"17 Jahre sind genug" - Schüttler hört auf

Rainer Schüttler

Karriereende mit 36

"17 Jahre sind genug" - Schüttler hört auf

Rainer Schüttler beendet seine Karriere, und seine Pläne für die Zukunft stehen schon fest. Was bleibt, sind Erinnerungen an seinen Auftritt als "Roter Teufel" von Melbourne und vier vergebene Matchbälle.

"17 Jahre sind genug", sagt Rainer Schüttler. Es ist eine lange und bewegte Karriere, die zu Ende geht. Schon vor einem Jahr versicherte Schüttler, dass er vor diesem Schritt keine Angst habe. "Ich weiß, dass mein Leben nach dem Tennis nicht mehr ganz so aufregend sein wird. Aber Angst? Um Gottes Willen, nein. Ich denke nur, dass ich meine Zeit als Profi noch so lange ausnutzen sollte, wie es möglich ist. Keine Sorge: Man wird mich nicht vom Centre Court tragen müssen", sagte er damals.

Nun lässt Schüttler seinen Worten Taten folgen. "Es ist keine Wehmut dabei. Irgendwann wird es Zeit. Nach den vielen Verletzungen war es schwierig, zuletzt die Motivation zu finden." Mit 36 Jahren ist Schluss. Und der Umstand, dass bereits klar ist, wie es weiter geht, dürfte den Schritt für ihn etwas leichter gemacht haben. In Düsseldorf will Schüttler mit Ion Tiriac, früher Manager von Boris Becker, ein neues ATP-Turnier etablieren. Nach 34 Jahren steht das Aus für den World Team Cup am Rochus Club fest, im kommenden Jahr plane er nun ein Herrenturnier anstelle der Mannschafts-WM zu veranstalten. "Unser Ziel ist es, Top-Ten-Spieler nach Düsseldorf zu holen."

"Ich renne, ich renne, ich renne."

Rainer Schüttler als

Rainer Schüttler als "Roter Teufel" in Melbourne 2003

Schüttler galt immer als das "Kampfschwein", als einer, der nie aufgibt. Der Mann aus dem hessischen Korbach feierte zu Beginn der Nuller Jahre die Höhepunkte seiner Laufbahn. 2003 erreichte er bei den Australian Open in Melbourne das Finale, nachdem er zuvor Andy Roddick, David Nalbandian und James Blake ausgeschaltet hatte. "Roter Teufel" nannte ihn damals die australische Presse wegen seines leuchtend roten Trikots und seiner schier unendlichen Laufbereitschaft. "Ich renne, ich renne, ich renne. Ich bin nach jedem Ball gelaufen und habe sie alle bekommen", sagte Schüttler damals nach dem Sieg gegen Nalbandian. Das große Spiel gegen Andre Agassi verlor er allerdings glatt in drei Sätzen.

Rainer Schüttler und Nicolas Kiefer 2004 in Athen nach vier vergebenen Matchbällen

Schüttler (r.) und Kiefer 2004 in Athen nach vier vergebenen Matchbällen

Dramatischer blieb das Finale im Doppel um Olympisches Gold in Athen 2004. Gemeinsam mit Nicolas Kiefer vergab er gegen das chilenische Doppel im vierten Satz vier Matchbälle und verlor das Match nachts um 2:39 Uhr. Die Silbermedaille blieb zwar sein größter Erfolg – das Spiel aber seine größte Niederlage. "Ich war nie wieder nach einem Spiel so am Boden zerstört", sagt Schüttler im Rückblick in Bild.

Schüttler gewann vier ATP-Turniere, am 26. April 2004 erreichte er als Nummer fünf seine beste Platzierung in der Weltrangliste. "Es war eine verrückte Zeit. Die Euphorie. Die Enttäuschung. Die grandiosen Siege, die herben Niederlagen. Das Reisen durch die Welt, die Freude auf das Zuhause. Fernweh. Heimweh. All diese großen Gefühle im Turbotempo. Mein Leben bis hierhin reicht für vier, fünf Leben", sagte Schüttler 2011.

"Tennis hat mich immer glücklich gemacht"

2003 sagte Schüttler: "Ich werde eben immer besser, je älter ich werde." Das stimmt zwar nur bedingt, denn nach den Olympischen Spielen 2004 blieb das Halbfinale 2008 in Wimbledon gegen Rafael Nadal sein letzter richtig spektakulärer Auftritt. Der Abstieg begann, immer wieder warfen ihn Verletzungen zurück. Trotzdem hat sich "Opa Schüttler" lange in den Top 100 gehalten und galt 2010 noch als der älteste Spieler in der Weltspitze. Am Montag (08.10.2012) rutschte er auf Platz 846 in der Weltrangliste ab. Nun ist Schluss. Und Schüttler blickt zufrieden zurück: "Ich habe mich gefragt: Macht dich Tennis mehr glücklich oder unglücklich? Es hat mich bis zum Schluss immer glücklich gemacht."

nch/dpa | Stand: 09.10.2012, 11:44

ATP | Weltrangliste

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1. Novak Djokovic 12310
2. Andrew Murray 8670
3. Roger Federer 8000
4. Rafael Nadal 6895
5. David Ferrer 6740
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200. Dominik Meffert 240
213. Bastian Knittel 220
288. Tim Pütz 157

WTA | Weltrangliste

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1. Serena Williams 11620
2. Maria Scharapowa 10015
3. Viktoria Asarenka 9005
4. Agnieszka Radwanska 6475
5. Sara Errani 5835
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214. Carina Witthöft 269
230. Kathrin Wörle-Scheller 241
282. Laura Siegemund 172
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