Kerber in Melbourne sang- und klanglos ausgeschieden

Angelique Kerber

Australian Open

Kerber in Melbourne sang- und klanglos ausgeschieden

Angelique Kerbers Taum von der Titelverteidigung bei den Australian Open ist ausgeträumt. Die Deutsche unterlag im Achtelfinale der US-Amerikaner Coco Vandeweghe - und das klar in zwei Sätzen.

Die Weltranglisten-Erste musste sich mit 2:6 und 3:6 geschlagen geben. Die 29 Jahre alte Kielerin war im ersten Satz über weite Strecken chancenlos, wenn die 25-jährige Vandeweghe ihr druckvolles Spiel durchzog. Zu schon mitternächtlicher Stunde in Australien kämpfte sie sich danach aber in die Partie und profitierte im zweiten Durchgang von Fehlern der Amerikanerin. Die 3:1-Führung war aber schnell wieder dahin, nach nur 68 Minuten verwandelte Vandeweghe gleich ihren ersten Matchball.

Kein Mittel gefunden

Kerber fand kein Mittel gegen die aggressive Spielweise der 1,85 Meter großen Vandeweghe. Vor allen Dingen mit ihrem Aufschlag punktete die Nummer 35 der Welt immer wieder. Kerber leistete sich viele ungewohnte Fehler und konnte sich nicht auf das risikoreiche Spiel von Vandeweghe einstellen. Coach Torben Beltz versuchte seinen Schützling aus der Box heraus immer wieder zu ermutigen - vergeblich.

"Ich bin enttäuscht. Das war ein schlechter Tag von mir, ich habe den Ball nicht richtig gefühlt und hatte keinen Rhythmus", klagte Kerber, die sich trotzdem kämpferisch gab: "Ich habe viel gelernt und neue Erfahrungen gesammelt. Es kann immer noch ein gutes Jahr werden. Ich werde versuchen, stärker zurückzukommen." Das wird nötig sein, denn so reicht es nicht. "Das war nicht die Angie, die sich zur Nummer eins gemacht hat. Sie hat sich im gesamten Turnier nie wirklich frei spielen können", sagte Bundestrainerin Barbara Rittner: "Jetzt soll sie ein bisschen abschalten und sich Zeit für sich nehmen, um in Ruhe zu trainieren."

Es ist das früheste Scheitern einer Titelverteidigerin in Melbourne seit zehn Jahren. Damals hatte die amtierende Australian-Open-Siegerin Amelie Mauresmo (Frankreich) das Viertelfinale verpasst. US-Open-Siegerin Kerber würde den Platz an der Spitze der Weltrangliste verlieren, wenn Serena Williams (USA/Nr. 2) den Titel bei den Australian Open gewinnt.

Barthel verpasst weitere Überraschung

Mona Barthel

Der imposante Siegeszug von Qualifikantin Mona Barthel ist ebenfalls vorbei. Sie scheiterte im Achtelfinale von Melbourne an Venus Williams, schlug sich dabei aber sehr achtbar.Die Weltranglisten-181. verpasste durch ein 3:6, 5:7 gegen die frühere Nummer Eins eine weitere Überraschung. "Im zweiten Satz war für mich mehr drin. Aber man merkt eben die Erfahrung von Venus. Sie macht einfach wenig Dinge falsch", sagte Barthel und meinte: "Ich kann aber trotzdem sehr zufrieden mit meinem Turnier sein."

Viele Breakchancen liegen gelassen

Nach 1:36 Stunden besiegelte ein Vorhand-Fehler von Barthel die erste Niederlage nach zuvor sechs Siegen in Folge. Die 26-Jährige aus Bad Segeberg, die ein Preisgeld in Höhe von umgerechnet knapp 156.000 Euro kassierte, konnte nur zwei ihrer insgesamt zehn Break-Chancen nutzen. Vor allen Dingen bei den direkten Gewinnschlägen war die 36-jährige Venus Williams, die nun auf Anastasia Pawljuschenkowa (Russland/Nr. 24) trifft, klar besser (31:14 Winner). Dennoch feierte die Deutsche durch das erstmalige Erreichen der Runde der letzten 16 bei einem Major ihren bislang größten Erfolg. Lob gab es auch von Venus Williams: "Ich musste mein bestes Tennis gegen Mona spielen. Sie hat so viele Bälle zurückgebracht."

Damit ist im Viertelfinale von den deutschen Startern nur noch Mischa Zverev dabei. Der Hamburger warf überraschend den Weltranglisten-Ersten Andy Murray aus dem Turnier und trifft am Dienstag auf den Schweizer Roger Federer.

red/dpa/sid | Stand: 22.01.2017, 14:00

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