Juan Martin del Potro - der Rückkehrer

Juan Martin del Potro

Halbfinale der US Open

Juan Martin del Potro - der Rückkehrer

Juan Martin del Potro ist ein Mann für große Geschichten im Tennissport. Im Halbfinale der US Open könnte gegen Rafael Nadal eine weitere hinzukommen. Der Argentinier weiß, wie es sich anfühlt, das letzte Grand-Slam-Turnier des Jahres zu gewinnen. Und er weiß zurückzukommen.

Als del Potro am Donnerstag (07.09.2017) zumindest sehr überraschend den Favoriten Roger Federer aus dem Turnier geworfen hatte, hatte er seine große Geschichte dieser US Open eigentlich schon zuvor geschrieben. Im Achtelfinale gegen den Österreicher Dominic Thiem stand der von einer fiebrigen Erkältung geschwächte 1,98-Meter-Hüne in New York vor dem Aus. Beim 0:2-Satzrückstand wollte "Delpo" eigentlich aufgeben - bei seinem Lieblingsturnier. Aber er kämpfte weiter, wehrte zwei Matchbälle ab und gewann eines "der epischsten Matches meiner Karriere" doch noch in fünf Sätzen.

Die Stimmung war wie beim Davis Cup, Fans in Argentinien-Trikots hüpften, tanzten und schrien auf der Tribüne des Grandstand. Letzlich habe ihn die Unterstützung der 8.000 Zuschauer bewogen, weiterzukämpfen. Dafür lieben ihn die Zuschauer, oder wie es del Potro selbst ausdrückte: "Sie mögen einen Kerl, der niemals aufgibt."

"Ganz tief im Keller"

Die Liebe müsste sehr groß sein, denn der im argentinischen Tandil geborene und heute noch dort lebende Tennisprofi stand schon mehrmals vor der Aufgabe - und kam bislang immer zurück. 2009 fand sein kometenhafter Aufstieg den ersten großen Höhepunkt, als er Federer im US-Open-Finale in fünf Sätzen bezwang. Es blieb sein bislang einziger Major-Titel. Del Potro brachte es in der Folge zur Nummer vier der Welt. Dann zwang ihn eine Handgelenkverletzung dazu, fast die gesamte Saison 2010 zu pausieren. "Ich war ganz tief im Keller", sagte del Potro später über die Zeit. Es folgten das Comeback und der erneute Angriff auf die Weltspitze. Aber 2014/15 ließen ihn drei weitere Handgelenk-Operationen bis auf Rang 1045 der Weltrangliste (Februar 2016) abstürzen. Der "Turm von Tandil" war am Boden.

"Vor meiner dritten Operation (...), im Sommer 2015, war ich verdammt nah dran, alles hinzuschmeißen", gestand er rückblickend. "Es war die härteste Zeit meines Lebens. Am Ende habe ich nur weitergekämpft, weil meine Freunde und die Familie auf mich einredeten, dass es verrückt wäre, aufzugeben."

"Seele von Mensch"

Nun ist er wieder da, zur Freude auch seiner Gegner. "Er war so lange weg, dass es schön ist, zu sehen, dass er wieder solche Matches spielt", sagte Federer nach del Potros Auftritt gegen Thiem und bedauerte dessen ständige Blessuren: "Es tat mir so leid für ihn, weil ich glaube, er hatte eine berechtigte Chance, die Nummer eins damals zu werden."

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung konstatierte, es gebe "wirklich keinen auf dem Planeten Tennis, der den langen Argentinier nicht mag, der eine Seele von Mensch ist, das krasse Gegenteil seiner aggressiven, zerstörerischen Vorhand." Wen wundert die Sympathie, bei solchen Gesten: Als sein Gegner Nicolas Almagro bei den French Open im Juni verletzt aufgeben musste, setzte sich del Potro neben ihn auf die Bank, legte den Arm um den Spanier und tröstete ihn minutenlang.

Schnellste Vorhand auf der Tour

Nun stellt sich dem kraftvollen Riesen mit dem "Herzen eines Golden Retrievers" (Wall Street Journal) in New York am Freitag die nächste hohe Hürde in den Weg: Rafael Nadal. Der Mallorquiner zeigt Respekt. "Er hat wahrscheinlich die schnellste Vorhand auf der Tour", sagte die spanische Nummer eins der Weltrangliste. Nicht nur das: Neben seiner krachenden Vorhand verfügt der Argentinier über einen gefährlichen Aufschlag. Er gilt als guter Taktiker und bestens ausgebildeter Techniker. Und: Auf seinem Weg zum Grand-Slam-Titel 2009 hatte der damals 20-Jährige Nadal im Halbfinale in drei klaren Sätzen bezwungen. Beste Voraussetzungen also für del Potros nächste große Geschichte.

Thema in Sport aktuell, Deutschlandfunk, Freitag, 08.09.17, 22.50 Uhr

red/sid/dpa | Stand: 09.09.2017, 08:00

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