Friedsam hofft auf mehr

Anna-Lena Friedsam jubelt gegen Roberta Vinci

Australian Open, 3. Runde

Friedsam hofft auf mehr

Anna-Lena Friedsam hat erstmals in ihrer Karriere die zweite Woche eines Grand-Slam-Turniers erreicht, Agnieszka Radwanska ist die nächste starke Gegnerin. Doch Friedsam hat bewiesen, dass sie keineswegs chancenlos sein wird.

Mit einer größeren Enttäuschung kann man kaum in ein Match starten. 0:6, nach nur 29 Minuten war der erste Satz für Anna-Lena Friedsam gegen Roberta Vinci verloren. "Ich war im ersten Satz mit meiner Leistung überhaupt nicht zufrieden", sagt Friedsam im ARD-Hörfunk mit Blick auf den Start gegen die Favoritin. "Ich hatte einfach keinen richtigen Zugriff auf das Match gehabt." Doch das sollte sich ändern.

Eine kurze Auszeit für die Wende

Der misslungene Start war nur scheinbar der Anfang vom Ende für Friedsams Auftritt bei den Australian Open in Melbourne, die bis hierhin schon erfolgreich gelaufen waren. Die 22-Jährige, gebürtig aus Neuwied in Rheinland-Pfalz, hatte mit den Siegen gegen Lourdes Dominguez Lino aus Spanien und Qiang Wang aus China erstmals die dritte Runde eines Grand-Slam-Turniers erreicht.

Nach dem 0:6 im ersten Satz schaffte sie gegen Vinci doch noch die große Wende. "Ich habe mir eine Auszeit genommen, bin kurz auf Toilette und hab dann versucht, mich auf den zweiten Satz zu fokussieren", sagt sie über ihr Comeback, das im zweiten Durchgang begann. Mit 6:4 und 6:4 gewann sie die beiden weiteren Sätze und besiegte so als Nummer 82 der Weltrangliste die Nummer 15. "Es war ein unglaublicher Moment, dieses Match zu gewinnen", sagt sie.

Der unglaubliche Moment zog sich allerdings hin. Bei Friedsams Matchball landete der Ball von Vinci nahe der Linie, spät kam der Ruf des Linienrichters, das Hawk Eye musste über den entscheidenden Ballwechsel entscheiden. "Ich dachte plötzlich: 'Scheiße, der Ball war drin.'" Er war es nicht, Friedsam erreichte das Achtelfinale.

Nun gegen Radwanska - und bald im Fed Cup?

Friedsam steht gemeinsam mit anderen jungen Spielerinnen nun für eine zweite Reihe hinter Angelique Kerber, Andrea Petkovic und Sabine Lisicki, die nach vorne rückt. "Das sind gute, anständige Mädels, die ihre Zeit brauchen. Sie sind keine Überflieger und wachsen da jetzt rein", sagte Rittner und fügte mit Blick auf Friedsam an: "An ihr werden wir noch sauviel Freude haben." Die nächste Begegnung im Fed Cup steht am 6./7. Februar in Leipzig gegen die Schweiz an. Da könnte Friedsam nun ein Thema werden.

Nun spielt sie aber zunächst erstmals in ihrer Karriere in der zweiten Woche eines Grand-Slam-Turniers mit. Im Achtelfinale trifft sie auf Agnieszka Radwanska, als Nummer vier der Welt die nächste vermeintlich übermächtige Gegnerin. In Shenzhen gab es erst vor zwei Wochen das bislang einzige Aufeinandertreffen der beiden, Radwanska gewann nach 75 Minuten mit 6:2, 6:4. "Ich kenne sie schon ganz gut und werde mich gut einstellen können," sagt Friedsam.

Friedsam hofft: "Da kommt noch mehr"

Und dass sie nicht chancenlos sein wird, hat Friedsam nicht erst mit ihrer Leistung gegen Vinci gezeigt. 2015 erreichte sie die zweiten Runden in Paris und Wimbledon, ihre Gegnerinnen damals waren mit Belinda Bencic und Serena Williams ebenfalls hohe Favoritinnen. Schon damals deutete Friedsam ihr Potenzial an, beiden nahm sie jeweils immerhin einen Satz ab. Das vergangene Jahr hielt aber auch den ersten größeren Rückschlag für sie bereit, als sie sich im Juli einen doppelten Bänderriss zuzog.

Der Gewinn des WTA-Challenger-Turniers in Suzhou/China und ein Sieg beim WTA-Turnier in Linz 2014 gegen die frühere Australian-Open-Finalistin Dominika Cibulková war ihr größter Erfolg - bis zum Match gegen Vinci. Nun hofft sie auf mehr: "Einer der schönsten Momente war es auf jeden Fall. Aber ich denke, da werden noch ein paar schöne kommen."

nch/sid | Stand: 22.01.2016, 12:48

Darstellung: