Akustische Signale geben die Entscheidung bekannt. Bei knappen Entscheidungen soll es ein Bild auf den Arena-Leinwänden geben.

Verkürzung der Spiele & Sätze: Schon nach vier gewonnenen Spielen wird ein Satz beendet. Steht es 3:3 entscheidet ein Tie-Break. Es wird dafür über fünf Sätze gespielt. Bei Einstand entscheidet der nächste Punkt über den Gewinn des Spiels ("receiver’s choice", wird auf der ATP-Tour bereits in Doppel-Begegnungen angewendet).

Einführung einer Shot-Clock: Eine Uhr wird alle relevanten Deadlines als Countdown runterzählen, wie beispielsweise die 25 Sekunden, die ein Spieler zum Aufschlagen zur Verfügung hat. Der zeitliche Spielraum, der bisher (besonders gerne Rafael Nadal) gewährt wurde, soll so abgeschafft werden.

Coaching: Was bisher nur über Blicke zwischen Trainer auf der Tribüne und Spieler auf dem Court möglich war, wird jetzt legalisiert. Am Ende jedes Satzes werden Spieler und Trainer über ein Headset an der Spieler-Bank miteinander kommunizieren können.

Free Movement Policy: Eine Regel für die Fans. Die sollen sich während der NextGen Finals frei auf der Tribüne bewegen können und auch während gespielt wird, ihre Plätze einnehmen bzw. verlassen dürfen. Einzige Einschränkung für diese neue Policy soll ein Bereich hinter dem Aufschläger sein, um ihn nicht allzusehr zu stören.

Modern, jung, schnell

Bisher loben die jungen Spieler die Veränderung. Es seien spannende Innovationen, sie seien stolz, dabei zu sein, wenn der Tennis-Sport erneuert wird. Viele Tennis-Fans werden eher die Nase rümpfen bei diesen Neuigkeiten, vielleicht auch einfach aus alter Gewohnheit. Doch die Ziele der ATP könnten aufgehen: Mehr entscheidende Punkte durch kürzere Sätze, mehr Spannung, die so entstehen soll. Und grundsätzlich ein moderneres, jüngeres Bild, das der Tennis-Sport wieder abgeben soll.

Die NextGen Finals in Mailand starten am 07. November und enden am 11. November. Danach wird man sehen, ob der Tennis-TÜV bestanden wurde.

Stand: 06.11.2017, 08:15

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