Angelique Kerber - fit und fokussiert

Angelique Kerber

Halbfinale bei den Australian Open

Angelique Kerber - fit und fokussiert

Von Marcus Bark

Körperlich in Topverfassung, nervenstark und fokussiert: Angelique Kerber steht vor dem größten Erfolg ihrer Tenniskarriere. Ein wichtiger Helfer auf diesem Weg sprach mit sportschau.de über die Kielerin.

Das Ansehen von Boris Becker hat in den vergangenen Jahren gelitten. Aber das Wort des ewigen Leimeners hat immer noch Gewicht, wenn er sich zum Tennis äußert. Am Mittwoch (27.01.16) war Becker ein gefragter Gesprächspartner. Exakt 25 Jahre, nachdem Boris Becker mit einem Sieg bei den Australian Open zum Ersten der Weltrangliste aufstieg, sprach der Leimener über eine Kielerin, die vor 28 Jahren in Bremen geboren wurde. "Wenn sie ihren Glauben und ihre Konzentration behält, dann hat sie große Chancen, im Finale zu stehen", sagte Becker über Angelique Kerber.

Boris Becker, als Trainer von Novak Djokovic in Melbourne, gewann sechs Turniere der höchsten Tenniskategorie. Kerber könnte nun zum ersten Mal in das Finale eines Grand-Slam-Turnieres einziehen. Sie müsste dafür gegen Johanna Konta gewinnen, die Nr. 47 der Weltrangliste. Da die Deutsche den sechsten Platz in jener Rangliste belegt, ist sie eindeutig die Favoritin für das Duell in der Nacht zu Donnerstag (28.01.16). Boris Becker sagt: "Wenn sie sich vor zwei Wochen eine Halbfinal-Gegnerin hätte wünschen können, dann hätte Konta mit Sicherheit auf der ersten Seite gestanden."

"Es gab nur drei Möglichkeiten"

Alexander Waske sagt im Gespräch mit sportschau.de: "Ich glaube, dass Angie gewinnen wird." Waske war mal 16. der Weltrangliste, im Doppel stand er zwei Mal im Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers. Sein Wort hat deutlich weniger Gewicht als das von Boris Becker, allerdings nicht im Fall von Angelique Kerber.

Es ist jetzt gut fünf Jahre her, da sagte Kerber dem Hamburger Abendblatt: "Es gab nur drei Möglichkeiten: So weiterzumachen wie bislang, etwas Grundlegendes zu ändern oder mit dem Tennis aufhören." Kerber, die 2003 den Entschluss fasste, mit Tennis Geld verdienen zu wollen, war wieder mal in der ersten Runde eines Turniers gescheitert. Das widerfuhr ihr zehnmal bei den ersten 13 Turnieren im Jahr 2011. Kerber entschied sich deshalb für die Möglichkeit, etwas Grundlegendes zu ändern. Sie wechselte in die Tennisakademie, die Alexander Waske auch heute noch mit Rainer Schüttler in Offenbach betreibt. "Es war eine richtige Schinderei", sagte Kerber über die ersten Wochen.

Lohnenswerte Schinderei

Diese Schinderei muss notwendig gewesen sein. "Damals war sie weit von guter körperlicher Verfassung entfernt", sagt Waske rückblickend. Die Arbeit zahlte sich schnell aus. Schon bei den US Open im September stellte sich der Erfolg ein. Kerber kam bis ins Halbfinale. "Auch damals, das ist eine Parallele zu den Australian Open jetzt, hatte sie Probleme in der ersten Runde", so Waske. In Melbourne musste sie zum Auftakt einen Matchball abwehren, im Viertefinale gegen Viktoria Asarenka waren es beim 6:3, 7:5 fünf Satzbälle. Es war Kerbers siebtes Match gegen die Weißrussin, zuvor hatte sie sechs verloren. Zuletzt bei einem Vorbereitungsturnier auf die Australian Open in Brisbane vor knapp zwei Wochen - 1:6, 3:6.

Alexander Waske

Alexander Waske: "Ich glaube, dass Angie gewinnen wird."

Die Abrechnung dafür gelang in Melbourne. Für Waske keine Überraschung: "Der Belag liegt ihr, weil er ziemlich schnell ist. Angie mag es, wenn der Ball nicht so hoch springt. Das kommt auch ihrer Stärke entgegen, den Schlag der Gegnerin zu kontern." Rainer Schüttler sieht den Erfolg ebenfalls als folgerichtig an: "Angelique spielt jetzt seit Jahren konstant. Was viele der Gegnerinnen nicht mögen, ist, dass sie mit sehr viel Winkel spielt."

Anders als Petkovic

Wenn Alexander Waske gefragt wird, wie er Angelique Kerber charakterisiert, geht er zunächst den indirekten Weg: "Sie ist sicherlich keine Rampensau wie die Andrea." Damit meint er Andrea Petkovic, die den Scheinwerfer nicht sucht, aber auch nichts dagegen hat, angeleuchtet zu werden. Kerber geht ihm lieber aus dem Weg. "Angie ist eher schüchtern und sensibel, aber in den Gesprächen auch sehr offen", so Waske.

Noch ein Sieg, dann hat die schüchterne, sensible Kielerin erstmals das Finale eines ganz großen Turniers erreicht. "Daran will ich noch gar nicht denken", sagte Kerber nach ihrem Erfolg gegen Asarenka. "Ich bin weiter im Turnier-Modus." Dieser Fokus, so Waske, habe ihr früher auch häufiger gefehlt. Damals als die "Rampensau" Petkovic sie aus dem Loch holen musste. Kerber: "Sie hat mich angespornt und mir eingetrichtert, dass ich eine tolle Spielerin bin."

Stand: 27.01.2016, 12:30

Darstellung: